Hamburg Joe Biden und die US-Wahl: Gute Nacht und viel Glück
Die Demokraten in den USA haben es versäumt, rechtzeitig einen jüngeren Kandidaten aufzubauen. Dass sie die Wahl mit oder ohne Joe Biden noch einmal gewinnen, scheint immer aussichtsloser. So vertrackt ist die Lage jetzt.
Die USA sind das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Vom Tellerwäscher zum Millionär – und vom Gerichtssaal ins Weiße Haus. Hier kann alles möglich werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Welt noch einmal vier Jahre Donald Trump bevorstehen, wird derzeit von Tag zu Tag größer. Die größte Schuld tragen daran die Demokraten: Sie haben es versäumt, rechtzeitig jüngere Kandidaten für das Präsidentenamt aufzubauen. Sie haben sich auf Joe Biden verlassen – und darauf, dass Donald Trump nicht mehr zurückkommt.
In ihrer Haut möchte man nun nicht stecken, denn was immer sie entscheiden, eigentlich können sie nur verlieren. Gelingt es ihnen, den immer schwächer und verwirrter wirkenden Präsidenten in letzter Sekunde doch noch von der erneuten Kandidatur abzubringen, verlieren sie vermutlich mit einer dann hastig aufgestellten, wenig bekannten Alternative die Wahl. Halten sie an Joe Biden fest, verlieren sie sie mutmaßlich auch. Denn wenig spricht im Moment dafür, dass es dem Präsidenten noch gelingt, die Wähler zu überzeugen. Gegen Biden spricht fast jeder Auftritt in den letzten Wochen. Er verwechselt Selenskyj mit Putin, Kamala Harris mit Trump und gelegentlich sogar sich selbst mit Kamala Harris. Wo soll das alles noch enden?
Längst haben Videos mit seinen peinlichsten Ausrutschern das Internet erobert. Das Lachen aber bleibt einem im Halse stecken, wenn man bedenkt, wie ernst die Lage ist. Dass Joe Biden ab 16 Uhr im Feierabend ist, gönnt man jedem 81-jährigen – so lange er nicht der Präsident der Vereinigten Staaten ist. Gewiss, auch andere US-Präsidenten waren nicht topfit – John F. Kennedy etwa war hinter der strahlenden Fassade ein schwerkranker Mann, der nur mit stärksten Medikamenten in der Lage war, sein Amt auszufüllen. Ähnliches galt für Franklin D. Roosevelt, der aufgrund einer Polio-Erkankung weitgehend auf den Rollstuhl angewiesen war und im Laufe seiner vierten Amtszeit gesundheitlich deutlich abbaute.
Und ja, natürlich kann man einwenden: Ein geschwächter Präsident mit guten Absichten und exzellenten Beratern, die den Job im Hintergrund erledigen ist allemal besser als ein Mann mit Umsturzfantasien, der demokratische Wahlergebnisse nicht anerkennt. Vermitteln lässt sich das im Wahlkampf allerdings kaum. Denn gewählt wird, wer vorne steht – und so lange das bei den Demokraten Joe Biden ist, kann man nur mit George Clooney sagen: Good night, and good luck – gute Nacht und viel Glück.