Ungeziefer in Emden Auch im „Hundepfad“ tummeln sich die Ratten
Ratten gibt es in jeder Stadt. In einem Emder Stadtviertel gehen Hausbesitzer jetzt auf die Barrikaden, weil andere das Problem offensichtlich ignorieren.
Emden - Vor wenigen Wochen hat sich eine Anwohnerin der Graf-Edzard-Straße über die zunehmende Rattenproblematik in der Innenstadt echauffiert. Die gar nicht so possierlichen Tierchen kommen zu ihr bereits zum Frühstück auf die Terrasse. Jetzt hat sich ein weiterer Hausbesitzer aus der Nachbarschaft gemeldet. Er sieht eine Hauptquelle der Rattenpopulation im angrenzenden „Hundepfad“. Und er hat Beweisfotos für weitere Unterkünfte für Ratten. Demnach ist das Problem buchstäblich hausgemacht.
Tatsächlich gehen Ratten in einem der Keller des Wohnblocks 11a und 11b durch eine leidlich geschlossene Maueröffnung einer Katzenklappe gleich ein und aus. Zumeist ist diese Öffnung durch Mülleimer verdeckt, die dort dauerhaft auf dem öffentlichen Gehweg als einzige Entsorgungsmöglichkeit für die Mieter abgestellt sind. Essensreste und weiterer Unrat, auch Sperrmüll, liegen dort ausgebreitet wie ein Gabentisch für Ungeziefer bereit. Das zeigt das Foto, das der neue Hinweisgeber dieser Zeitung zur Verfügung gestellt hat.
Durchgreifendes gegen die Ratten-Plage
Er will aber wie auch die eingangs erwähnte Anwohnerin nicht namentlich genannt werden. Die einen treibt die Sorge um, wegen der Ignoranz einiger Hauseigentümer Schwierigkeiten zu bekommen, andere befürchten, dass das gesamte Wohngebiet in Verruf gerät und damit eine eigene Immobilie an Wert verliert – einmal abgesehen davon, dass der Wohnwert durch die Nagetiere deutlich abnimmt. „Es ist aber dringend notwendig, dass endlich etwas Durchgreifendes gegen die Ratten-Plage in der Graf-Edzard-Straße und umzu geschieht“, sagte der Hinweisgeber. Schon im April habe er den Kontakt zur Stadt gesucht, auf die sich zuspitzende Problematik hingewiesen. „Jetzt reicht‘s.“
Eine „vorhandene Rattenpopulation“ in besagtem Gebiet hatte Stadtsprecher Eduard Dinkela gegenüber dieser Zeitung auch Anfang Juli 2024 noch bestätigt. Den Tieren sei aber nicht so einfach beikommen. „Es handelt sich hier um eine komplexe Problematik“, so Dinkela. Auch die Mitarbeiter des Fachdienstes für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, die seit einiger Zeit mit Anliegern wegen der Problematik im Gespräch seien, haben demnach ähnliche Ursachen für die Vermehrung der Ratten ausfindig gemacht wie der Beschwerdeführer. Nicht die schmucken Eigenheime an der Graf-Edzard-Straße seien dafür verantwortlich, sondern die Hinterhöfe der Mietblockreihe zur Neutorstraße mit dem wild abgelagerten Müll und deren Gebäudeöffnungen. Auch das brachliegende Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Rakebrand mit seinen wilden Müllablagerungen wurde bemängelt.
Hundepfad mit Bunker und Müll
An den schlimmsten Ecken des Viertels räumt die Stadt seit einiger Zeit den Müll selbst weg und schickt dafür Rechnungen an die Hausverwaltungen besagter Mietblöcke. Diese würden auch beglichen. Zudem seien die Verursacher aufgefordert worden, marode Maueröffnungen zu verschließen und Sorge dafür zu tragen, dass sich die Ratten nicht weiter vermehren können.
Grundlegend beseitigt sind die Ratten damit aber noch nicht, wie der neue Beschwerdeführer sagt, im Gegenteil. Er sieht mit der „völlig verwahrlosten Gasse“ Hundepfad (die Verbindung von der Graf-Edzard-Straße entlang der AOK zur Straße Zwischen beiden Bleichen) eine weitere Quelle für die Rattenpopulation, die die Stadt in den Griff bekommen müsse.
Dort befindet sich noch ein Tiefbunker, dessen Eingänge mit Kalksandsteinen zwar zugemauert, aber offen genug für Ratten sei. „Nach meiner Einschätzung ist das ein wunderbarer Zugang zum Bunker, in dem sich Ratten höchstwahrscheinlich schnell und ungestört vermehren können“, sagte er. Der Hundepfad selbst sei nahrhaftes Refugium für die Population. „Müll genug gibt es dort ja immer.“