Angebot in Greetsiel  Wie sich Kinder richtig wehren können

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 15.08.2024 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Mann hebt seine geballte Faust. Gegen Mobbing, Erpressung, Gewalt auf dem Schulhof und sexuelle Belästigung können Karate- und Selbstverteidigungskurse helfen. Foto: Hildenbrand/dpa
Ein Mann hebt seine geballte Faust. Gegen Mobbing, Erpressung, Gewalt auf dem Schulhof und sexuelle Belästigung können Karate- und Selbstverteidigungskurse helfen. Foto: Hildenbrand/dpa
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In Greetsiel gibt es ein neues Kursangebot für Kinder und Jugendliche. Die Kursleiterin wurde als Kind selber gemobbt und erklärt, warum Selbstverteidigung so wichtig ist.

Greetsiel - Die Erfahrung, als Kind, Jugendlicher oder auch Erwachsener gemobbt und schikaniert zu werden, lässt bei vielen Menschen tiefe Narben zurück. Laut der letzten PISA-Studie wurden in Deutschland im Jahr 2022 mehr als zwölf Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler häufig an ihrer Schule gemobbt. Ein großer Teil des Mobbings verlief mit acht Prozent auf psychischer Ebene. Knapp sechs Prozent der 15-Jährigen berichteten aber auch von Mobbing, das physische Gewalt involvierte.

Horst Boomgaarden (links) und Jeannette Prescher bieten in Greetsiel einen Selbstverteidigungs- und Karate-Kurs für Kinder und Jugendliche an. Foto: Privat
Horst Boomgaarden (links) und Jeannette Prescher bieten in Greetsiel einen Selbstverteidigungs- und Karate-Kurs für Kinder und Jugendliche an. Foto: Privat

Dem entgegenzustehen, ist gar nicht so einfach, weiß Jeannette Prescher. Sie ist Trainerin für Matsubayashi Ryu Dojo, Karate und Selbstverteidigung und bietet ab dem 16. August 2024 einen Karate- und Selbstverteidigungskurs für Kinder und Jugendliche beim TV Greetsiel an. „Ich bin als Kind selbst gemobbt und verprügelt worden“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das prägt einen.“ Erst durch Karate und den Sport habe sie ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden - Mobbing durch ihre Mitschüler habe danach kaum noch stattgefunden.

Psychologische Komponente

Beim Karate geht es nach Auskunft der Trainerin vor allem um Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Technik. Ob jemand groß und stark ist, ist dabei nebensächlich. Entsprechend können auch die Übungen der Kinder bei richtiger Ausführung einen ordentlichen Effekt haben. „Man wundert sich oft, wie viel Kraft zum Beispiel die Mädels haben können“, sagt Jeanette Prescher.

Wichtig sei dabei vor allem die psychologische Komponente. Nur, wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, hat die Chance, sich zu verteidigen. „Das sind meist drei bis fünf Sekunden, bis man in eine Schockstarre verfällt. Durch regelmäßige Wiederholungen kriegt man es hin, diese paar Sekunden zu nutzen und automatisch umsetzen, was man im Training gelernt hat.“

Training stärkt das Selbstbewusstsein

Regelmäßiges Training und das Wissen darüber, dass man sich körperlich verteidigen könnte, wirkt sich zugleich positiv auf das Selbstbewusstsein und die Körpersprache der Sportlerinnen und Sportler aus, sagt Jeannette Prescher. Das hilft nicht nur bei tatsächlichen Angriffen, sondern auch zum Beispiel bei Mobbing im Internet. Durch das Training kann man lernen, den eigenen Wert mehr zu schätzen und solche Dinge nicht zu sehr an sich heranzulassen, sagt sie. „Als Trainerin merkt man richtig, wie sich die Körpersprache der Kinder verändert und wie sie mehr Selbstbewusstsein bekommen. Mit hängenden Schultern ist man schneller ein Opfer als wenn man einen selbstbewussten Gang hat.“ Das sei besonders bei Mädchen zu beobachten, die zu Beginn des Kurses oft etwas stiller und zurückhaltender sind als die Jungen.

Zwar melden viele Eltern ihre Kinder bei Selbstverteidigungskursen an, weil sie besorgt sind. Am Ende komme es aber darauf an, dass das Kind auch Spaß an dem Sport und der Bewegung hat, sagt Jeannette Prescher. Nur dann seien die Kinder motiviert, auch dran zu bleiben. Ihre Karate-Kurse bietet sie bereits seit einigen Jahren in Osteel an, wodurch auch der Kontakt nach Greetsiel zustande kam. „Meine älteste Schülerin dort ist 75 Jahre alt, der jüngste vier oder fünf.“ Einer ihrer Schüler, Horst Boomgaarden aus Greetsiel, hatte sie schließlich gefragt, ob sie einen solchen Kurs nicht auch in Greetsiel anbieten könne. Boomgaarden ist dort nun ihr Co-Trainer.

Für den Kurs gibt es eine Förderung vom Landesportbund, Kosten entstehen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer also bis auf die Mitgliedschaftsgebühren im TV Greetsiel nicht. Anmeldungen nimmt der Verein über die Website entgegen. Der Kurs beginnt am 16. August um 15.30 Uhr und richtet sich zunächst an Kinder und Jugendliche ab sieben Jahren. „Wir schauen jetzt erst einmal, wie das Angebot angenommen wird. Dann können wir schauen, ob wir das eventuell auch für Erwachsene öffnen“, sagt Jeannette Prescher.

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