Osnabrück  „Das trägt zur durchwachsenen Popularität von Kamala Harris bei“

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 22.07.2024 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Keine Gelegenheit, zu glänzen“: die mögliche neue Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris Foto: Pool EPA/AP/Shawn Thew
„Keine Gelegenheit, zu glänzen“: die mögliche neue Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris Foto: Pool EPA/AP/Shawn Thew
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Warum liegt Amerikas Vize-Präsidentin Kamala Harris in den Umfragen so deutlich hinter Donald Trump? Welche Themen werden jetzt wahlentscheidend? Und kann Trump wirklich noch verlieren? Drei Fragen an den deutschen Politikwissenschaftler Alexander Görlach, der in New York lehrt.

Frage: Herr Görlach, Kamala Harris steht in Umfragen schlechter da als Donald Trump. Was sind ihre größten Schwächen?

Antwort: Grundsätzlich gilt: Die Rolle der Vizepräsidentin ist immer undankbar. Das kann man schön in der US-Fernsehserie Veep sehen, die von Washingtons Top-Insidern mal zur realistischsten Polit-Serie der Saison gewählt wurde: Eine Vizepräsidentin muss hart arbeiten, sie muss immer up to date und in die Administration eingebunden sein, sie muss bereitstehen, falls der Präsident ausfällt. Sie bekommt aber keine Gelegenheit, zu glänzen. Im speziellen Fall von Kamala Harris ist es so, dass man ihr das Themenfeld Einwanderung zugewiesen hat, um die damit verbundenen negativen Nachrichten von Joe Biden fernzuhalten. Das trägt zu ihrer durchwachsenen Popularität bei. Es gibt im Moment nur eine Demokratin, die laut Umfragen aus dem Stand vor Trump liegen würde, Michelle Obama. Die steht aber nicht zur Verfügung.

Frage: Welche Themen sind für demokratische Wähler bei dieser Wahl entscheidend?

Antwort: Auch für linke Amerikaner ist die illegale Einwanderung an der Südgrenze ein wichtiges Thema. Deren Auswirkungen haben längst auch demokratische Hochburgen wie New York erreicht. Die hohen Mieten und Lebensmittelpreise bewegen viele Menschen. Was Joe Biden den Rückhalt der schwarzen und der jüngeren Bevölkerung gekostet hat, war seine Positionierung im Gaza-Israel-Konflikt: Sollten die Demokraten die Wahl gewinnen, wird Amerika seinen Carte-blanche-Kurs gegenüber Netanjahu rasch ändern. Aber Äußerlichkeiten sind bei dieser Wahl auch wichtig. Sie werden in Amerika nicht als Entertainment wahrgenommen, sondern als Teil des politischen Vermögens eines Kandidaten. Deshalb wird es bei demokratischen Wählern sehr gut ankommen, dass Kamala Harris eine nicht weiße Frau ist. Als Kandidat für das Vizepräsidentenamt ist Pete Buttigieg im Gespräch, ein ehemaliger Soldat und homosexueller Mann. Das kann linke Wähler ebenfalls ansprechen.

Frage: Gibt es wirklich noch die Chance für die Demokraten, Donald Trump zu schlagen?

Antwort: Es geht bei der Präsidentschaftswahl bekanntlich nur um die sechs besonders umkämpften Bundesstaaten, die das Zünglein an der Waage sein werden. Für die Demokraten kommt es darauf an, ihre Sympathisanten dort so gut wie möglich zu mobilisieren. Dass Joe Biden sich aus dem Rennen verabschiedet, gibt ihnen jetzt die Chance dazu. Mit Biden wäre die Wahl für sie aussichtslos gewesen. Nun können sie frische Hoffnung schöpfen. Jetzt ist alles wieder offen. 

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