Osnabrück Lesetipps zu Erich Kästner: Diese fünf Bücher sind seine besten
„Emil und die Detektive“: Wer kennt Erich Kästners Kinderbuchklassiker wirklich nicht? Der Autor hat aber noch viele andere Bücher geschrieben, die das Lesen lohnen. Hier die wichtigsten Kästner-Bücher.
Ob Roman, Lyrikband, oder Kinderbuch: Den ganzen Erich Kästner gibt es im Programm des Atrium-Verlages. Ebenfalls lohnend ist der Blick auf die Verfilmungen seiner Bücher. Sie sind oft mehrfach verfilmt worden – ein gutes Indiz dafür, dass ihre Geschichten nicht alt werden. Diese fünf Bände lohnen besonders:
Klingt dieser Titel immer noch unbekannt? Hier geht es um den Roman „Fabian“, den Erich Kästner 1931 publiziert. Erst 2013 kommt das Buch unter jenem Titel heraus, den der Autor vorgeschlagen hatte: „Der Gang vor die Hunde“. Seitdem sind auch jene Passagen zu lesen, die der Verleger seinerzeit lieber ungedruckt ließ – saftige Zeitkritik nämlich. Aber auch so ist das Buch deutlich – als Innenansicht einer Gesellschaft auf dem Weg in die Diktatur. Die Hauptfigur, der junge Werbefachmann Fabian, geht auf die Odyssee durch eine Zeit der Auflösung. Fabian verliert alles, Freunde, die Geliebte. Am Ende bleibt nur ein bitterer Schlusspunkt. Die Nationalsozialisten hassten Kästner für dieses Buch. Gibt es eine bessere Empfehlung?
Der Gang vor die Hunde. Roman. Atrium Verlag. 320 Seiten. 22,95 Euro.
Der Kinderbuchklassiker von Erich Kästner! Der Roman erscheint schon 1929, liest sich aber frisch wie ein Evergreen. Der Junge Emil fährt in die große Stadt. Er hat Geld dabei. Das klaut ihm der fiese Herr Grundeis im Zug, als Emil eingeschlafen ist. In Berlin kennt er niemanden. Was tun? Wie sich Kinder verbünden, um den Ganoven zur Strecke zu bringen, die gerechte Ordnung wiederherzustellen, das ist mitreißend und mit viel Humor erzählt. Toll die Kinderfiguren von Gustav mit der Hupe bis Pony Hütchen. Erich Kästner – er schreibt das Buch mit knapp 30 – trifft den trockenen Berliner Ton. Warum ist dieses Buch immer wieder verfilmt worden, sogar von Billy Wilder? Einfach lesen, dann weiß man es.
Emil und die Detektive. Roman. Atrium Verlag. 176 Seiten. 14 Euro.
Ein unbekanntes Buch von Erich Kästner? Ein bisschen schon. Zum 50. Todestag gibt es in diesem kleinen Band jene Gedichte, die Kästner von 1929 bis 1933 für die Zeitschrift „Uhu“ schreibt. Kästner spießt das Zeitgeschehen auf, schaut mit bissiger Satire auf die Politik, mit freundlichem Humor auf die anonymen Glückssucher der Großstadt. Der Band zeigt Kästner als alerten Lyriker in Bestform. Zugleich gibt der Band einen guten Einblick in seine journalistische Praxis in der hektischen Pressewelt Berlins. Kästner, das ist der rasende Feuilletonist, der präzise Zeitbeobachter, der Sprachkünstler ohne Dichterallüre. Und diese Bändchen ist eine Trouvaille – genau richtig zum Kästner-Jubiläum.
Lieschen Neumann will Karriere machen. Die Uhu-Gedichte. Atrium-Verlag. 98 Seiten. 16,50 Euro.
Kaum ein anderes Buch von Erich Kästner ist unbekannter, kein anderes aber so wichtig. Denn in dem 1961 publizierten „Notabene 45“ schildert Kästner nicht nur, wie er das Dritte Reich überlebte, er rechnet auch mit der Doppelmoral seiner Zeitgenossen ab und macht auch in eigener Sache reinen Tisch. Wo bin ich standhaft geblieben, wo habe ich versagt? Kästner gibt Auskunft über das eigene Verhalten in der Zeit von 1933 bis 1945. In jeder Zeile spürt der Leser das Entsetzen des Autors, die Unmöglichkeit, mit der Diktatur, der Manipulierbarkeit der Menschen und dem Schrecken der Konzentrationslager wirklich fertig zu werden. Es gibt keinen anderen Ausweg als die aufrichtige Erinnerung. Kästner weiß das schon 1961. Ein berührendes Buch, gerade heute wieder dringend zur Lektüre empfohlen. Vielleicht hilft es ja.
Notabene 45. Atrium-Verlag. 256 Seiten. Zwölf Euro.
Sie haben Titel, die nach literarischem Schaumgebäck klingen: „Drei Männer im Schnee“ zum Beispiel, „Die verschwundene Miniatur“ oder eben „Der kleine Grenzverkehr“. Vielfach verfilmt haben sie das Bild Erich Kästners als eines harmlosen Unterhaltungsschriftstellers geprägt. Trotzdem lohnen sie weiter die Lektüre. Denn diese Bücher haben ihren doppelten Boden. Kästner schreibt sie, als er in der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr publizistisch arbeiten darf. „Der kleine Grenzverkehr“, das ist eine lustige Verwechslungskomödie. In Wirklichkeit handelt das Büchlein von Menschen, die diesseits und jenseits einer Grenze ihren Platz suchen, von Klassengegensätzen und davon, wie sie zu versöhnen wären. Kästner darf nach diesem Buch nichts mehr. Die Nazis verbieten ihn endgültig. Bis zum Kriegsende überwintert er, mit Ersparnissen.
Der kleine Grenzverkehr. Roman. Atrium-Verlag. 146 Seiten. Zwölf Euro.
Alle Bücher Erich Kästners bei Atrium.