Stadtwerke Emden  „Wir sind überzeugt, die Krisen zurückgelassen zu haben“

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 10.08.2024 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Kundencenter der Stadtwerke in Emden gab es während der Krisen teilweise einen großen Andrang von Menschen, die verunsichert waren. Jetzt hat sich das wieder etwas normalisiert. Foto: Hanssen
Beim Kundencenter der Stadtwerke in Emden gab es während der Krisen teilweise einen großen Andrang von Menschen, die verunsichert waren. Jetzt hat sich das wieder etwas normalisiert. Foto: Hanssen
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Die Stadtwerke Emden seien gestärkt aus den Krisen der vergangenen Jahre hervorgegangen, heißt es bei einem Pressegespräch. Der Optimismus hat auch etwas mit einer Kundenbefragung zu tun.

Emden - Energie-Krise, Gasmangel-Lage, Heizungsgesetz: Die Verunsicherung bei vielen Menschen war in den vergangenen Jahren groß und ist es zum Teil auch heute noch. Das haben auch die Energie-Versorger vor Ort gespürt. Das Team der Stadtwerke Emden wollte sich kritisch damit auseinandersetzen - und hat das Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft (IMUG) mit einer Umfrage in Emden beauftragt. Es habe während der Krisen deutlich mehr schwierige und kritische Gespräche mit Kundinnen und Kunden gegeben als in der Vergangenheit, sagte Stadtwerke-Vertriebsleiter Philipp Schild bei einem Pressegespräch am 8. August 2024. „Wir waren gespannt auf das Ergebnis der Umfrage“, sagte er.

Melanie Boekhoff und Wolfgang Siefkens haben bei den Stadtwerken Emden mit Kundinnen und Kunden zu tun. Foto: Hanssen
Melanie Boekhoff und Wolfgang Siefkens haben bei den Stadtwerken Emden mit Kundinnen und Kunden zu tun. Foto: Hanssen

Dass es so positiv ausfallen würde, damit hatten sie wohl nicht gerechnet, lässt sich seinen Worten entnehmen. Die Punkte Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit, Präsenz vor Ort und Fairness seien sehr gut bewertet worden. „Das deckt sich mit unserem Anspruch“, sagte er. Elf festangestellte Beratungskräfte stehen in Emden telefonisch für Rückfragen von Kunden parat, das Kundencenter an der Pottgießerstraße mitten in der Innenstadt erlaubt persönliche Termine auch vor Ort. Dass man nicht auf ein externes Kundencenter zurückgreift, sondern den Kundenkontakt vor Ort stärke, habe sich ausgezahlt, so die Bilanz von Philipp Schild, Kundencenter-Leiter Wolfgang Siefkens und Kundencenter-Bereichsleiterin Melanie Boekhoff.

Lob zur Präsenz vor Ort

Ihrem Eindruck nach sei die Präsenz vor Ort und auch die Telefonie immer noch für viele Kundinnen und Kunden sehr wichtig, sagte Melanie Boekhoff. Auch wenn man ein digitales Kundenportal und eine App habe, habe sich das Kundencenter im Herzen der Stadt mehr als bewährt. „Es war die richtige Entscheidung“, sagte sie zur Ansiedlung in dem Neubau der Neutor-Arkaden Ende 2021. Viele Kunden seien durch die Krisen überfordert gewesen und hätten den direkten Kontakt gesucht, sagte auch Wolfgang Siefkens.

Philipp Schild ist Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Emden. Foto: Stadtwerke
Philipp Schild ist Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Emden. Foto: Stadtwerke

Das Heizungsgesetz verunsichere die Leute auch weiterhin, obwohl es vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wurde. „Wir können bei Gesprächen Ruhe reinbringen“, sagte er. Es falle auch auf, dass Emderinnen und Emder bei neuen Themen wie etwa PV-Anlagen eher auf die Stadtwerke als auf externe Anbieter zukämen, meint Philipp Schild. Bei hohen Investitionen und einem ersten Kontakt zu solchen Themen, informiere man sich lieber vor Ort, so sein Eindruck.

Aber: Kritik zur Preispolitik

Die Stadtwerke Emden waren - wie viele Grundversorger - in der Zeit, als insbesondere privatwirtschaftliche Versorger wegen der enormen Energie-Preise auf den Märkten 2022/23 pleite gingen oder bewusst ihre Kunden rausschmissen, die Retter in der Not. Als viele Energie-Anbieter ihre Preise stark heben mussten, hatten die Emder Stadtwerke einen relativ günstigen „Sorgenfrei“-Tarif für ihre Kunden. Als die Preise an den Märkten 2024 deutlich niedriger wurden, die Stadtwerke aber höhere Preise verlangten, war die Kritik groß. Das hat sich auch in der Umfrage gezeigt. Beim Preis-Leistungs-Verhältnis hatten die Befragten nur zu 70 Prozent positiv abgestimmt, so Philipp Schild. Zum Vergleich: Bei den anderen Punkten, die oben genannt sind, habe es teils 98 Prozent Zustimmung gegeben.

Die zu den Energie-Märkten zeitversetzten Preise erklären sich durch das risikoscheue Beschaffungsmodell der Stadtwerke. Sie kaufen für ein Versorgungsjahr jeweils in den zwei Jahren davor Stück für Stück die Energie ein, um nicht bei einem festgesetzten Kaufzeitpunkt einem vielleicht enormen Energiepreis ausgeliefert zu sein. Andere Versorger kaufen aktueller ein und können somit niedrige Preise auf den Energiemärkten zeitnah an ihre Verbraucher weitergeben, hohe Preise werden aber meist nicht abgefedert.

Kündigungen im „Rahmen des Erwartbaren“

Während der Energiekrise hätten die Stadtwerke viele Kunden gewonnen, die in die Grundversorgung gefallen seien oder von einem teureren Anbieter wechseln wollten, so Schild. Als sie für 2024 die Preise anheben mussten, habe es Kündigungen im „vierstelligen Bereich“ gegeben. „Das war im Rahmen des Erwartbaren“, so der Vertriebsleiter. Zur Einordnung: Die Stadtwerke hätten im Schnitt 25.000 Strom- und 15.000 Gaskunden.

Durch die Stärkung des Servicegedankens werde man den Trend vom Jahreswechsel wieder umkehren, ist er sich sicher. Und: Zum Jahr 2025 werden voraussichtlich die Energiepreise bei den Stadtwerken sinken, was neue Kunden anziehen könnte. Wie stark die Preise sinken, wird erst im November bekannt, weil dann klar ist, wie hoch die Steuern, Netzentgelte und Umlagen sind, die der Staat festlegt und die den Strompreis mitregulieren. Die Stadtwerke konnten für das Versorgungsjahr deutlich günstiger einkaufen als für 2024, ist jetzt schon klar.

Außerdem habe man in anderen Bereichen starke Zuwachse an Kunden zu vermerken - etwa beim Thema Photovoltaik. Telekommunikation, Glasfaser, Wärmewende: „Das Geschäft wird dynamischer. Es ist wichtig, sich breiter aufzustellen und viele Themen auszuspielen“, sagte der Vertriebsleiter. „Wir sind auf allen Ebenen überzeugt, die Krisen zurückgelassen zu haben“, sagte er gleichzeitig.

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