Ein Jahr nach Unglück  „Fremantle Highway“ darf nach China

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 03.08.2024 08:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im September 2023 wurde die schwer beschädigte „Fremantle Highway“ von Eemshaven nach Rotterdam geschleppt. Foto: Jannink/ANP/DPA
Im September 2023 wurde die schwer beschädigte „Fremantle Highway“ von Eemshaven nach Rotterdam geschleppt. Foto: Jannink/ANP/DPA
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Der ausgebrannte Autofrachter „Fremantle Highway“ darf nach China exportiert werden. Eine niederländische Umweltbehörde hat ihre Bedenken aufgegeben. Das Schiff hat sich mittlerweile aber verändert.

Rotterdam - Seit rund zehn Monaten liegt der ausgebrannte Autofrachter „Fremantle Highway“ für Reparaturarbeiten in einer Werft in Rotterdam. Jetzt steht nach einem Rechtsstreit fest: Der neue Eigner, das Unternehmen Koole Contractors, darf das knapp 200 Meter lange Schiff, das mittlerweile in „Floor“ umgetauft wurde, nach China überführen. Die ILT, eine beim niederländischen Infrastrukturministerium angesiedelte und für Umwelt- und Verkehrsfragen zuständige Behörde, hat nun die entsprechende Erlaubnis erteilt. Das berichtete das Branchenportal „Schuttevaer“ mit Verweis auf Koole.

Die „Fremantle Highway“ war Ende Juli 2023 mit knapp 3800 Autos an Bord auf der Nordsee in Brand geraten; ein Besatzungsmitglied starb bei der Evakuierung des Frachters. Auch in Ostfriesland wurde zwischenzeitlich eine Umweltkatastrophe befürchtet, sollte Schweröl aus dem brennenden Stahlkoloss austreten und an die Küste gespült werden. Erst nach Tagen gelang es, den Brand unter Kontrolle zu bringen und das Schiff nach Eemshaven zu schleppen, wo ein Teil der Fahrzeuge von Bord gebracht wurde. Anschließend übernahm Koole Contractors die „Fremantle Highway“ und ließ sie im September 2023 zur Reparaturwerft der Damen Shipyards Group nach Rotterdam schleppen.

Der Frachter hat inzwischen einige Decks weniger

Koole verfolgte hierbei das Ziel, den schwer beschädigten Autofrachter wieder fahrtüchtig zu machen und für weitere Reparaturen nach China weiterzuverkaufen. Doch die ILT war mit dem Export nach Fernost nicht einverstanden und zog in einem Eilverfahren vor Gericht: Die Behörde sah die „Fremantle Highway“ aufgrund der Schäden durch den Brand als Abfallstoff an, wie ein Gericht in Den Haag im April dieses Jahres mitteilte. Abfall dürfe nicht einfach so übers Meer nach China transportiert werden, argumentierte die ILT – hierfür müssten entsprechende in Europa geltende Regeln eingehalten werden. Das Gericht merkte jedoch an, dass die Sache nicht im Eilverfahren geklärt werden könne und zudem ein Verwaltungsgericht zuständig sei. Warum die ILT ihren Widerstand nun aufgegeben und eine Ausfuhrgenehmigung für den Frachter erteilt hat, ist unklar. Eine Stellungnahme hat die Behörde bisher nicht veröffentlicht.

Für Aufräumarbeiten und Inspektionen auf der „Fremantle Highway“ waren in Rotterdam zunächst vier bis fünf Monate eingeplant, wie ein Damen-Sprecher unserer Redaktion im vergangenen Jahr berichtete. Inzwischen ist mehr als doppelt so viel Zeit vergangen – und die „Fremantle Highway“ beziehungsweise „Floor“ ist reif für den Verkauf. Koole Contractors habe die oberen sechs der insgesamt zwölf Decks des Schiffs entfernt, wie „Schuttevaer“ berichtete. Dort hatte das Feuer im vergangenen Sommer besonders gewütet, auf den unteren Decks waren auch viele der Autos nahezu unbeschädigt geblieben. Und einen neuen Eigner gibt es auch bereits: Der Autofrachter sei an die Qingshan Shipyards Group verkauft worden. Das Unternehmen wolle die „Floor“ auf einer Reparaturwerft in Xiamen fertigstellen.

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