Berlin Joe Biden verzichtet auf Kandidatur – Well done, Mr. President!
Joe Biden zieht sich aus dem Präsidentschaftsrennen zurück – gut so! Wenn überhaupt, lässt sich so noch ein Wahlsieg von Donald Trump verhindern. Doch der Demokrat sollte noch einen Schritt weiter gehen. Was jetzt zu tun ist.
„Es war die größte Ehre meines Lebens, Ihr Präsident zu sein.“ Mit diesen Worten kündigt Joe Biden am Sonntagabend um kurz vor 20 Uhr deutscher Zeit seinen Rückzug aus dem Präsidentschaftsrennen an. Ein unausweichlicher Schritt, eine richtige Entscheidung. Man möchte sagen: Well done, Mr. President!
Wegen einer Corona-Erkrankung verbrachte Biden die vergangenen Tage isoliert in seinem Privathaus in Delaware. Von dort musste er mitansehen, wie sein Herausforderer Donald Trump auf dem Parteitag der Republikaner quasi als Erlöser gefeiert wurde. Bidens Quarantäne geriet so zum Sinnbild einer wachsenden Isolation unter den Demokraten.
Joe Biden hat die USA trotz globaler Krisen erfolgreich regiert. Er ist ein verlässlicher Partner für Europa. Aber nach dem Debatten-Debakel Ende Juni war klar: Der amtierende Präsident wird sich nicht mehr berappeln können.
15 Wochen vor der Wahl wollten immer mehr Demokraten den Bewerber Biden auswechseln. Selbst Ex-Präsident Barack Obama zweifelte zuletzt an der mentalen und körperlichen Eignung des 81-Jährigen für den harten Job im Weißen Haus. In den wahlentscheidenden Staaten, den Swing States, sahen die Umfragen Biden teils sehr deutlich hinter Trump. Alles gute Gründe für einen Rückzug. Doch wer wird den Präsidenten im Wahlkampf beerben?
Die naheliegendste Alternative ist Kamala Harris. Die Unterstützung Bidens hat die Vize-Präsidentin jedenfalls. Beide hatten zwar lange Zeit ähnlich schlechte Umfragewerte, aber zuletzt hat Harris an Kontur gewonnen. Sollte sie gegen Trump kandidieren, wäre es klug, wenn Biden auch als Präsident zeitnah zurücktritt, um ihr die Bühne zu überlassen. Die Wähler hätten zwar nicht viel, aber immerhin etwas Zeit, um sich an die neue Präsidentin zu gewöhnen. Und Harris könnte ihr Profil weiter schärfen.
Das alles ist keine Garantie, dass Trump die Wahl am 5. November tatsächlich verliert. Aber die Lage für die Demokraten ist jetzt immerhin weniger aussichtslos. Nun sollte Joe Biden seinem Land einen letzten ehrwürdigen Dienst erweisen und sich noch vor der Wahl in den Ruhestand verabschieden. Er wäre hochverdient.