Papenburg Kann über Zukunft entscheiden: Meyer Werft hat Gutachten erhalten
Wirtschaftsprüfer haben der Meyer Werft ein positives Gutachten erteilt. Über den Berg ist das Krisenunternehmen aus Papenburg damit noch lange nicht. Die Landesregierung zeigte sich gegenüber unserer Redaktion erleichtert.
Die Meyer Werft steckt in existenzbedrohenden Schwierigkeiten. Nun gibt es immerhin einen Lichtblick: Wirtschaftsprüfer haben dem Traditionsunternehmen aus Papenburg ein positives Gutachten erteilt. Das bestätigte die IG Metall Küste unserer Redaktion. Mit einer Stellungnahme wolle man aber warten, bis die rund 350 Seiten dicke Analyse ausgewertet sei. Zuerst hatte der NDR über das Gutachten berichtet.
Das Ergebnis der externen Sanierer entscheidet maßgeblich darüber, ob Bund und Land die Werft finanziell unterstützen. Nach Angaben eines Sprechers handelt es bei dem Gutachten um eine vorläufige Version. Der Entwurf setze Kriterien voraus, die die Werft in den kommenden Wochen erfüllen müsse. Eine endgültige Fassung soll es demnach im September geben.
Das Land Niedersachsen hat erleichtert auf die Vorlage reagiert. Wirtschaftsminister Olaf Lies erklärte gegenüber unserer Redaktion, es handele sich um einen elementaren Punkt für den weiteren Weg: „Das Gutachten weist die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit nach. Das ist erstmal die ganz zentrale Botschaft“, betonte der SPD-Politiker. Das Gutachten weise darauf hin, dass kein grundsätzliches Problem mit dem Geschäftsmodell bestehe. „Die Auftragslage und die Kundenstruktur sind stark. Die Innovationskraft der Werft ist bei den Kunden höchst anerkannt. Die Produkte der Werft bedienen einen schnell wachsenden Markt und sind heiß begehrt.“ Die Zukunftsfähigkeit der Werft werde damit bestätigt. Dies sei auch „ein ganz wichtiges Signal für die Kolleginnen und Kollegen auf der Werft und bei den Zulieferern“, so Lies.
„Das Gutachten analysiert gleichzeitig die dringenden Optimierungspotentiale und benennt hier klar die notwendigen Hebel“, erklärte der Minister. So sei es Aufgabe des Managements, den inzwischen eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. „Auch hier ist die klare Botschaft: das Potenzial für Verbesserungen in den Prozessen und für das Management sind identifiziert und können, bei einer konsequenten Umsetzung, die notwendigen Effekte erbringen.“
Das Ziel laute, die Werft in den nächsten drei Jahren wieder wettbewerbsfähig am Markt zu machen. Dieses Gutachten liefere die Grundlage dafür. „Wir werden diesen Prozess als Landesregierung weiter begleiten. Wir stehen eng an der Seite der Meyer Werft und ihrer Belegschaft“, sagte Lies.
Auch die Opposition im niedersächsischen Landtag zeigte sich erleichtert. „Dies sind alles sehr gute Signale für den Standort Papenburg und die 16.000 bis 18.000 Arbeitnehmer“, teilte Sebastian Lechner mit, Fraktionsvorsitzende der CDU. Die positive Fortführungsprognose bilde „eine zentrale Grundlage für die Unterstützung durch das Land Niedersachsen und den Bund.“
Trotz guter Auftragslage hat die Meyer Werft ein erhebliches Finanzierungsproblem. Bis 2027 fehlen 2,7 Milliarden Euro für die Produktion neuer Luxusliner. Zudem muss das Eigenkapital um 400 Millionen Euro erhöht werden. Doch ein privater Investor ist nicht in Sicht. Niedersachsen will der Werft auf jeden Fall helfen. Ob und inwiefern der Bund dazu bereit ist, ist noch unklar. Die nächsten Wochen könnten Klarheit bringen.