Hamburg Sauf-Werbung gehört verboten! Mit Alkohol geht es niemandem gut
Ab und zu ein Gläschen Wein – schadet nicht und ist sogar gesund: Hartnäckig hält sich dieser Mythos. Warum endlich Schluss mit der Verharmlosung von Alkohol sein muss und dazu vor allem ein Werbeverbot gehört.
„Kein Alkohol ist auch keine Lösung“: Man könnte meinen, dass der Song der Punkrockband Die Toten Hosen das Motto vieler Deutscher ist. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland trinkt regelmäßig. Etwa neun Millionen Personen zwischen 18- und 64 Jahren sogar problematisch viel. Und obwohl die Pro-Kopf-Menge im langfristigen Trend sinkt, zählt Deutschland laut WHO zu den zehn Ländern mit dem höchsten Konsum weltweit.
Doch trotz dieser erschreckenden Zahlen herrscht in unserer Gesellschaft weiterhin eine überwiegend lockere und positive Einstellung zum Alkohol. Verwunderlich ist das nicht. Schließlich wird unser Verhalten durch die Politik gesteuert und die Gesetze, die sie macht. Und was ist schon in einem Land zu erwarten, dessen Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir, schon als „Bierbotschafter“ des Brauer-Bundes fungierte?
So führt die aktuelle Gesetzeslage dazu, dass die Alkoholindustrie hierzulande nahezu ungehindert Werbung machen darf, obwohl Ärzte, Forscher und Suchtexperten seit Jahren Verschärfungen fordern. Horrende Summen fließen bei den Herstellern in Marketingstrategien – 2022 waren es mehr als 600 Millionen Euro.
Mit Erfolg. Wer den Botschaften der Werbefilme und Reklame Glauben schenkt, denkt: Mit Alkohol bin ich frei, immer gut gelaunt, habe mehr Spaß und viele Freunde. Das Glas Wein wird mit Kultiviertheit assoziiert, sich die Kante geben ist cool.
Vergiftungen, Abhängigkeit, Gewalt, Wahrnehmungsstörungen, Unfälle und schwerwiegende Gesundheitsprobleme wie Lebererkrankungen oder Krebs – die negativen und gefährlichen Folgen von langfristigem und regelmäßigem Alkoholkonsum werden verschwiegen. Weil es erlaubt ist.
Dabei liegen Lösungen, um den Alkoholkonsum zu reduzieren, auf der Hand: So fordert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Alkohol deutlich teurer zu machen und den Konsum von Bier, Sekt und Wein erst ab 18 Jahren zu erlauben. Ein Werbeverbot für Alkohol würde die Mehrheit der Deutschen sogar befürworten, wie eine Umfrage des Bundesdrogenbeauftragten Burkhard Blienert (SPD) aus dem vergangenen Jahr ergeben hat.
Ebenso wünscht sich ein Großteil der Bürger eine besondere Kennzeichnungspflicht für alkoholische Getränke, wie es bei Tabakprodukten längst üblich ist. Die Wahrheit ist eben nicht immer schön: Den gesunden Tropfen Alkohol gibt es nicht. Und Alkohol ist nie eine Lösung.