Eiserne Hochzeit in Nortmoor  Seit 65 Jahren halten sie bedingungslos zusammen

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 08.08.2024 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit 65 Jahren geht das Ehepaar Nannen durch dick und dünn. Foto: Pentzlin
Seit 65 Jahren geht das Ehepaar Nannen durch dick und dünn. Foto: Pentzlin
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Theodor und Ingeborg Nannen sind vielen in der Region bekannt. Jahrzehntelang haben sie die Fleischerei Nannen in Nortmoor betrieben. Jetzt feiert das Ehepaar Eiserne Hochzeit.

Nortmoor - Es ist gar nicht so einfach, das richtige Haus zu finden. In Nortmoor tragen einige Klingelschilder den Namen „Nannen“. Die Familienmitglieder wohnen alle eng beisammen. Kein Wunder, dass beim Termin mit dem Ehepaar Nannen auch beide Töchter samt Schwiegersöhnen dabei sind. Zusammenhalten – das scheint in dieser Familie an erster Stelle zu stehen. Das zeigt auch das heutige Jubiläum: Seit 65 Jahren sind Theodor und Ingeborg jetzt verheiratet.

Das Feuerwehrfest als Startschuss in die Ehe

Kennengelernt haben sich die beiden auf einem Musikfest der Filsumer Feuerwehr. „So hat man sich damals noch kennengelernt“, erinnert sich Theodor. Jede Woche sei ein Fest der Feuerwehr gewesen. In Filsum hat er Querflöte gespielt – und bekam einen gut gemeinten Tipp, dass eine Frau da sei, die ihn interessieren könnte. Und so war es. Noch am selben Abend fuhr er Ingeborg auf seinem Fahrrad nach Hause.

Wiedergetroffen hätten sie sich schon eine Woche später, auf dem nächsten Feuerwehrfest in Brinkum. Zu Anfangszeiten habe Ingeborg noch in Leer gearbeitet, Theodor in Bad Zwischenahn. Da hat noch niemand geahnt, wie sich das Leben der beiden Frischverliebten verändern würde. Eines der einschneidenden Erlebnisse folgte mit der Hochzeit zwei Jahre später. Am 8. August 1959 gaben sich Theodor Nannen und Ingeborg Walter das Ja-Wort.

Am 8. August 1959 gaben sich Theodor und Ingeborg das Ja-Wort. Gefeiert wurde im Wohnort Nortmoor.
Am 8. August 1959 gaben sich Theodor und Ingeborg das Ja-Wort. Gefeiert wurde im Wohnort Nortmoor.

Nach der Hochzeit kamen die Kinder

Gefeiert wurde in Theos – so wird er in der Familie und unter Freunden genannt – Heimatort Nortmoor. Die Gaststätte gebe es seit Jahren nicht mehr, an das Essen würde das Paar sich aber ganz genau erinnern: Es gab Kartoffelsalat mit Würstchen. Das sei am günstigsten gewesen. Gefeiert wurde zahlreich: Eine ganze Koppel an Menschen sei dabei gewesen, erinnert sich Ingeborg. Es sind Momente, in dem Theodor Nannen anzusehen ist, wie sehr er es genießt, in Erinnerungen zu schwelgen – sein Lächeln ist ganz verschmitzt.

Nur viereinhalb Monate nach der Hochzeit kam die erste Tochter auf die Welt, Anne Grosser (geb. Nannen). Wenn es nach Theodors Erinnerungen geht, sei die Geburt neun Monate nach der Hochzeit gewesen. Ganz korrekt sei das aber nicht, verbessert ihn seine Frau. „Der erzählt manchmal einen Blödsinn“, lacht Ingeborg. Schon ein Jahr später folgte mit Tochter Brigitte das zweite Kind.

Ein Leben zwischen Beruf und Familie

Mit der Eröffnung der Fleischerei Nannen hat sich das Ehepaar am 1. April 1969 selbstständig gemacht. Tochter Brigitte hat die Eckdaten extra vor dem Treffen auf einem Zettel notiert. Es sei dem Ehepaar Nannen sehr wichtig, bei dem Gespräch über ihre langjährige Ehe auch über ihren Betrieb zu sprechen. Immerhin sei das neben den Kindern ihr großes Lebenswerk gewesen. Im Jahr 2000 war mit der Arbeit allerdings Schluss. Nach Theodors Schlaganfall hätten die Mitarbeiter zwar tolle Arbeit geleistet, die Fleischerei hätten sie aber dennoch schließen müssen. Die richtige Entscheidung – da ist sich die ganze Familie sicher.

Auch wenn Theo und Inge in ihrem Leben immer viel gearbeitet hätten, Zeit für Urlaube gab es dennoch. Das bestätigen auch die beiden Töchter, die bei dem Gespräch nicht von der Seite ihrer Eltern weichen. Unter der Woche hätten Theo und Inge nur wenig Zeit gehabt, seien viel beruflich eingebunden gewesen. An den Wochenenden seien sie als Familie aber oft gemeinsam unterwegs gewesen. Zehn Jahre lang hatten sie im Frühjahr und Sommer einen Wohnwagen in Dornumersiel stehen.

Gemeinsam durch dick und dünn

Aber auch über die Grenzen Ostfrieslands hinweg haben die Eheleute zahlreiche Orte erkunden können: Kanada, Italien, Bulgarien oder Schottland – die Liste der bereisten Urlaubsländer ist lang. So lang, dass es beim Aufzählen schwer gefallen ist, zu folgen. Heute würden Theodor und Ingeborg sich immer wieder freuen, wenn sie einen der Orte mal im Fernsehen sehen. „Da waren wir schon“, würden sie dann immer rufen, freut sich Ingeborg. Es sind gemeinsame Erinnerungen an Reisen, die heute krankheitsbedingt nicht mehr möglich sind. Ehefrau Inge sei mittlerweile an Demenz erkrankt, erklärt Theodor. Nun fühlen sie sich vor allem in Nortmoor geborgen, ihrer Heimat. Der Ort, an dem sie von ihrer Familie umgeben sind – mittlerweile ergänzt von fünf Enkelkindern und sechs Urenkeln.

Im Sommer 1957 haben sich Theodor und Ingeborg Nannen auf einem Feuerwehrfest in Filsum kennengelernt. Foto: Archiv
Im Sommer 1957 haben sich Theodor und Ingeborg Nannen auf einem Feuerwehrfest in Filsum kennengelernt. Foto: Archiv

Dreimal in der Woche gehe für Theo aber raus aus Nortmoor und ab nach Filsum. Während das Ehepaar im eigenen Haus durch eine Ganztagshilfe unterstützt wird, ist Nannen drei Mal in der Woche in Filsum in der Kurzzeitpflege. Es gefalle ihm gut dort – nicht zuletzt, weil ihn der Ort an das Kennenlernen mit seiner Frau erinnere. Auf die letzten 65 Jahre schaut das Ehepaar aus Nortmoor voller Stolz. „Wir sind immer gemeinsam durch dick und dünn gegangen“, sagt Ingeborg Nannen. Und sie würden es noch immer.

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