Leere Lokale in Fußgängerzone Gibt es zu viel Leerstand in Leer?
Zu vermieten: Das liest man derzeit in der Fußgängerzone von Leer häufiger. Geht es der Innenstadt nicht gut? Wir haben Experten gefragt.
Leer - Montagmittag in der Leeraner Innenstadt: Die Sonne scheint, es ist warm, kein Regen in Sicht. Zahlreiche Touristinnen und Touristen bummeln durch die Fußgängerzone. Viele von ihnen ausgestattet mit Tüten. Der Einzelhandel macht an diesem Montag vermutlich kein allzu schlechtes Geschäft.
Doch neben den ganzen geöffneten Läden sind immer wieder leere Schaufenster. Besonders auffällig ist es in der Mühlenstraße zwischen Ledastraße und Kupenwarf. Hinter einer großen Fensterfront herrscht gähnende Leere. Bis vor Kurzem war dort das Bekleidungsgeschäft Colloseum geöffnet. Der Schriftzug ist auch noch immer zu sehen. Doch nun ist der Laden geschlossen. Schräg gegenüber hängt in der ehemaligen Stadtapotheke ebenfalls ein Schild „Laden zu vermieten“. Auch dort ist nichts los. Nur ein paar Gehminuten weiter liegen sich seit Monaten die leerstehende Läden, in denen ehemals Family und das K+K-Schuhcenter waren, gegenüber. Während in der oberen Mühlenstraße rund um das Modegeschäft Leffers noch recht belebt ist, werden die Leerstände nach dem Denkmalsplatz mehr.
Zurückhaltung ja, Drama nein
Andreas Fricke, Vorstand der Leeraner Werbegemeinschaft, sieht die Lage nicht so dramatisch, schön reden, wolle er es aber auch nicht. „Es ist doch eigentlich egal, durch welche Fußgängerzone man im Moment geht, da sieht man überall Leerstand. Leer steht dagegen eigentlich noch ganz gut da“, sagt er. Eine Analyse der Werbegemeinschaft im vergangenen Jahr habe ergeben, dass sieben Prozent der Geschäfte leer stünden. „Im Durchschnitt sind es bundesweit in den meisten Städten zwischen 12 und 17 Prozent. Dass es in Leer dramatisch ist, ist also eher eine gefühlte Wahrheit“, sagt er. Doch der Leffers-Geschäftsführer räumt auch klar ein: „Die Kaufzurückhaltung der Kunden spüren wir auch. Da ist es egal, ob man Kleidung, Fahrräder oder Kuchen verkauft. Es sind schwierige Zeiten für den Einzelhandel.“
Dass es so viel Leerstand gebe, liege allerdings nicht nur an der schwierigen Lage. Viele Geschäfte seien in Gebäuden, die renoviert werden müssten. „Doch die Auflagen für Hausbesitzer gerade im Bereich Brandschutz und Denkmalschutz sind sehr hoch. Das verzögert eine Sanierung“, sagt Fricke. Und mit der Verzögerung der Sanierung eben auch die Vermietung der Ladenlokale im Erdgeschoss. Auch müssten Vermieter überlegen, ob die Pachten, die sie für die Lokale verlangten, noch zeitgemäß seien. Da gebe es auch Anpassungsbedarf.
Nichtsdestotrotz müssten auch die Einzelhändler dafür sorgen, dass die Innenstadt attraktiv bleibt. „Wir versuchen das mit verschiedenen Aktionstagen“, sagt Fricke. So sei Anfang Juli der Töpfermarkt ein gutes Beispiel für eine gelungene Aktion gewesen. „Die Innenstadt war beim verkaufsoffenen Sonntag voll – obwohl es zahlreiche Konkurrenzveranstaltungen gab“, sagt Fricke. Solche Strategien arbeite man in Arbeitskreisen auch zusammen mit der Stadt aus.
Gespräche und Entwicklungen in Arbeit
Das bestätigt auch Edgar Behrendt, Sprecher der Stadt Leer. „Der Bürgermeister selbst steht alle vier Wochen im regelmäßigen Austausch mit der Werbegemeinschaft und den Altstadtfreunden. Man tauscht sich intensiv und offen über die Veränderungen in der Stadt aus und entwickelt Strategien, wie die Attraktivität gesteigert werden kann. Diese Zusammenarbeit funktioniert hervorragend“, teilt er mit. Den derzeitigen Leerstand sieht man bei der Stadt gelassen. „Man kann derzeit durchaus den Eindruck gewinnen, dass es ungewöhnlich viele Leerstände in der Innen- und Altstadt gibt. Im überwiegenden Teil der Fälle ist das allerdings dem laufenden Wandel geschuldet. Es handelt sich vor allem um vorübergehende Leerstände“, so Behrendt weiter.
Das liegt offenbar auch daran, dass man bei der Stadt schon mehr über Innenstadtentwicklung weiß: „Aus Gesprächen mit Unternehmen und Investoren, die neue Geschäftspläne für Leer haben, wissen wir, dass einige interessante und belebende Veränderungen bevorstehen – zu denen wir als Stadtverwaltung zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nichts sagen können. Im Hintergrund ist vieles in Bewegung. Auch daran ist zu erkennen, dass Leer mit seiner Innen- und Altstadt weiterhin ein sehr attraktiver Standort ist“, so Behrendt.
Weiter habe die Stadtverwaltung mit der Anschaffung von mobilen Möbeln am Hafen aus dem Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ für eine Attraktivitätserhöhung gesorgt. Auch die Einführung des beruhigten Geschäftsbereich in der Brunnenstraße soll die Innenstadt, in diesem Fall die Altstadt, für den Einkaufsbummel beliebter machen.