Kolumne „Klare Kante“ Widerstand gegen die Tyrannei
Am 20. Juli gedenkt Deutschland des Widerstands gegen das Nazi-Regime. Lange war das Thema in Deutschland kleingehalten worden – nun findet es mehr Anerkennung, meint unser Kolumnist.
Zusammen mit den Frauen und Männern der Paulskirche, die 1848 eine neue Verfassung schufen und einen demokratischen deutschen Einheitsstaat ins Leben rufen wollten, den niedergewalzten Aufständischen in der DDR-Diktatur vom 17. Juni 1953 und der friedlichen Revolution zur Überwindung der deutschen Teilung haben sie die deutsche Freiheitsgeschichte mitgeprägt. Am Sonnabend gedenken wir am 80. Jahrestag des Widerstands gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft des gescheiterten Versuchs deutscher Militärs, den Tyrannen Adolf Hitler zu töten.
Mit dem 20. Juli 1944 verbindet sich die Geschichte von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der im Führerquartier in Ostpreußen eine Bombe detonieren ließ. Hitler überlebte, die Umsturzpläne gegen das Terrorregime waren gescheitert, die Operation „Walküre“ misslungen. Stauffenberg wurde noch in der Nacht hingerichtet.
Zur Person
Dieter Weirich (79), Publizist und Buchautor, ist ein Grenzgänger zwischen Medien und Politik. Der gebürtige Schwabe war hessischer Landtags- und Bundestagsabgeordneter der CDU und Intendant der Deutschen Welle. Heute lebt er in Berlin.
Die Deutschen haben durch ihre Erinnerungskultur bei der Aufarbeitung der nationalsozialsozialistischen Schreckensherrschaft weltweit Anerkennung gefunden, die lange negative Bewertung des Widerstands gegen Hitler bei uns selbst sollte uns aber mit Scham erfüllen. Noch Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hatten nur ein Drittel der Deutschen eine gute Meinung von den Verschwörern. In einer noch vom NS-Regime geprägten Gesellschaft haftete der Tat noch das Odium des Verrats an. Noch 1969 konnte sich die Bundesregierung nicht durchringen, eine Beflaggung zum 20. Juli anzuordnen, geschweige denn diesen Tag zum Feiertag zu erklären.
Die moralische Bedeutung des versuchten Tyrannenmords rückte durch den Holocaust ins Blickfeld. Einige Verschwörer hatten von der grauenvollen Judenvernichtung erfahren und wollten auch deshalb dem Terror ein Ende setzen.
Heute wirkt Stauffenberg für die Bundeswehr identitätsstiftend. Er hat das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform, der Befehle auf Rechtmäßigkeit hinterfragt, geprägt. „Innere Führung“ heißt das.
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