Pro und Kontra  Gender-Verbot – notwendiger Schritt oder unnötiger Rückschritt?

Martin Teschke Claus Hock
|
Ein Kommentar von Martin Teschke und Claus Hock
| 12.08.2024 19:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Anfang März demonstrierten Menschen in München gegen ein Gender-Verbot – erfolglos. Symbolbild: DPA
Anfang März demonstrierten Menschen in München gegen ein Gender-Verbot – erfolglos. Symbolbild: DPA
Artikel teilen:

Eine Initiative wirbt in Ostfriesland für ein Gender-Verbot in Niedersachsen. Doch ist das der richtige Weg? Die Journalisten Martin Teschke und Claus Hock sind geteilter Meinung – ein Pro und Kontra.

Ostfriesland - Die Debatte ums Gendern wird auch in unserer Redaktion geführt. Martin Teschke (pro Verbot) und Claus Hock (kontra Verbot) argumentieren.

Pro: Manchmal geht’s halt nicht anders (Martin Teschke)

Zwei Dinge vorweg: Wir müssen mit Minderheiten wirklich sensibler umgehen – gerade auch in unserer Wortwahl. Und wir müssen nicht immer alles gleich verbieten. Insofern wäre es nur logisch, die Schulen, die Öffentlich-Rechtlichen und die Behörden nach Lust und Laune gendern zu lassen.

Drei richtig gute Argumente sprechen allerdings dagegen: Erstens darf bezweifelt werden, dass die Betroffenen, also die Schüler, die Gebührenzahler und die Bürger, das irgendwie goutieren. Zweitens grenzt man mit der Gender-Sprache eben wieder andere Minderheiten wie Menschen mit einer Lese-Schwäche aus. Und drittens sind Behördenbriefe auch für „Normalos“ jetzt schon so schwer zu durchschauen, dass es nicht auch noch Sternchen und andere Stolpersteine braucht, die einfach nur nerven.

Stattdessen müssten Behörden genötigt werden, sich verständlich auszudrücken. Die sogenannte leichte Sprache ist ein Anfang. Und wenn das mit dem Ge- statt Verbot – wie man vermuten darf – nicht fruchten sollte, dann geht’s halt nicht anders.

Kontra: Einfach bleiben lassen (Claus Hock)

Auch wenn Gender-Gegner das oft anders sehen: Die Debatte ums Gendern mag akademisch sein, die Umsetzung ist es nicht. Sensibler mit Sprache umzugehen, ist eine Sache, die ein Teil der Gesellschaft aus freien Stücken macht. Das muss nicht jedem Menschen gefallen – und genau das ist der Punkt: Wir haben keinen Zwang zum Gendern. Wer es nicht machen will, der macht es schlicht nicht. Das Verbot, das wäre der Zwang.

Natürlich müssen wir als Gesellschaft lernen, mit diesen „neuen“ Worten – das Binnen-I gibt es schon seit den 1990er Jahren – umzugehen. Sprache ändert sich ständig, das bekommt die Gesellschaft auch hin. Natürlich passt beim Gendern noch nicht alles, wir sind da in einer Findungsphase – und meiner Meinung nach klappt die ganz gut, wenn auch nicht perfekt. Natürlich müssen wir aufpassen, dass wir unsere Sprache nicht verkomplizieren. Aber grammatikalisch besondere Fälle wie „Kund:innen“ sind im Endeffekt auch nicht schwieriger zu erlernen als das Mädchen, das zwar weiblich ist, aber in unserer Sprache sächlich.

Ein Verbot, das mitunter auch Gleichstellungsgesetzen widersprechen würde, hemmt diese Findungsphase unnötig. Deswegen sollten wir ein Verbot bleiben lassen und einfach schauen, wohin die Reise führt.

Ähnliche Artikel