Bangladesch  Regierungschefin tritt zurück: Demonstranten in Bangladesch stürmen Amtssitz

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Von afp
| 05.08.2024 11:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Studenten beim Protest gegen die Regierung von Bangladesch. Inzwischen haben Demonstranten sogar den Amtssitz der Regierungschefin Hasina gestürmt. Foto: dpa/ZUMA Press Wire/Suvra Kanti Das
Studenten beim Protest gegen die Regierung von Bangladesch. Inzwischen haben Demonstranten sogar den Amtssitz der Regierungschefin Hasina gestürmt. Foto: dpa/ZUMA Press Wire/Suvra Kanti Das
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Die Proteste in Bangladesch gegen die amtierende Regierung verschärfen sich weiter. Nachdem am Sonntag Menschen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet wurden, haben Demonstranten den Amtssitz der Regierungschefin gestürmt. Nun ist die Ministerpräsidentin Scheich Hasina nach Angaben der Armee zurückgetreten.

Die regierungskritischen Demonstranten in Bangladesch haben den Amtssitz von Ministerpräsidentin Scheich Hasina gestürmt. Auf Fernsehbildern war am Montag zu sehen, wie tausende Menschen in den Regierungspalast in der Hauptstadt Dhaka eindringen. Die Regierungschefin war nach Angaben aus ihrem Umfeld zuvor mit dem Hubschrauber geflohen.

Nach wochenlangen Massenprotesten ist Hasina nun laut Aussage der Armee des Landes zurückgetreten. Es werde nun eine „Übergangsregierung“ gebildet, kündigte am Montag Armeechef Waker-Uz-Zaman in einer im staatlichen Fernsehen übertragenen Rede an die Nation an. 

Die vom Fernsehsender Kanal 24 verbreiteten Bilder zeigten, wie die Demonstranten zu Tausenden in den Palast von Hasina eindringen. Anschließend beginnen sie zu feiern und winken in die Kameras. Kurz zuvor hatte die Nachrichtenagentur AFP aus dem Umfeld der Regierungschefin erfahren, dass diese zusammen mit ihrer Schwester „an einen sichereren Ort“ begeben habe. Hasina habe eine Rede aufzeichnen wollen, habe aber keine Möglichkeit mehr dazu gehabt.

Hasina sieht sich seit dem vergangenen Monat mit Massenprotesten konfrontiert, bei denen es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Dabei wurden laut einer AFP-Zählung mindestens 300 Menschen getötet, allein am Sonntag wurden 94 Menschen getötet. Die im Juli aus Protest gegen eine Quotenregelung entstandenen Demonstrationen haben mittlerweile den Rücktritt der seit 2009 amtierenden Hasina und ihres Kabinetts zum Ziel.

Der Protestbewegung haben sich mittlerweile Menschen aus allen Bevölkerungsschichten angeschlossen, unter anderem Filmstars, bekannte Musiker und ehemalige Generäle haben ihre Unterstützung ausgedrückt. Auch 47 Firmen der für die Wirtschaft des Landes wichtigen Textilbranche haben sich mit den Demonstrierenden solidarisiert. Offen ist bislang, ob die Armee die Protestierenden unterstützt – oder weiterhin zu Hasina steht.

Die 76-jährige Regierungschefin war im Januar in einer von einem großen Teil der Opposition boykottierten Wahl im Amt bestätigt worden. Ihrer Regierung werden unter anderem der Missbrauch staatlicher Institutionen zum eigenen Machterhalt und die Unterdrückung von Regierungskritikern vorgeworfen – bis hin zur außergerichtlichen Tötung Oppositioneller.

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