Hamburg  Norddeutsche macht sich mit Taylor-Swift-Tatoos weltweit einen Namen

Dagmar Leischow
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Von Dagmar Leischow
| 23.07.2024 14:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Mobile mit dem Hasen hat Sophie Silbherz zum Swift-Song „Never Grow Up“ gezeichnet. Die beiden Personen mit dem Schirm sind das Design für „Sparks Fly“. In dem Lied heißt es: „Meet me in the pouring rain, kiss me on the sidewalk, take away the pain, cause I see sparks fly“. Foto: Sophie Silberz/Dagmar Leischow
Das Mobile mit dem Hasen hat Sophie Silbherz zum Swift-Song „Never Grow Up“ gezeichnet. Die beiden Personen mit dem Schirm sind das Design für „Sparks Fly“. In dem Lied heißt es: „Meet me in the pouring rain, kiss me on the sidewalk, take away the pain, cause I see sparks fly“. Foto: Sophie Silberz/Dagmar Leischow
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In den Soleil Studios in Hamburg dreht sich momentan alles um Taylor Swift: Tätowiererin Sophie Schilberz bietet dort von der Sängerin inspirierte Tattoos an. Seit ihren ersten Designs sind die Skizzen bei Fans weltweit beliebt.

Noch ist es ruhig in den Soleil Studios auf St. Pauli, die die Inhaberin Sophie Schilberz nach ihrem Hund „Soleil“ benannt hat. Er macht es sich neben der Tätowiererin auf dem Sofa gemütlich, während sie einige ihrer Motive präsentiert. Alle haben eins gemeinsam: Sie wurden von Taylor Swifts Songs inspiriert. Ein Dobermann symbolisiert das Stück „The Black Dog“ vom aktuellen Album „The Tortured Poet Departement“, für das Lied „The Lucky One“ steht eine Winkekatze mit der Aufschrift „Lucky One“. Ein T-Shirt, getragen von einem weiblichen Oberkörper, ziert der Aufdruck „Mad Woman“ – so heißt ein Titel der Platte „Folklore“. „Ich habe Designs kreiert, die für Swifties erkennbar sind“, erklärt Sophie Schilberz.

Erwartungsgemäß ist die 24-Jährige selbst ein Swiftie. Genau genommen ein Gaylor, also ein queerer Fan. Entdeckt hat sie die Sängerin schon als Mädchen, angefixt durch das Album „Fearless“ von 2008. Vor allem das „You Belong With Me“-Video mit Taylor Swift in einer Doppelrolle als Mauerblümchen und Cheerleaderin hatte es ihr angetan: „Ich war ein bisschen in die Cheerleaderin verliebt.“

Heute besitzt Sophie Schilberz sämtliche Alben – auf CD oder Vinyl. Ihre Lieblingsplatte ist „Folklore“: „Ich habe sie während der Pandemie oft gehört.“ Das war die Phase, in der sie ihre Leidenschaft fürs Tätowieren entdeckt hat: „Ich hatte selber Tattoos und wollte noch mehr haben.“

Weil sämtliche Studios geschlossen waren, kaufte sie sich im Netz einfach eine Tattoo-Maschine und belegte online einen Kurs. Dann tätowierte sie sich, auch mit Taylor-Swift-Motiven. Die ersten hatte sie 2021 entworfen, ihre Zeichnungen für das „Midnights“-Album gingen 2022 bei TikTok viral. In Deutschland ebenso wie in den USA oder Großbritannien. Damit war für Sophie Schilberz klar: „Als Tattoo-Artist kann ich meine Interessen kombinieren.“

Heute stehen tatsächlich die von Taylor Swift inspirierten Skizzen bei ihren Kunden am höchsten im Kurs. Gerade bei Frauen, weil die Fans der Sängerin überwiegend weiblich sind. In Sophie Schilberz Räumlichkeiten am Pinnasberg, die sie Anfang 2024 bezogen hat, kommen aber nicht bloß Hamburgerinnen. Selbst für Koreanerinnen oder Britinnen funktioniert das Taylor-Swift-Konzept. Sie kriegen zu fast allen Platten, an denen die Sängerin die Rechte besitzt, Motive zu jedem einzelnen Lied.

Einzig für „Fearless (Taylor‘s Version)“ muss Sophie Schilberz noch etwas designen. Es ist eines der sechs Werke, die Taylor Swift neu eingespielt hat, nachdem Justin Biebers Manager Scooter Brown die Rechte an den Alben erworben hatte. Ein cooler Move sei das gewesen, findet die Tattoo-Künstlerin.

Natürlich hat sie auch Tickets für die Deutschlandkonzerte erstanden. Am 19. Juli wird die Psychologiestudentin, die gerade ihre Masterarbeit schreibt, in Gelsenkirchen ihrem Idol zujubeln, am 23. Juli in Hamburg. Allein die VIP-Karte für Gelsenkirchen hat sie rund 300 Euro gekostet. „Als die US-Tour bekannt gegeben wurde, habe ich angefangen zu sparen“, erzählt Sophie Schilberz. „Weil ich dachte, dass Taylor Swift bestimmt auch in Europa auftreten würde.“

Dieser Plan ging auf. Mehr noch: Sophie Schilberz hat eine ziemliche clevere Geschäftsidee entwickelt. An den Konzerttagen tätowiert sie in verschiedenen Städten Fans. Sogar in London oder Amsterdam. In Hamburg sind schon sämtliche Termine ausgebucht. Wer einen ergattern konnte, bekommt ein Taylor-Swift-Motiv für 200 Euro, zwei für 375 Euro oder drei für 500 Euro.

Diese Einnahmen wird Sophie Schilberz gewiss nicht in irgendwelche Fanartikel investieren. Die offiziellen Merchandise-Produkte, sagt sie, gefielen ihr nicht besonders. Stattdessen trägt sie ein T-Shirt, das eine andere Swiftie entworfen hat – mit der Aufschrift: „Argumentative Antithetical Dream Girl“. Sie selbst hat ebenfalls ein Shirt designt. Auf dem Rücken sieht man jene Zeichnungen, die sie normalerweise tätowiert. Es kostet 30 Euro. Was wäre, wenn Taylor Swift vielleicht eins kaufen und sich bei ihr ein Tattoo stechen lassen würde? „Vermutlich wäre ich zu aufgeregt, um Taylor Swift zu tätowieren.“

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