Osnabrück  „Auf einmal schwarz“: Das paradoxe Kalkül hinter Trumps Attacke auf Kamala Harris

Lucas Wiegelmann
|
Von Lucas Wiegelmann
| 01.08.2024 13:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
„Also ich weiß es nicht: Ist sie indisch oder schwarz?“: Ex-Präsident Donald Trump, Demokraten-Kandidatin Kamala Harris Foto: Imago/xAfpx
„Also ich weiß es nicht: Ist sie indisch oder schwarz?“: Ex-Präsident Donald Trump, Demokraten-Kandidatin Kamala Harris Foto: Imago/xAfpx
Artikel teilen:

Donald Trump hat angedeutet, Kamala Harris habe sich ihr schwarzes Selbstverständnis nur aus taktischen Gründen zugelegt. Eine rassistische Lüge, die man für politische Selbstdemontage halten könnte. Dabei folgt sie einer Wahlkampfstrategie, die durchaus aufgehen kann.

Der Aufschrei ist groß, und man kann es verstehen. Donald Trump hat Kamala Harris ihr ethnisches Selbstverständnis abgesprochen, schlimmer noch: Sein Satz „Also ich weiß es nicht: Ist sie indisch oder ist sie schwarz?“ suggeriert etwas, das nicht stimmt: Harris wechsele ihre Herkunft nach Belieben.

Ein alter weißer Mann verbreitet also eine rassistische Lüge über die Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin, und das auch noch auf einer Versammlung schwarzer Journalisten. Mitten im Wahlkampf ein klarer Fall von politischer Selbstdemontage. Könnte man meinen.

Doch so geschmacklos Trumps Äußerungen sind: Sie folgen einem klaren Kalkül, das am Ende durchaus aufgehen kann. Weil es sich nicht etwa auf irgendwelche fremdenfeindlichen Wählergruppen in Trumps weißer MAGA-Bewegung richtet – deren Stimmen sind längt eingepreist. So paradox es klingt: Mit seiner Entgleisung will Trump vor allem nicht-weiße Wähler ansprechen.

Es ist nämlich ein Missverständnis, dass Amerikas Schwarze, Latinos oder Asiaten automatisch Demokraten wählen. Gesellschaftspolitisch ticken viele von ihnen konservativ, sehen etwa das Recht auf Abtreibung oder eine liberale Transgender-Gesetzgebung kritischer als linke Akademikerschichten in Washington, Boston oder New York.

Minderheiten-Angehörige mit niedrigen Einkommen sind außerdem oft enttäuscht von der Biden-Regierung: Sie verdienen weiterhin wenig, während im Supermarkt die Lebensmittelpreise steigen und zu Hause die Miete. Gerade unter diesen Wählern ist die Sorge groß, nun könnten ihnen auch noch illegale Einwanderer den Job wegnehmen. Und wer ist bisher in der Biden-Administration für das Thema Grenzschutz zuständig? Genau, Kamala Harris.

Wenn man nicht-weißen Wählern nun auch noch den Floh ins Ohr setzt, Harris habe nur ein rein taktisches Verhältnis zu ihrer ethnischen Herkunft, kann eine solche Legende durchaus verfangen. Trump will die Demokraten als abgehobene Eliten hinstellen, die ihr Engagement für die Benachteiligten im Land nur inszenieren, während er selbst wirklich etwas für die Menschen tut. Das kann man dreist finden, zynisch oder schlicht bösartig. Dumm ist es leider nicht.

Ähnliche Artikel