Infrastruktur Emdens erste Lkw-Raststätte füllt sich vor allem nachts
Vor drei Monaten wurde Emdens erster Rastplatz für den Fernverkehr und für Fernreisende eröffnet. Unter den Nutzern ist so mancher Überraschungsgast.
Emden - Da schreibt das Emder Energie- und Immobilienunternehmen Score offenbar die erwartete Erfolgsgeschichte: Die erst in diesem Mai in Betrieb genommene, erste Raststätte für Lkw am Emder Außenhafen wird schon jetzt gut genutzt. „Wir konnten im Juni schon 350 parkende Lkw verzeichnen und circa 200 Nutzungen der kostenpflichtigen Duschräume. Das ist – ohne dafür aktiv zu werben – schon ein tolles Ergebnis“, teilte Unternehmenssprecherin Sonja Brandt auf Anfrage dieser Zeitung mit.
Damit ist tatsächlich bei aktuell 28 Stellplätzen und 30 Tagen im Monat schon fast die Hälfte der rein rechnerischen Kapazität belegt gewesen. Vornehmlich allerdings nachts. „Es stellt sich auch heraus, dass die Lkw-Fahrer bisher hauptsächlich über Nacht bleiben und der Tagesaufenthalt sich noch auf die Sonntage beschränkt“, sagte Brandt.
Vier Tage zum Kitesurfen
So gesehen ist also auch noch ordentlich Luft nach oben. Und Score hat auch schon die nächsten potenziellen Nutzer dafür ausgemacht. „Wir haben mit Anfragen von Wohnmobilisten beziehungsweise Wohnwagenreisenden derzeit eine weitere Zielgruppe erobert“, sagte Brandt. „Durch die Nähe zum Außenhafen scheint sich hier das Interesse auch zu verstärken. Besonders interessant für die Stellplatzsuchenden sind hier die Videoüberwachung und die Möglichkeit zur Nutzung der Sanitärräume.“
Und so mancher Rastplatz-Besucher bleibt sogar gleich mehrere Tage lang. So wie Reto Habegger aus Bern zum Beispiel. Der Schweizer kam nicht mit dem Lkw, sondern mit seinem Kombi-Pkw samt Kite-Ausrüstung. Ziel: die Surf-Szene an der Knock. „Ich habe vier Nächte im Roatel gebucht, das passt perfekt“, sagte er. In dem Micro-Hotel habe der selbstständige IT-Experte besten Internet-Empfang, habe noch nebenbei eine Mitarbeiterin fern-einarbeiten können und auch sonst alles vorgefunden, was man brauche.
Zwischenstopp und Ruhezeiten
„Natürlich macht man hier keine zwei Wochen Urlaub“, sagte Habegger. „Aber mit 180 Euro für vier Übernachtungen ist es unschlagbar günstig und nur wenige Autominuten vom Wasser entfernt.“ Die gelegentlichen Motorengeräusche von Lkw, die an- oder abreisen, würden jedenfalls nicht groß stören, sagte der Roatel-Gast. Für den Start seines Aktiv-Urlaubs in Emden wäre der Platz jedenfalls ideal. Im Anschluss wollte der Kitesurfer dann weiter die Küste entlang bis St. Peter Ording mit Zwischenstopp in Norden.
Das Roatel ist Teil des Lkw-Rastplatzes und zunächst ein Angebot an Fernfahrer, auch außerhalb ihrer Fahrerkabine des Lkw zu übernachten. Die europäische Arbeitsschutzrichtlinie für Berufskraftfahrer im internationalen Fernverkehr sieht nämlich ein Kabinenschlafverbot für die wöchentliche Ruhezeit vor. Andernfalls drohen Bußgelder. Wer länger als eine Woche unterwegs ist, kann also auf solche Angebote zurückgreifen.
Viele Autotransporter dabei
Und das geschehe auch, wie Score-Sprecherin Brandt sagte. „Von den Betreibern des Roatel ist nur Positives über den Standort in Emden zu hören.“ Das Beherbergungsunternehmen „Roatel“ aus Düsseldorf betreibt bundesweit diese Wohn-Container an Raststätten. In Emden sind es vier Miniatur-Apartments. Auf kleinstem Raum gibt es Bett, Dusche und WC.
Die Nutzer des neuen Stellplatzes sind international, zu einem großen Teil auch den osteuropäischen Staaten zuzuordnen. Großteils seien sie als Dienstleister für VW-Zulieferfirmen vor Ort, beobachtet Score. Und es sind viele Autotransporter darunter, die die neue Raststätte in Emden nutzen, wie auch der Kitesurfer aus der Schweiz bestätigte. „Nachts ist hier der ganze Platz voll damit“, sagte Habegger. „Und im Morgengrauen fahren dann alle wieder los.“
Duschen und Waschen
Mit dem neuen Rastplatz erfüllt sich auch die Erwartung, dass viele Lkw-Fahrer nicht mehr „wild“ abseits der Industriegebiete parken und dort, mangels Alternativen, Müll hinterlassen. Die Nutzung ist anders als auf dem Standstreifen natürlich nicht umsonst, sie sei aber insbesondere auf die Ruhezeitverordnungen von Kraftfahrern angepasst, hatte Score schon im Vorfeld erklärt. So kostet eine Stunde Parken drei Euro, vier Stunden fünf Euro und zwölf Stunden zehn Euro. Inklusive ist dann die Nutzung der Toilettenanlage. Duschen kostet mit fünf Euro nochmals extra. Dafür sind Sanitär-Container aufgestellt.
Inzwischen ist auch noch eine Anlage mit Waschmaschinen zum Wäschewaschen dazukommen - der gleiche Kompakt-Container mit Industriewaschmaschinen, wie er an der Score-Tankstelle an der Petkumer Straße steht. Alles funktioniert bargeldlos. Mit dem QR-Ticket gibt es auch Zugang zur Toilettenanlage.
Viele Kilometer bis zur nächsten Raststätte
Angebote und Fläche des Rastplatzes sollen bei Bedarf auch noch ausgebaut werden. So können die Stellplätze auf den 6000 Quadratmetern Grund noch verdoppelt werden, wenn sich der Rastplatz auch in den unter Reisebusfahrern und Touristen von Pkw-Gespannen mit Wohnwagen weiter herumspricht.
Die Score-Tankstelle gleich nebenan hat zwar nichts mit dem Rastplatz zu tun. So gebe es zwar keine Verzehrgutscheine für Rastplatz-Nutzer wie es sonst auf Autohöfen üblich ist. Synergien für den Tankstellen-Pächter erhofft man sich aber dennoch.
Die nächsten Raststätten für Lkw und Co. sind im Übrigen viele Kilometer weit entfernt. 50 Kilometer weiter in Rhede ist ein Autohof im Aufbau. Auf der Autobahn 31 ist die nächste Raststätte „Ems-Vechte“ 120 Kilometer entfernt. Bis zum Autohof Apen-Remels auf der A 28 sind es 45 Kilometer.