Demenz  Krankenhäuser stellen sich auf demente Patienten ein

Petra Herterich
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Von Petra Herterich
| 01.08.2024 09:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Laut der Deutsche Alzheimer-Gesellschaft sind bereits zwölf Prozent der über 60-jährigen Patienten in Akutkrankenhäusern von einer Demenzerkrankung betroffen. Foto: Molter/DPA
Laut der Deutsche Alzheimer-Gesellschaft sind bereits zwölf Prozent der über 60-jährigen Patienten in Akutkrankenhäusern von einer Demenzerkrankung betroffen. Foto: Molter/DPA
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Laut der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft sind etwa zwölf Prozent der über 60-jährigen Patienten in Akutkrankenhäusern von einer Demenzerkrankung betroffen. Wie sind die Kliniken darauf vorbereitet?

Leer - Menschen mit Demenz sind oft ängstlich, unsicher, unruhig und gelegentlich aggressiv. Sie leiden unter Gedächtnis- und Orientierungsstörungen. Das kann bei einer medizinischen Behandlung im Krankenhaus zum Problem werden. Laut der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft sind schon jetzt etwa zwölf Prozent der über 60-jährigen Patientinnen und Patienten in Allgemeinkrankenhäusern von einer Demenzerkrankung betroffen. Wie geht man dort mit ihnen, etwa nach einer Operation, am besten um?

Niedersachsen hat als erstes Bundesland festgeschrieben, dass jedes seiner Krankenhäuser einen Demenzbeauftragten haben muss. Das haben die Kliniken in der Region inzwischen auch umgesetzt. Es sind entweder besonders geschulte Pflegekräfte oder Ärzte. Das Leeraner Borromäus-Hospital hat sogar schon seit 2015 zwei Demenzbeauftragte – eine dritte werde gerade ausgebildet, heißt es. Seit dem vergangenen Jahr gebe es auch eine Demenzsprechstunde für Angehörige der dementen Patienten. „Die Diagnose Demenz ist im Krankenhaus häufig eine Nebendiagnose und nicht der Hauptgrund für den Klinikaufenthalt. Im Borromäus Hospital hat etwa jeder fünfte Patient, der stationär aufgenommen wird, die Diagnose Demenz“, teilt Pressesprecher Hauke Mucha mit.

Farben und Bilder helfen bei der Orientierung

Die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden teilt mit, dass sowohl im Jahr 2022 als auch 2023 an den Klinikstandorten insgesamt über 1000 Patienten mit einer Demenzerkrankung behandelt worden seien. Vom Krankenhaus Wittmund gab es keine konkreten Zahlen, aber: „Nach Wahrnehmung der Demenzbeauftragten ist die Tendenz steigend“, schreibt Geschäftsführer Stephan Rogosik. Die Ammerland-Klinik in Westerstede und das Klinikum Leer haben ebenfalls keine Zahlen zu den Patienten, die an einer Demenz leiden.

Vorbereitet sind aber alle Kliniken auf solche Patienten. Die Häuser in Aurich und Westerstede sowie das Klinikum Leer verfügen zudem jeweils über eine Geriatriestation, die „demenzsensibel“ eingerichtet ist. „Zum Beispiel gibt es ein spezielles Leitsystem anhand von Farben und Bildern oder wiedererkennbaren Gegenständen in den Zimmern und an den Türen, das dementen Personen Orientierung bietet“, teilt die Trägergesellschaft mit. Auf diese „Hilfsmittel“ setzen auch die anderen Kliniken.

Angehörige dürfen im Einzellfall beim Patienten übernachten

Die Ammerland-Klinik betont: „Unser Ziel ist es, dass alle Stationen demenzsensibel arbeiten.“ Dazu gehören auch eine aktivierend-therapeutische Pflege, eine feste Tagesstruktur, tägliche Physio- und Ergotherapie sowie bei Bedarf Logopädie und Psychologie. Wichtig sei auch der Kontakt zu den Angehörigen, „um die Besonderheiten der Patienten zu erfassen“, erklärt Pressesprecherin Sabine Grüning.

Das Krankenhaus Wittmund hat beispielsweise „Beschäftigungskisten speziell für demente Patienten angeschafft, ebenso sogenannte ,Nesteldecken‘“, erklärt Rogosik. Denn Menschen mit Demenz suchen mit ihren Händen oft nach Beschäftigung.

Beim Klinikum Leer besteht die Möglichkeit, dass Angehörige im Einzelfall mit aufgenommen werden, „um den demenzerkrankten Patienten mehr Sicherheit zu geben und damit den Behandlungsverlauf zu verbessern“, schreibt Pressesprecher Jannick Brünink. Die Demenzbeauftragte am Leeraner Borro, Elke Sabev-Kosmis, betont: „Wichtig ist es immer, eine gewisse Vertrautheit zu schaffen. Das geht durch regelmäßige Besuche oder über persönliche Gegenstände, die die Patienten mit ins Krankenhaus bringen. Dementsprechend funktioniert es am besten, wenn die Pflegekräfte gemeinsam mit den Angehörigen an einem Strang ziehen.“ Bereits kurz nach der Aufnahme eines dementen Patienten werde bei einem Angehörigen oder der Begleitperson nach persönlichen Details gefragt – etwa, welchen Beruf der Patient früher hatte. „So kann das Pflegepersonal eine persönliche Ansprache für die Patienten entwickeln und dadurch individuell auf deren Bedürfnisse eingehen“, erklärt das Borro.

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