Gaststätten in Ostfriesland Traditionslokal in Moormerland schließt nach 27 Jahren
Mehr als 27 Jahre hat die Familie Bangel die Gaststätte Zu den Linden in Neermoor betrieben. Nun geben die Betreiber ihr Geschäft auf. Das sind die Gründe und Reaktionen.
Neermoor - „Dauerhaft geschlossen.“ Dieser kurze Satz dürfte wohl bei vielen Menschen aus Moormerland für Bedauern gesorgt haben. In roter Schrift ist er auf einem Bild zu lesen, das die Gaststätte Zu den Linden aus Neermoor vor einigen Tagen auf der Social-Media-Plattform Facebook gepostet hat. Nach mehr als 27 Jahren wird die Familie Bangel, die Restaurant und Kneipe bisher betrieben hat, die Türen „ab sofort“ nicht mehr öffnen, schreiben die Betreiber im zugehörigen Text.
Damit kehrt die Gaststätte aus den zuvor angekündigten Betriebsferien vom 15. bis zum 31. Juli 2024 nicht mehr zurück. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nehmen wir Abschied aufgrund unserer Geschäftsaufgabe“, heißt es weiter. „Der Personalmangel und die wirtschaftliche Entwicklung zwingen uns nun zu diesem Schritt“, erklären die Inhaber ihre Entscheidung. Damit folgen sie einem traurigen Trend: Immer mehr Gaststätten in der Region schließen. Unter anderem der Grüne Jäger in Jübberde (Gemeinde Uplengen) steht aktuell aus Altersgründen der Besitzer zum Verkauf – und so vor einer ungewissen Zukunft.
Personalmangel sorgte schon im Juni für Konsequenzen
Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Gaststätte Zu den Linden in den sozialen Medien immer wieder auf die Probleme, die die fehlende Belegschaft mit sich bringt, aufmerksam gemacht. „Wir suchen schon lange Personal. Aber die Jugendlichen, die sich in der Gastronomie ihr Taschengeld aufbessern wollen, gibt es anscheinend nicht mehr“, sagte Inhaberin Shirley Bangel im Juni gegenüber dem Sonntags-Report.
Das hatte zur Folge, dass die Gaststätte bereits ab dem 1. Juni die Öffnungszeiten einschränken musste. Statt von dienstags bis sonntags war seitdem erst ab Donnerstag geöffnet, teilten die Betreiber auf Social-Media mit: „Wir hoffen, die Situation schnellstmöglich zu ändern und bitten um Verständnis. Dieser Schritt fällt uns nicht leicht, aber wir haben keine andere Option“, schrieben sie damals.
Ortsbürgermeister ist entsetzt über die Geschäftsaufgabe
Die Entscheidung, nun ganz zu schließen, sorgt nicht nur in den sozialen Medien für Bedauern, dem mithilfe trauriger Smileys Hunderter Nutzer Ausdruck verliehen wird. Auch im Ort ist die Geschäftsaufgabe Gesprächsthema. „Als ich davon gehört habe, war ich ziemlich entsetzt“, sagt Neermoors Ortsbürgermeister Berthold Koch im Gespräch mit dieser Zeitung. Er habe geglaubt, dass die Gaststätte Zu den Linden floriere. „Aber der Personalmangel war dann wohl doch zu viel“, sagt er. Es sei zwar seiner Erfahrung nach nur möglich gewesen, dort auf Vorbestellung zu essen. „Ich dachte aber das liegt daran, dass es so viele Gäste sind“, sagt Koch.
Die Geschäftsaufgabe sei seiner Ansicht nach nicht nur schade für die Familie Bangel, sondern auch schade für Neermoor. Neben Brunos Imbiss, der inzwischen von den Inhabern der Schnitzelfabrik Hesel betrieben wird, sei das Restaurant Zu den Linden das einzig gastronomische Angebot gewesen, bei dem man „ordentlich sitzen und essen“ konnte. „Wenn man schön Essen gehen wollte, dann ist man dahin gegangen“, sagt der Ortsbürgermeister. „So eine Kneipe und Gastwirtschaft zu verlieren, tut weh.“
Die Familie Bangel bedankt sich nun bei allen Stammkunden und Partnern der Gaststätte für deren langjährige Treue. „Vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen, das Lob, die Anerkennung, die wir in all den Jahren erfahren durften“, schreiben die Betreiber des Restaurants auf der Facebook-Seite. Aus vielen Gästen seien mit der Zeit Freunde geworden, „Freunde, die wir nicht missen wollen“.