Von wegen kein Nachwuchs Zweite neue Jugendfeuerwehr für Emden in kürzester Zeit
Junge Menschen engagieren sich nicht, heißt es gerne mal. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Widdelswehr-Petkum sieht man das Gegenteil: Nach Corona-Ende gab es ordentlich Zuwachs. Die Jugendwehr startet.
Emden - Frank Neemann hat schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine Jugendfeuerwehr für Widdelswehr-Petkum in Emden zu gründen. Nach der Corona-Pandemie habe die Freiwillige Feuerwehr „ordentlich Zuwachs“ bekommen, insbesondere durch viele junge Leute, sagt der Jugendwart. Betreuerinnen und Betreuer für eine mögliche Gruppe waren auch schnell gefunden. Jetzt stehen die ersten Kinder und Jugendlichen schon in den Startlöchern, sagt Neemann.
Am 20. August 2024, ab 18 Uhr, ist der erste Schnupperdienst bei der Wache am Süderweg 1. Weitere Interessierte im Alter zwischen zehn und 16 Jahren sind willkommen, betont Frank Neemann. Beim Schnupperdienst wird den jungen Kameradinnen und Kameraden gezeigt, was die Feuerwehr eigentlich macht, wie vielfältig die Technik und wie wichtig Teamgeist ist. Für Rückfragen von Interessierten steht Frank Neemann unter Telefon 0152/02625564 zu Verfügung.
Sechs Jugendfeuerwehren in Emden
Erst im November hatte sich in Emden eine neue Kinder- und Jugendfeuerwehr im Stadtteil Twixlum gegründet. 26 junge Aktive waren zu Beginn dabei. Jetzt sind es 18 Kinder und zehn Jugendliche, sagt Hilke Betten auf Nachfrage aktuell, die als Feuerwehrfrau gemeinsam mit Tanja Mammen die Gruppen leitet. Dienstabend ist für die Kinder jeden zweiten Montag von 16.30 bis 17.30 Uhr und für die Jugendlichen im Anschluss von 18 bis 19.30 Uhr. Der nächste Termin ist der 12. August 2024.
Mit der Gründung in Twixlum war die Zahl der Kinderfeuerwehren in der Stadt auf drei gestiegen und die Zahl der Jugendfeuerwehren auf fünf. Mit der neuen Gruppe in Widdelswehr-Petkum sind es dann sechs. Bei Kinderfeuerwehren sind die Mädchen und Jungen meist zwischen sechs bis zehn oder zwölf Jahren, bei Jugendfeuerwehren zwischen zehn oder zwölf bis 16 oder 18 Jahre alt. Ist ein Mitglied 16 Jahre alt, kann es mit den entsprechenden Schulungen sogar schon in den aktiven Dienst bei der Feuerwehr wechseln und an den „erwachsenen“ Dienstabenden teilnehmen.
Nachwuchs ist wichtig für aktiven Dienst
Sinn und Zweck von Kinder- und Jugendfeuerwehren ist es natürlich, schon früh den Nachwuchs an die Aufgaben der Feuerwehr heranzuführen, damit es auch langfristig noch Kameradinnen und Kameraden gibt, die ausrücken können. Das ist nicht selbstverständlich. Freiwillige Feuerwehren auch in Ostfriesland kämpfen mit einem Mangel an aktiven Ehrenamtlichen. Die Freiwilligen Feuerwehren in der Krummhörn beispielsweise hatte im vergangenen Herbst einen Aktionstag organisiert, damit mehr Menschen - insbesondere (junge) Erwachsene - auf die Feuerwehr aufmerksam werden. Auf Sylt hat die Freiwillige Feuerwehr sogar ein wenig provokativ um Mitglieder geworben mit einem Plakat, auf dem es heißt, dass man kein Personal habe und bei einem Brandfall die Geschädigten selbst löschen müssen.
In Emden kann es nicht passieren, dass im Notfall niemand ausrückt. Hier gibt es die einzige Hauptberufliche Wachbereitschaft in Ostfriesland. Heißt: Die Wache an der Brückstraße ist rund um die Uhr mit hauptamtlichen Kräften besetzt, die jederzeit ausrücken können. Es gibt dort drei Wachabteilungen mit insgesamt rund 40 Männern. Jede 24-Stunden-Schicht ist mit mindestens neun Männern besetzt. Frauen arbeiten dort aktuell nicht.
Bei größeren Einsätzen werden Freiwillige Feuerwehren von der Leitstelle dazu alarmiert. In Emden gibt es sieben Freiwillige Feuerwehren, die sich teilweise spezialisiert haben - unter anderem mit Drohnengruppe, Verkehrssicherungsdienst oder Expertise bei Bahnunfällen. Die Einheiten sind Stadtmitte, Borssum, Wybelsum-Logumer Vorwerk, Twixlum, Uphusen-Marienwehr, Widdelswehr-Petkum und Larrelt. Es gibt mehr als 240 ehrenamtliche Feuerwehrleute. Details und Kontakte gibt es auf der Website der Stadt Emden.