Einschulung in Emden Emder Kinder sind sehr ungleich auf die Grundschulen verteilt
In Niedersachsen gibt es keine freie Grundschulwahl. In welchem Stadtteil ein Kind lebt, ist entscheidend. In Emden platzen einige Schulen aus den Nähten, andere haben kleinste Klassen. Eine Analyse.
Emden - Anders als bei weiterführenden Schulen gilt bei Grundschulen in Niedersachsen, dass der Wohnsitz vorgibt, wo man die Schulbank drückt. Das heißt: Für Eltern spielt, wenn sie es sich denn leisten können, es womöglich bei der Wohnorts- oder Stadtteilwahl auch eine Rolle, welche Grundschule in der Nähe ist. In Emden gibt es zehn öffentliche Grundschulen. 521 Kinder wurden auf diese Schulen zum neuen Schuljahr entsprechend ihres Wohnorts verteilt, lässt sich auf der Instagram-Seite der Stadt Emden nachlesen.
Auch die Förderschule hat erste Klassen, doch die dortigen Anmeldezahlen werden von der Stadt online nicht genannt. Außerdem gibt es seit 2022 eine freie Grundschule. Hier wurde zum neuen Schuljahr eine Lerngruppe mit zwölf Kindern aufgenommen, schreibt Dr. Katharina Lühring als Initiatorin der Privatschule und Vorsitzende des Trägervereins „4Kids2GET“ auf Nachfrage. „Aktuell haben wir vier Lerngruppe mit je zwöf Kindern.“ Auf die private Grundschule können alle Kinder gehen, wenn sie einen Platz bekommen, ungeachtet ihres Stadtteils.
18 Erstklässler auf einer Schule, 88 auf einer anderen
Wer sich die Verteilung der 521 Kinder, die die zehn öffentlichen Grundschulen in Emden besuchen, anschaut, stellt schnell große Unterschiede fest. In den Stadtteilen mit größtenteils Einfamilienhaus-Bebauung, also Eltern mit höherem Einkommen, sind die Klassen klein. Im Stadtteil Constantia beispielsweise sind zum neuen Schuljahr zwei erste Klassen mit 15 und 16 Kindern gestartet. Auch die Grundschule Wolthusen hat 31 Neuzugänge, die Grundschule Petkum/Widdelswehr nur 24 und Wybelsum nur 18.
Ganz anders sieht das in Stadtteilen aus, in der sehr viele Menschen auf weniger Raum leben und die Block-Bebauung dominiert. Die meisten Neuzugänge hat die Grundschule Cirksena zu vermelden. 88 Mädchen und Jungen wurden hier eingeschult. Die Westerburgschule in Borssum hat 87 Erstklässlerinnen und -klässler und die Grundschule Grüner Weg in Barenburg 82. Klar ist: Nicht nur wegen der Schülerzahl sind die Voraussetzungen an den jeweiligen Grundschulen, sehr unterschiedlich.
Nicht nur Klassengröße, auch Förderbedarf sehr unterschiedlich
Denn: In den Grundschulen in Barenburg, Borssum und Port Arthur/Transvaal gibt es deutlich mehr Kinder mit besonderem Förder-, Integrations- und/oder Inklusionsbedarf als beispielsweise an der Grundschule Constantia. Das Engagement der Lehrkräfte und Schulleitungen ist sicher groß, doch die Herausforderungen können gar nicht alle so aufgefangen werden, dass die Bedingungen an allen Schulen gleich sind. Die Ressourcen an den Schulen müssten eigentlich besser verteilt beziehungsweise die Klassen an allen Schulen besser durchmischt werden. Das aber verhindert die Gesetzeslage.
Gleichzeitig ist in Bundesländern wie etwa Nordrhein-Westfalen, wo seit 2008/9 eine freie Grundschulwahl besteht, deutlich zu spüren, dass Schulen in sozial schwachen Quartieren weniger stark besucht werden, hat eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung herausgefunden. Eltern, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder in andere Grundschulen. „Mit zunehmendem Sozial- und Bildungsstatus steigt die Bereitschaft der Eltern, zwischen unterschiedlichen Schulen zu wählen, stark an“, heißt es dort weiter.
Studie: Aufhebung der Bezirke hilft auch nicht
Die Studie hat ergeben, dass die soziale und ethnische Schulsegregation bereits zu Zeiten der Grundschulbezirksbindung über die sozialräumliche Segregation der Wohnquartiere stark ausgeprägt gewesen sei. „Durch die Einführung der freien Grundschulwahl nimmt sie weiter zu“, wird Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung, in dem Bericht zitiert. Eine Aufhebung der Bezirke scheint also auch keine Lösung. Was also dann?
In Emden will man kräftig in die Grundschulen investieren - auch weil das Anrecht auf Ganztag, das ab 2026 gelten soll, damit ermöglicht werden soll. In die Grundschule Früchteburg, die 62 Neuzugänge zum Schuljahr 2024/25 vermeldet, sind Investitionen in Höhe von rund 11,5 Millionen Euro bis 2027 geplant. Mehr Kosten für 2028 könnten noch folgen. Angekündigte Arbeiten an der Grundschule Westerburg sollen ebenfalls mehr als zehn Millionen Euro verschlingen. Weitere Schulen werden in den Fokus genommen, doch für alle Projekte auf einmal fehlt der Stadt das Geld, wurde wiederholt erklärt.
Gleichzeitig wurden und werden die drei Stadtteile Borssum, Port Arthur/Transvaal und Barenburg durch Fördermaßnahmen, Stadtteilsanierungen und soziale Projekte vor Ort gestärkt. Wird Familien früh geholfen und sind die Stadtteile sozial durchmischter, dürfte sich das auch weiterhin in den Grundschulen wiederspiegeln.