Risiken durch Alkohol Das Märchen vom gesunden Glas Wein
Ein Gläschen Wein in Gesellschaft ist nicht nur beim Weinfest in Aurich ein Genuss. Tut man mit Wein in Maßen sogar seiner Gesundheit etwas Gutes? Wir haben Fachleute gefragt.
Aurich - Ein gepflegtes Glas Wein am Abend gehört für viele Menschen dazu – nicht nur beim Auricher Wein- und Gourmetfest. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Alkohol sei unter bestimmten Bedingungen sogar gesund fürs Herz. Ein Irrtum. Wir haben zu dem Thema einen Arzt und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen konsultiert.
Fördert Alkohol in Maßen die Gesundheit?
Nein. Ob Wein, Bier oder Schnaps: Alkohol ist ein Zellgift und vom ersten Tropfen an gesundheitsschädlich. „Es gibt keinen im Grundsatz unbedenklichen Alkoholkonsum“, sagt Dr. Lukas Bockelmann. Der Allgemeinmediziner aus Großefehn ist Vorsitzender des Ärztevereins Aurich. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schreibt: „Gesundheitliche Vorteile hat Alkohol nicht. Je mehr Alkohol man trinkt, desto schädlicher ist er.“ Wer gelegentlich ein Glas Wein trinke, müsse sich zwar deswegen noch keine Sorgen um die Gesundheit machen. „Etwas Gutes tut man ihr damit aber nicht.“
Wein gilt vielen als das kultiviertere Getränk. Macht es einen Unterschied, ob ich Wein, Bier oder Schnaps trinke?
Nein. „Das Toxische und den Körper Schädigende ist der Alkohol“, sagt Bockelmann. Der Körper fragt nicht, aus welchem Getränk das Gift stammt. Entscheidend ist die Gesamtmenge des konsumierten Alkohols. 300 Milliliter Bier enthalten so viel Alkohol wie 125 Milliliter Wein oder 40 Milliliter Whisky. Alles ist gleich ungesund.
Gibt es jenseits der totalen Abstinenz einen vernünftigen Umgang mit Alkohol?
Bockelmann erinnert an eine Weisheit seiner Großeltern: „Alles in Maßen.“ Der Konsum von Dingen, die nicht gesund sind, gehöre für die meisten Menschen zum Leben. „Das scheint eine biologische Mitgift zu sein“, sagt Bockelmann, „dass unser Organismus nach so etwas strebt.“ Der Mensch werde wahrscheinlich nie ganz drogenfrei leben.
Was bedeutet Genuss in Maßen konkret? Ab wann ist Alkoholkonsum riskant?
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt, an mindestens zwei Tagen pro Woche keinen Alkohol zu trinken. An den anderen Tagen sollten Frauen nicht mehr als 12 Gramm Alkohol konsumieren, also beispielsweise ein kleines Glas Wein (0,125 Liter) oder ein kleines Bier (0,3 Liter). Männer sollten demnach maximal 24 Gramm Alkohol zu sich nehmen. Das entspricht 0,25 Litern Wein oder 0,6 Litern Bier. Es hänge aber immer vom Einzelfall ab, betont Bockelmann. Wer zum Beispiel chronisch krank sei und/oder regelmäßig Medikamente nehme, vertrage weniger Alkohol. „Im Einzelfall kann das am besten die Hausärztin oder der Hausarzt sagen.“ Wer anfange zu rechnen, sei meist schon auf dem Weg, zu viel zu trinken, fügt der Arzt hinzu.
Woran erkenne ich, dass ich ein Alkoholproblem habe?
Wer ein starkes Verlangen nach Alkohol verspürt, immer mehr trinken muss, um eine Wirkung zu spüren, Entzugserscheinungen entwickelt und/oder die Kontrolle über sein Trinkverhalten verliert, gilt medizinisch als alkoholabhängig. Im Internet gibt es zahlreiche Selbsttests, zum Beispiel hier.
Selbsttest zum Thema Alkohol
Ob Sie ein Problem mit Alkohol haben, hängt neben der getrunkenen Menge vor allem von Ihren Trinkgewohnheiten ab und davon, welche Rolle Alkohol in Ihrem Leben spielt: Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantworten, kann dies ein Hinweis auf problematisches Trinkverhalten sein. Bei psychischen Erkrankungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen ist es besonders wichtig, sich Hilfe zu holen – und die Probleme nicht noch durch Alkohol zu vergrößern.
Quelle: gesundheitsinformation.de
Welche Schäden verursacht Alkohol?
Alkohol begünstigt unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, außerdem Erkrankungen des Stoffwechsels und der Verdauung, beispielsweise Gicht, Magenschleimhautentzündung und Leberentzündung. Er erhöht das Verletzungsrisiko durch Unfälle und verkürzt die Lebensdauer. Jugendliche reagieren besonders empfindlich, da sie sich noch im Wachstum befinden.
Werden Jugendliche zu leichtfertig an Alkohol herangeführt?
Ja, meint unter anderem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Er plädiert dafür, das begleitete Trinken ab 14 Jahren zu verbieten. Auch das Land Niedersachsen setzt sich dafür ein. Nach jetziger Rechtslage dürfen Jugendliche ab 14 im Beisein ihrer Eltern Bier und Wein trinken. Bockelmann sieht das ebenfalls kritisch: „Signale, dass Alkohol unschädlich ist, sind falsch. Je jünger, umso kritischer muss man sein.“ Er erinnert sich aus seiner Jugend daran, dass man als Konfirmand zum ersten Mal ein Glas Sekt trinken durfte. Dies zeige, wie sehr die Risiken unterschätzt würden. „Übermäßiger Alkoholkonsum ist ein riesengroßes gesundheitliches Problem.“ Das dürfe man nicht bagatellisieren.
Was tun, wenn Menschen in meinem Umfeld zu viel trinken?
„Das Wichtigste ist, dass wir alle immer im Gespräch bleiben über das, was ist“, sagt Bockelmann. Wer auf dem Weinfest jemanden sehe, der zu viel getrunken habe, solle sich nicht über denjenigen erheben, sondern ihm helfen. Diesen Ratschlag gebe er auch seinen Kindern, wenn die auf eine Party gingen, sagt Bockelmann.