Kolumne „Bi Karkens“  Ich möchte glauben, dass alles gut wird

Martin Kaminski
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Eine Kolumne von Martin Kaminski
| 19.07.2024 08:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Viele Menschen müssen schwere Zeiten durchstehen. Woher nehmen sie den Glauben, dass dennoch alles irgendwann gut wird? Dieser Frage geht unser Kolumnist diese Woche nach.

Letzte Woche hatte ich eine Unterhaltung mit einem Freund. Am Ende des Gesprächs sagte er: „Alles wird gut.“ Man muss dazu sagen, dass wir gerade über ziemlich große Sorgen geredet hatten. Seine und meine. Und dann sagte er: „Alles wird gut.“ Das stimmt nicht. Es wird nicht immer alles gut. Oder doch? Die Religionen erzählen davon. Alle! Wenn es nicht auf Erden gut wird, dann wenigstens im Himmel. Soll das der Trost für alle sein, die ein wirklich schweres Leben haben? Wir trösten belastete Menschen damit, dass es im Himmel für sie besser wird? Manche Leute können darüber nur den Kopf schütteln.

Da fällt mir ein: Kennen Sie die Geschichte vom verlorenen Schaf? Sie steht in der Bibel. Ein Hirte hatte 100 Schafe. Eines ging verloren. Da machte er sich auf und suchte so lange, bis er es gefunden hatte. Die Freude war groß. Er brachte das Schaf wohlbehalten zurück. So wie der Hirte sei Gott, sagte Jesus. Er findet immer das Verlorene. Und dann ist alles gut.

Unser Leben wirkt oft anders. Wir sehen die Verlorenen, wir kennen vielleicht sogar Verlorene. Wir sind selbst Verlorene. Und die frohe Botschaft von einem Gott, der uns immer sucht, findet und nach Hause bringt, bekommt mehr und mehr Macken, je älter wir werden. Das kann so weit gehen, dass Menschen sagen, dieser Gott könne ihnen gestohlen bleiben.

Meinem Freund geht es nicht so. Er glaubt fest daran, dass alles gut wird, obwohl es auch in seinem Leben gar nicht danach aussieht. Ich frage ihn manchmal, woher er diesen Glauben nimmt. Seine Antwort: „Ich weiß es nicht. Ich nehme ihn ja auch gar nicht. Ich habe ihn einfach!“

Wenn ich mal wieder denke, dass nicht alles gut wird und viele nicht gefunden werden, dann leihe ich mir den Glauben meines Freundes. Manchmal kommen mir dann die Tränen und ich sage zu Gott: „Es ist mir egal, ob es vernünftig ist. Ich möchte glauben, dass alles gut wird. Und ja, meinetwegen auch erst im Himmel.“

Wissen Sie was? Mein Freund leiht mir seinen Glauben gern. Und Ihnen leiht er ihn auch, da bin ganz sicher.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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