Jäger warnen  Gutes Dutzend Wölfe bedroht Weidetiere in Ostfriesland

Martin Teschke
|
Von Martin Teschke
| 23.07.2024 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Häufigste Todesursache bei Wölfen: ein Verkehrsunfall – hier im Oktober 2022 in Berge in Niedersachsen. Foto: Nord-West-Media TV/DPA
Häufigste Todesursache bei Wölfen: ein Verkehrsunfall – hier im Oktober 2022 in Berge in Niedersachsen. Foto: Nord-West-Media TV/DPA
Artikel teilen:

Der Ärger mit den Wölfen reißt nicht ab. Nun warnen die Jäger: „Für den Wolf ist Ostfriesland wie McDonald’s“. Erstmals gibt es auch genauere Zahlen für die Region.

Ostfriesland/Berlin - In der ostfriesischen Jägerschaft ist eine Studie aus Berlin auf Verärgerung gestoßen, wonach die Nahrung von Wölfen nur zu 1,6 Prozent aus Weidetieren bestehen soll. „So ein Quatsch. Wenn man die Wölfe in Ostfriesland untersuchen würde, fände man dort garantiert 90 Prozent Weidetiere im Magen“, sagte Gernold Lengert, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaften im Bezirk Ostfriesland. Jäger und Landwirte forderten am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion ein wolfsrudelfreies Ostfriesland.

Was war geschehen? Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin hat insgesamt 1000 Wölfe aus ganz Deutschland auf ihre Todesursache hin untersucht und dabei auch den Mageninhalt der Tiere analysiert. Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-IZW, sagte am Dienstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA), immer wieder würden Wölfe auch Schafe und Ziegen reißen. Diese Weidetiere machten aber nur 1,6 Prozent der Nahrung aus. „Im Beutespektrum des Wolfs ist das fast vernachlässigbar“, so Hofer. Weitere Forschungen bestätigen diese Zahlen. Analysen des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz (SMNG) haben zum Beispiel ergeben, dass sich die Wölfe in Deutschland überwiegend von Rehen, Wildschweinen, Rothirschen und Damhirschen ernähren.

„Irgendwann passiert noch was Schlimmes“

„In Ostfriesland fehlen aber die Wälder“, sagte dazu Maren Ziegler, Geschäftsführerin des Kreisverbands Norden-Emden vom Landvolk Ostfriesland. Wegen der weit verbreiteten Weidetierhaltung in Ostfriesland fordern die Bauern ein „regulatives Management“ – sprich: ein wolfsfreies Ostfriesland. Denn: „Mit Zäunen ist der Schutz vor Wölfen nicht mehr leistbar“, so Ziegler. 30 bis 50 Euro koste solch ein Zaun am Deich pro Meter. Für ganz Ostfriesland einschließlich des Grünlands kämen da schnell Kosten in Millionenhöhe zusammen.

Lengert geht noch weiter. „Für den Wolf ist Ostfriesland wie McDonald’s“, sagte der Jäger. Warum solle sich ein Wolf denn die Mühe machen, einem Reh hinterherzujagen, wenn er auf der Weide alles serviert bekäme. Und: „Irgendwann passiert noch was Schlimmes. Dann kommt es zur Konfrontation mit Menschen.“

Keine illegalen Abschüsse?

Lengert schätzt die Zahl der Wölfe in Niedersachsen auf 600 Tiere. In Ostfriesland sind es nach seiner Kenntnis 16 Wölfe – seiner Meinung nach 16 zu viel. Der Jäger befürchtet, dass sich die Menschen irgendwann selbst helfen würden. Die Landwirte stünden wegen der Raubtiere enorm unter Druck. „Die Wölfe können gern durch Ostfriesland wandern. Sie dürfen hier aber nicht heimisch werden.“ Auch von dem Norderneyer Wolf gehe eine Gefahr aus. Es komme jede Nacht zu einem Riss. Die Risse würden nur nicht mehr gemeldet.

Illegale Abschüsse von Wölfen schließt Jäger Lengert für Ostfriesland offiziell bislang allerdings aus. In jüngster Zeit seien drei Tiere überfahren worden: im Frühjahr 2023 in Wiesmoor, dann im Wittmunder Bereich und im Frühjahr dieses Jahres in Rhauderfehn.

266 tote Wölfe gefunden

Das wiederum deckt sich mit den Zahlen der Forscher aus Berlin. Die Untersuchung von 1000 toten Wölfen ergab, dass die allermeisten im Straßenverkehr starben. Allerdings wurde auch jeder Zehnte illegal geschossen. In Niedersachsen sind seit dem Jahr 2000 genau 266 sogenannte Totfunde gemeldet worden; bei 209 Tieren lautete die Todesursache Verkehrsunfall, bei 18 illegale Tötung. Nur acht starben durch sogenanntes Wolfsmanagement, also die Entnahme der Tiere.

Wie bürokratisch aufwendig und letztendlich vergeblich der Versuch sein kann, einen Wolf auf legale Weise zu töten, hatte sich zuletzt im Landkreis Aurich am Dornumer Deich gezeigt. Der Landkreis war trotz Schützenhilfe aus dem grünen Umweltministerium vor Gericht gescheitert.

Ähnliche Artikel