Einsatz in Emden  Stadt hat Grundstück gekauft - neue Rettungswache kann kommen

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 07.08.2024 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Rettungsdienst in Emden wurde 2023 neu geordnet. Dazu gehört auch die Schließung der alten Wache an der Wolthusern Straße und die Inbetriebnahme der provisorischen Wache am Nordkai, wo dieses Foto entstanden ist. Foto: Stadt Emden
Der Rettungsdienst in Emden wurde 2023 neu geordnet. Dazu gehört auch die Schließung der alten Wache an der Wolthusern Straße und die Inbetriebnahme der provisorischen Wache am Nordkai, wo dieses Foto entstanden ist. Foto: Stadt Emden
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Die Stadt Emden hat das Grundstück an der Petkumer Straße für die neue Rettungswache endlich gekauft. Wie geht es nun weiter? Und wie siehts beim „neuen“ Rettungsdienst nach einem holprigen Start aus?

Emden - Deutlich länger, als zunächst angenommen, hat es gedauert: Jetzt bestätigt die Stadt Emden auf Nachfrage, dass das Grundstück an der Petkumer Straße für die geplante neue Rettungswache gekauft ist. Zur Erinnerung: Im Januar 2023 wurde überraschend mitgeteilt, dass die Rettungssparte des Emder Vereins RKSH von der Stadt übernommen und mit dem städtischen DRK-Rettungsdienst zu einem sogenannten optimierten Regiebetrieb zusammengelegt werden soll.

Hier an der Petkumer Straße soll die neue Rettungswache entstehen. Bislang ist aber nichts passiert - nur von dem Schild, auf dem die Pläne mal dargestellt wurden, waren Ende 2022 allein die Holzpfosten noch da. Heute steht dort nichts mehr. Foto: F. Doden/Archiv
Hier an der Petkumer Straße soll die neue Rettungswache entstehen. Bislang ist aber nichts passiert - nur von dem Schild, auf dem die Pläne mal dargestellt wurden, waren Ende 2022 allein die Holzpfosten noch da. Heute steht dort nichts mehr. Foto: F. Doden/Archiv

Vom RKSH-Geschäftsführer Holger Rodiek war auch die Planung für eine neue Rettungswache an der Petkumer Straße neben der Hauptzentrale von Score übernommen worden. Rodiek hatte schon seit 2016 die Pläne verfolgt, doch es hatte immer wieder Verzögerungen gegeben. Nach der Übernahme der Stadt war Rodiek, so hatte er es gegenüber dieser Zeitung geschildert, von einer schnellen Vertragsschließung für den Kauf des Grundstückes ausgegangen, doch noch im Februar 2024 hieß es, dass der Ankauf noch nicht abgeschlossen sei. Zu den Gründen ist nichts bekannt. Klar ist: „Der Kaufvertrag ist zwischenzeitlich geschlossen und in der Abwicklung“, schreibt Stadtsprecher Eduard Dinkela jetzt.

Wie geht es jetzt weiter?

Zunächst muss der Boden des Grundstücks sondiert werden. Denn: Es wird anhand von Luftbildern der Alliierten davon ausgegangen, dass es im Zweiten Weltkrieg mindestens 21 Bomben-Abwürfe über dem Areal in Hafennähe gegeben hat. Das Risiko ist entsprechend groß, dass noch Blindgänger im Boden ruhen. Da auf dem Gelände – wie fast überall in Ostfriesland – aufgrund des weichen Bodens gerammt werden muss für den Bau, müsse die gesamte Fläche daher erst einmal gründlich untersucht werden, erklärte Rodiek gegenüber dieser Zeitung schon im Mai 2022. Insgesamt 476 Sondierungslöcher müssen dafür gebohrt werden. Weil mögliche Blindgänger über die Jahre abgesackt sein könnten, wird bis in eine Tiefe von acht bis zehn Metern gebohrt.

So soll die neue Rettungsswache an der Petkumer Straße aussehen. Grafik: RKSH
So soll die neue Rettungsswache an der Petkumer Straße aussehen. Grafik: RKSH

Wir hatten aktuell die Stadt gefragt, wann die Sondierungsmaßnahmen stattfinden könnten. Darauf geht der Sprecher nicht ein. Klar ist: Fachfirmen für derartige Untersuchungen gibt es nicht wie Sand am Meer. Unter Rodieks Planung war der Baustart verzögert worden, weil eine Firma nicht gefunden werden konnte beziehungsweise die Preise stark in die Höhe geschossen waren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Stadt Emden - anders als der private Verein RKSH - Arbeiten europaweit ausschreiben und andere bürokratische Anforderungen erfüllen muss.

Wann könnte der Bau beginnen?

Die Stadt schreibt nicht, wann der Baubeginn sein könnte. Von Dinkela heißt es nur, dass nach Abwicklung des Kaufvertrags „zunächst die Sondierungsmaßnahmen zur Altlastenproblematik angegangen“ würden, „bevor das konkrete Bauvorhaben projektiert werden kann“. Im Januar 2022 sollten nach Abschluss der Gespräche mit den Krankenkassen zur Finanzierung der Baubeginn unter Rodiek sein. Man wollte schnellstmöglich von der alten Wache an der Wolthuser Straße in die neue umziehen. „Für die neue Rettungswache gehen wir einschließlich aller vorbereitenden Maßnahmen von einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren aus“, hieß es im Mai 2023 von der Stadt. Wenn also noch in diesem Jahr die Bodensondierung ausgeschrieben und durchgeführt werden könnte, wäre die Wache womöglich 2026 betriebsbereit.

Nach 37 Jahren hat der Emder Verein RKSH seine Rettungssparte im April 2023 aufgegeben. Hier ist ein Rettungswagen vor der alten Wache an der Wolthuser Straße zu sehen. Foto: Hanssen/Archiv
Nach 37 Jahren hat der Emder Verein RKSH seine Rettungssparte im April 2023 aufgegeben. Hier ist ein Rettungswagen vor der alten Wache an der Wolthuser Straße zu sehen. Foto: Hanssen/Archiv

Ein Vorteil: Die Bauzeichnung und Baugenehmigung liegen bereits vor. Auch die Finanzierung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist so weit in trockenen Tüchern. Inwieweit sich die Baukosten verändert haben, seit die Planung im Dezember 2021 den Kostenträgern vorgestellt wurde, ist noch unklar. Zwischenzeitlich war der Baumarkt sehr angespannt, die Preise schossen in die Höhe. Mittlerweile scheint sich das aber wieder etwas entspannt zu haben. Geplant sind Kosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Darauf hatte man sich nach zähen Verhandlungsrunden zur Gestaltung und Größe der Wache, deren Planung stark abgespeckt werden musste, mit den Krankenkassen geeinigt.

Die alte Rettungswache des RKSH an der Wolthuser Straße wurde in diesem Frühjahr abgerissen. Foto: Hanssen/Archiv
Die alte Rettungswache des RKSH an der Wolthuser Straße wurde in diesem Frühjahr abgerissen. Foto: Hanssen/Archiv

Aus der alten Wache an der Wolthuser Straße sind die Retter ausgezogen. Sie wurde verkauft und im Frühjahr abgerissen. Die Eigentümerin hatte im Februar davon gesprochen, dass sie „gewisse Pläne“ mit dem Grundstück habe, Konkreteres könne sie aber noch nicht sagen. Aktuell passiert auf dem Areal nichts. Seit dem Juli 2023 befindet sich die provisorische Wache am Nordkai in Räumlichkeiten der städtischen Tochter Zukunft Emden. Die Haupt-Rettungswache ist am Krankenhaus in Barenburg.

Wie ist die Situation für den Rettungsdienst?

Der Start für den optimierten Regiebetrieb schien holprig. Man hatte sich auch wegen des Fachkräftemangels für eine Zusammenlegung der beiden Emder Rettungsdienste entschieden, anfangs schien es personell aber noch zu kneifen. Wie ist es jetzt? „Aufgrund des allgegenwertigen Fachkräftemangels und der dadurch größeren Personalfluktuation suchen wir auch im Rettungsdienst der Stadt Emden permanent Personal“, erklärt Dinkela aktuell.

Momentan hätten sie 18 Notfallsanitäterinnen und -sanitäter. Davon seien drei zeitweise in der Leitstelle und zeitweise im Rettungsdienst eingesetzt. Emden schließt sich der Leitstelle Ostfriesland, die in Wittmund ist, an, wurde in der vergangenen Woche bekannt. Ob das zu personeller Entlastung führt, ist unklar. Einen konkreten Startzeitpunkt gibt es noch nicht. Außerdem sind in Emden zehn Rettungssanitäterinnen und -sanitäter angestellt, so Dinkela. Sechs Auszubildende gebe es zudem. Man müsse stetig an der Fachkräftegewinnung, -rekrutierung und -bindung arbeiten. „Im Mittel sind regelmäßig drei bis fünf Stellen vakant, aktuell würden wir aber auch mehr qualifiziertes Personal einstellen“, erklärt der Sprecher.

Der Verwaltungsausschuss - das ist das zweitwichtigste politische Gremium der Stadt nach dem Rat - hatte im März die Anschaffung von drei neuen Rettungswagen beschlossen. Noch in diesem Jahr sollen diese geliefert werden, so Dinkela. „Da es sich um komplett neue Fahrzeuge, alle in der identischen Ausstattung wie zum Beispiel einer elektrisch hydraulischen Trage und einem elektrischen Tragestuhl, handelt, ist ein deutlich rückenschonenderes Arbeiten für das Rettungsdienst-Fachpersonal möglich“, schreibt er zu den Vorteilen der neuen Fahrzeuge. Zudem würden die Fahrzeuge mit Beatmungsgeräten der neuesten Generation ausgestattet. Die alten Rettungswagen werden als Gebrauchtfahrzeuge verkauft.

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