Kritik an Ampel Habeck kürzt Zuschuss für Energieberatung
Wer vom Bund mehr Geld für die Sanierung seines Hauses haben will, muss eine Energieberatung machen lassen. Doch ausgerechnet für die gibt es nun weniger Förderung. Wird an der falschen Stelle gespart?
Berlin/Oldenburg - Für viele Hausbesitzer dürfte es eine Überraschung gewesen sein: Am Montag kündigte das Bundeswirtschaftsministerium an, die Fördersätze für Energieberatungen von bisher 80 auf 50 Prozent zu senken – eine Neuregelung, die bereits am Mittwoch in Kraft trat. Auch werde der maximale Zuschussbetrag um 50 Prozent gesenkt. Als Gründe nannte das Ministerium die weiterhin hohe Nachfrage nach den Beratungen sowie die „haushaltspolitische Gesamtlage“. Durch die Absenkung der Fördersätze könne man sicherstellen, dass möglichst viele Interessierte eine Energieberatung erhalten.
Die Ampel-Regierung und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bekamen nach diesem Schritt deutlichen Gegenwind aus der Opposition zu spüren: „Er tut es wieder: Förderstopp über Nacht“, schrieb die CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Mittelstand- und Wirtschaftsunion (MIT), Gitta Connemann (Hesel), am Mittwoch auf der Online-Plattform X. „Nach Bau, E-Autos, Wärmepumpe nun die Vollbremsung bei der Energieberatung. Verlässlichkeit: nicht mit diesem Minister. Und es trifft immer die, die Ressourcen und Energie sparen wollen. Bizarr.“
Baubranche befürchtet Folgen für den Klimaschutz
Kritik kam auch aus der Baubranche: Gekürzte Fördermittel für Energieberatungen könnten die energetische Sanierung von Wohngebäuden deutlich zurückwerfen. „Die ohnehin schon schlechte Sanierungsquote von derzeit 0,7 Prozent wird sich weiter vom Zielwert zwei Prozent entfernen, und auch die Klimaziele rücken weiter in die Ferne“, warnte Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle, laut Mitteilung. Die Energieberatung unterstütze auch all diejenigen Immobilieneigentümer, die nach der Debatte um das Heizungsgesetz stark verunsichert seien. „Die Bundesregierung sollte die Kürzung der Fördersätze dringend überdenken und prüfen, ob nicht abgerufene Mittel an anderer Stelle transferiert werden könnten“, forderte Hinrichs. Eine Schwächung der Energieberatung bedrohe den Klimaschutz.
Eigenheimbesitzer erhalten nach der Begutachtung ihrer Immobilie durch einen zertifizierten Energieberater einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Würden auf dieser Basis Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, könnten diese stärker durch den Bund gefördert werden als ohne iSFP, so das Wirtschaftsministerium. Die Höhe des Zuschusses für die Erstellung des Fahrplans selbst bleibe auch nach der Änderung der Förderregeln gleich. Gesenkt würden lediglich die Fördersummen für das Honorar des beauftragten Energieberaters.
EWE fordert verlässliche Richtlinien für Förderprogramme
Aber auch hier können für Hausbesitzer vierstellige Summen anfallen. Als Zuschuss gibt es laut des für die Förderung zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bei Ein- und Zweifamilienhäusern seit Mittwoch maximal 650 Euro, bei Häusern mit mehr Wohneinheiten höchstens 850 Euro.
Der Versorger EWE bietet seit Februar dieses Jahres Energieberatungen für den iSFP im Großraum Oldenburg an. „Durch die De-facto Halbierung der Förderung gehen wir von einem deutlichen Rückgang der Nachfrage aus und in der Folge auch von einem Rückgang von entsprechenden Sanierungen“, teilte Unternehmenssprecher Dietmar Bücker auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Dies sei nicht nur für die EWE als Anbieter bedauerlich, sondern wirke sich auch negativ auf das von der Ampel ausgerufene Ziel aus, den Gebäudebestand in Deutschland bis 2050 weitgehend CO2-neutral zu machen.
Bei der Förderung von Gebäudesanierungen und Energieberatungen habe es in den vergangenen Jahren fortlaufend Änderungen gegeben – „in unkalkulierbaren Intervallen und in der Regel ohne Vorankündigung“, so Bücker. Die EWE fordere deshalb verlässliche Rahmenbedingungen bei allem Förderprogrammen des Bundes – auch und speziell, wenn es um die Energieberatung für Wohngebäude gehe.