Aufregung auf Borkum  Tornados wirbeln Strand durcheinander

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 08.08.2024 18:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gut zu erkennen ist der Wasserwirbel am Ende des Rüssels. Foto: Rolf Groenewold
Gut zu erkennen ist der Wasserwirbel am Ende des Rüssels. Foto: Rolf Groenewold
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Mehrere Tornados sind am Donnerstag über Borkums Strand gewirbelt. Fotos zeigen, wie sich die Wirbel auf See bilden.

Borkum - „Verdammt interessant“ sei das gewesen, sagt Rolf Groenewold: „Nordwestlich von uns kam plötzlich ein kleiner Rüssel aus den Wolken und wurde immer länger und kräftiger, dann erreichte er die See und wirbelte das Wasser auf.“ Ein zweiter und ein dritter Rüssel bildeten sich - und alle drei zogen Richtung Borkum, erzählt der Greetsieler Fischer, was er am Donnerstag gegen 10 Uhr von seinem Kutter „Martje“ aus beobachtete. Der größere Tornado habe sich kurz vor Borkum aufgelöst, die beiden kleineren zogen über den Strand, beobachtete Groenewold.

Die Wasserwirbel durch über der See bewegen sich auf Borkum zu. Foto: Rolf Groenewold
Die Wasserwirbel durch über der See bewegen sich auf Borkum zu. Foto: Rolf Groenewold

Und dort wirbelten die Windhosen einiges durcheinander, ließen Strandkörbe und Stühle und alles, was nicht niet- und nagelfest war, durch die Luft wirbeln und erschreckten die Urlauber.

Fischer hat das Wetter stets im Blick

„Spannend“ findet Rolf Groenewold solche Wetterphänomene. Wenn er mit seinem Kutter draußen ist zum Fischen, hat er natürlich das Wetter stets im Blick. Und so hat er schon öfters Tornados beobachtet. „Nicht so extrem wie diese drei, die das Wasser in ihrem Rüssel hochgezogen haben“, sagt der Fischer. Aber Windhosen und Verwirbelungen seien gar nicht mal so selten zu sehen. „Ich achte aber auch darauf, deshalb fällt mir so etwas auf“, sagt er. Und natürlich hat er dann auch das Handy griffbereit und kann Fotos oder Videos machen.

Kurz vor 10 Uhr bildeten sich nordwestlich von Borkum mehrere Tornados. Foto: Rolf Groenewold
Kurz vor 10 Uhr bildeten sich nordwestlich von Borkum mehrere Tornados. Foto: Rolf Groenewold

„Vielleicht legt sich das Schiff mal etwas auf die Seite“

Auch Matthias Schäfer, ebenfalls mit dem Kutter draußen beim Fischen, staunte über die Tornados. „Wirbel mit kurzen Rüsseln habe ich schon viele gesehen, aber solche langen, das hatte ich bisher vielleicht ein- zweimal“, sagt er. Das sei schon aufregend zu sehen. Angst habe er vor solchen Wetterphänomenen keine: „Wir werden mit dem Schiff ja sicher nicht in die Luft gehoben“, meint er.

Auch Rolf Groenewold hatte bisher nicht den Eindruck, dass die Wind- und Wasserhosen eine Gefahr sein könnten. „Wenn der Rüssel direkt den Kutter treffen würde, könnte natürlich die Gefahr bestehen, dass man an Deck umgeworfen wird oder ein paar Körbe durch die Gegend fliegen. Und vielleicht legt sich das Schiff mal etwas auf die Seite. Aber mehr passiert nicht“, sagt der Fischer.

Wetterhosen an Küste nicht ungewöhnlich

Solche Wasserhosen sind hier bei uns nicht so ungewöhnlich, wenn entsprechend labile Wetterlagen herrschen, sagt Frank Kahl vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Er stammt von Langeoog und hat schon unzählige Tornados überm Watt und vor den Inseln erlebt. „Die Statistiken zeigen, dass Tornados oder Funnel clouds im Watt öfter vorkommen“, sagt er. Von Funnel clouds, zu deutsch Trichterwolken sprechen die Experten, wenn der Luftwirbel nicht bis zum Boden reicht. Dass es sich bei Borkum um Tornados gehandelt hat, beweisen einerseits das aufgewirbelte Wasser über der See und andererseits natürlich die umhergewirbelten Strandkörbe.

Aus den Gewitterwolken sinken Rüssel, die Wasser ansaugen. Foto: Rolf Groenewold
Aus den Gewitterwolken sinken Rüssel, die Wasser ansaugen. Foto: Rolf Groenewold

„Man sollte schon vermeiden, dass sich solch ein Tornado direkt über einen bewegt, denn sonst kann es gefährlich werden“, sagt Kahl. Nicht ganz einfach sei dabei, die Richtung zu bestimmen, in die sich der Wirbel bewegt: „Wichtig ist, nicht auf das untere Ende des Rüssels zu schauen, sondern nach oben in die Wolken, um die Richtung abschätzen zu können“, so der Experte.

So bilden sich Tornados

Wie sich Tornados bilden, ist bis ins Detail noch gar nicht geklärt, sagt Steffen Lüpkes, Hobbymeteorologe aus Osteel und „Wetterfrosch“ dieser Zeitung. Bekannt ist, dass sie entstehen, wenn feuchtwarme Luft aufsteigt, bis sie auf kalttrockene Luft trifft und sich Gewitterwolken bilden. Die aufsteigende Luft wird von Seitenwinden in Rotation versetzt und es bildet sich ein wirbelnder Schlauch. Reicht dessen Rüssel bis zur Erde, spricht man von einem Tornado. „Zum Spätsommer hin geschieht das gerade an unserer Küste überm warmen Wasser häufiger“, hat Lüpkes beobachtet.

Solche Tornadosichtungen kann man melden: https://tornadoliste.de/

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