Windhosen an Borkums Strand  Tornados sind in Ostfriesland gar nicht so selten

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 10.08.2024 12:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine kräftige Windhose riss am 8. August 2024 am Borkumer Strand Strandkörbe in die Höhe. Foto: NSN
Eine kräftige Windhose riss am 8. August 2024 am Borkumer Strand Strandkörbe in die Höhe. Foto: NSN
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Nicht nur auf Borkum wirbelte am Donnerstag eine Windhose: Auch auf Langeoog wurde ein Tornado gesichtet.

Ostfriesland - Die Tornados, die am Donnerstag, 8. August 2024, den Borkumer Strand verwirbelt und Strandkörbe in die Luft gehoben haben, waren offenbar nicht die einzigen, die sich am späten Vormittag in der Nordsee gebildet haben: Auch auf Langeoog wurde eine Windhose gesichtet und auf der Plattform tornadoliste.de als Verdachtsfall gelistet. „Gegen 11:38 Uhr MESZ. Beobachtung einer Trichterwolke“ heißt es dort.

Tornados und Trichterwolken, auch Funnel Clouds genannt, seien überm Watt und in der Nordsee vor den Inseln gar nicht so ungewöhnlich, wenn entsprechend labile Wetterlagen herrschten, sagt Frank Kahl vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Er stammt von Langeoog und hat schon unzählige Tornados überm Watt und vor den Inseln erlebt. Von Funnel Clouds sprechen die Experten, wenn der Rüssel des Luftwirbels nicht bis zum Boden reicht.

Das Tornado-Radar von Kachelmannwetter zeigt für den 8. August 2024, 10 Uhr, intensives Wettergeschehen: Grün sind Windhosen, die auf Borkum-Radar zulaufen, Rot zeigt sich entfernende. Screenshot: Kachelmannwetter
Das Tornado-Radar von Kachelmannwetter zeigt für den 8. August 2024, 10 Uhr, intensives Wettergeschehen: Grün sind Windhosen, die auf Borkum-Radar zulaufen, Rot zeigt sich entfernende. Screenshot: Kachelmannwetter

In diesem Sommer schon fünf Tornados in Ostfriesland

Auch auf dem ostfriesischen Festland sind Windhosen gar nicht so selten: Die Plattform tornadoliste.de zählt für das laufende Jahr acht bestätigte und 20 Verdachtsfälle für Tornados in Niedersachsen auf, fünf davon in Ostfriesland: Langeoog und Borkum am 8. August, Dornumersiel am 28. Juli, Borkum am 28. Mai, Holterfehn am 20. Mai – natürlich ist die Aufzählung sicher nicht vollständig, denn Sichtungen müssen aktiv erfasst werden.

Für vergangenes Jahr ist die Tornadoliste für Ostfriesland allerdings deutlich länger: Elf bestätigte und Verdachtsfälle sind gelistet – darunter auch die Windhose, die am 24. November 2023 im Wittmunder Ortsteil Kirmeer schwere Schäden hinterlassen hat. Am frühen Abend hatte ein Tornado zwei alleinstehende Höfen in Kirmeer erwischt: Bäume wurden entwurzelt oder abgeknickt. Zwei Dächer von Wohngebäuden wurden teilweise abgedeckt, von den Nebengebäuden blieb nicht mehr viel übrig, Autos wurden durch umherfliegende Trümmer massiv beschädigt.

Was der Tornado am 24. November 2023 übrig ließ: Alke Reck steht vor den Trümmern, die mal die Nebengebäude auf seinem Grundstück in Kirmeer waren. Archivfoto: Ullrich
Was der Tornado am 24. November 2023 übrig ließ: Alke Reck steht vor den Trümmern, die mal die Nebengebäude auf seinem Grundstück in Kirmeer waren. Archivfoto: Ullrich

Am 16. August 2021 verwüstete ein Wirbelsturm Großheide

Die übrigen zehn ostfriesischen Tornado-Sichtungen für 2023 auf der Online-Plattform: 1. Februar Hinte, 30. Juni Norden, 12. und 21. Juli Juist, 24. Juli Langeoog, 30. Juli Dunum, 8. August Langeoog, 26. August nördlich von Borkum im Windpark, 27. August Norderney, 30. August Juist und 24. November Kirmeer. Für Niedersachsen insgesamt wurden 2023 sieben bestätigte Tornados und 18 Verdachtsfälle gelistet, deutschlandweit 182 (2024: 148).

Der Tornado vom 16. August 2021 zog mehr als 50 Häuser in Mitleidenschaft – hier in Berumerfehn. Archivfoto: Noglik
Der Tornado vom 16. August 2021 zog mehr als 50 Häuser in Mitleidenschaft – hier in Berumerfehn. Archivfoto: Noglik

Am bisher heftigsten zugeschlagen in Ostfriesland hat ein Tornado am 16. August 2021, der Großheide Riesen-Schäden zugefügt hat: Der Wirbelsturm mit geschätzten Windgeschwindigkeiten von 180 bis 250 Stundenkilometern hatte mehr als 50 Häuser schwer beschädigt, Fahrzeuge umgekippt und zahlreiche Bäume gefällt. Die Spur der Verwüstung zog sich durch den Ortsteil Berumerfehn bis in den angrenzenden Ortsteil Ostermoordorf. Fünf Häuser waren so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr bewohnbar waren. Der Wirbelsturm in Großheide wurde auf der Fujita-Skala, die die Schadensklasse angibt, in der Kategorie F2 eingeordnet – solche Tornados seien in Deutschland vergleichsweise selten, hieß es damals vom Deutschen Wetterdienst.

Das Foto zeigt, wie sich am 8. August 2024 gegen 10 Uhr nordwestlich von Borkum auf See eine Trichterwolke aufbaut, die sich zum Tornado aufwuchs. Foto: Rolf Groenewold
Das Foto zeigt, wie sich am 8. August 2024 gegen 10 Uhr nordwestlich von Borkum auf See eine Trichterwolke aufbaut, die sich zum Tornado aufwuchs. Foto: Rolf Groenewold

Insgesamt sind für 2021 für Ostfriesland neun Tornados und Wolkentrichter gelistet, nämlich neben Großheide in Norderney, Borkum, Sillenstede (Friesland), Esens, Juist, Filsum, Weener und Riepe. Neun bestätigte und 20 Verdachtsfälle sind für 2021 für Niedersachsen gelistet und deutschlandweit 227.

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