In Kinderbuch festgehalten Eine Westfälin wagt den Neustart in Ostfriesland
Sabrina Bartsch hat ihren Traum verwirklicht und ist mit Hündin Emma an die Küste gezogen. Nicht jeder Neuanfang ist einfach: Ihre Erfahrungen hat die Künstlerin in einem Kinderbuch festgehalten.
Wirdum/Pilsum - „Plötzlich überkommt Emma eine innere Vorfreude und all ihre Zweifel sind erst einmal verschwunden.“ So beschreibt Sabrina Bartsch in ihrem Kinderbuch den Moment, als ihre Hündin realisiert, dass sie ihre alte westfälische Heimat gegen Deiche, Schafe und die Meeresbrise eintauscht.
Das Buch „Emmas Abenteuer in Ostfriesland“ erzählt die Geschichte von Hundedame Emma, die ihre Heimat Paderborn hinter sich lässt, um in Ostfriesland einen Neuanfang zu wagen. Und genau diesen Schritt hat Autorin und Illustratorin Sabrina Bartsch auch gewagt. Mit ihrer Sheltie-Hündin, der Titelheldin Emma, immer an ihrer Seite. Uns erzählt sie von dem Neustart und warum Ostfriesland die Hommage in Form ihres Buches so sehr verdient.
Ebbe und Flut statt Binnenmeer
Die gelernte Bankkauffrau hatte im Jahr 2018 ein Haus in Wirdum gekauft. Damals war noch gar nicht geplant, dass sie mal gemeinsam mit Emma in Ostfriesland wohnt. „Anfangs war es nur als Ferienhaus gedacht, mit dem Ziel, meine freie Zeit mit Emma an der Nordsee zu genießen“, sagt Bartsch, die auch als Künstlerin arbeitet. Doch aus der Ferienliebe zu Ostfriesland wurde schnell mehr.
„Ich bin ein Meereskind“, sagt sie. Dabei war es vor allem Deutschlands andere Küste, die Bartsch anfangs verzaubert hatte. „Eigentlich war ich immer Ostseefan, weil das Wasser dort immer da ist und so eine tolle Farbe hat.“ Hätte sie diesen Umzug vor zehn Jahren gewagt, dann würde sie heute wahrscheinlich an der Ostsee wohnen, erzählt die Autorin. „Aber dann hat mich doch die Nordsee verzaubert, das Raue, der Wind, die Inseln.“
Ostfriesland „schätzenswert und schützenswert“
Mit ihrem Buch, in dem mit dem Pilsumer Leuchtturm auch Ostfrieslands wohl bekanntestes Wahrzeichen vorkommt, zeigt Bartsch ihre Wertschätzung für Ostfriesland mit all seinen regionalen Besonderheiten. „Die Region ist so schätzenswert und auch schützenswert“, so Bartsch.
Deswegen strebt es die Autorin auch an, im Rahmen des Buchprojektes mit vielen regionalen Partnern zusammenzuarbeiten, zum Beispiel der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel. „Die Zusammenarbeit untereinander ist so wichtig, um Ostfriesland als Region zu stärken“, sagt Bartsch. „Da sollten wir wirklich alle unsere Energie bündeln.“
Auch Emma hat sich eingelebt
Die Entscheidung für die Nordsee und Ostfriesland hat Bartsch nie bereut. Sie fühlt sich heimisch hier, hat ein großes Netzwerk an Freunden. Das habe sie auch ihrer Hündin zu verdanken. „Viele Menschen habe ich tatsächlich über das Gassi gehen mit Emma kennengelernt“, so Bartsch. „Sie ist ja auch einfach so süß, da bleiben Leute schon mal stehen.“
Auch Emma selbst habe sich schon gut in Ostfriesland eingelebt. Ähnlich wie die Emma im Kinderbuch sei sie anfangs etwas zurückhaltend gewesen, immerhin bedeutete der Umzug auch für die siebenjährige Hündin eine große Veränderung. „Aber jetzt fühlt sie sich total wohl hier. Wir gehen gerne zusammen in Greetsiel oder Norddeich spazieren, oder auch mal am Emder Hafen“, sagt Bartsch.
Brücke zwischen Gästen und Einheimischen
Ungewünscht als Zugezogene aus Nordrhein-Westfalen hat sich Bartsch hier nie gefühlt. Und dem Vorurteil, dass Ostfriesen durchaus kühl und stur sein sollen, kann die Paderbornerin nicht zustimmen. Man müsse den Menschen eben auch mal zuhören, findet sie. „Man kann nicht als Gast oder Zugezogener ankommen und sagen ‚Hallo, so und so machen wir das‘“, so Bartsch. „Ich habe realisiert, dass Ostfriesland eine andere Melodie hat als Paderborn, einen anderen Takt.“
Auch das sei ein Grund für sie gewesen, ein Buch über den Umzug zu schreiben. In ihrer Rolle als Zugezogene, die nun schon mehrere Jahre lang Ostfriesland ihre Heimat nennt, sieht Bartsch eine Chance, eine Verbindung zwischen Einheimischen und Gästen herzustellen. Sie habe sich bewusst dazu entschieden, ein Kinderbuch zu schreiben. Ganz ohne schwere politische Kost oder unverständliche Konzepte. „Mit dem Kinderbuch kann ich vielleicht alle abholen, egal ob Alt oder Jung, alt eingesessen oder Tourist“, sagt sie.
Die Realität kann so schön sein
Ein paar Werte möchte sie mit ihrem Buch trotzdem vermitteln, „aber hoffentlich ohne wie ein Oberlehrer zu wirken“, sagt sie. Ein großes Thema in dem Buch ist Emmas Unsicherheit gegenüber der neuen Situation in Ostfriesland, mit neuer Umgebung und mit neuen Kontakten. „So eine Situation kann schwierig sein und Kinder erleben oft ähnliche Ängste, zum Beispiel beim Schulstart“, so Bartsch.
Diese Angst möchte sie Lesern mit ihrem Buch nehmen. Darum hat sie die Figuren und Begebenheiten in der Geschichte so realitätsnah wie möglich gestaltet. „Die Kinder sollen sehen, dass sie nicht in eine fiktive Fantasiewelt oder einen Schutzraum flüchten müssen, um mit ihren Ängsten umzugehen“, erklärt sie. Stattdessen wünsche sie sich, dass Kinder aus der Geschichte mitnehmen, dass die Realität auch ganz schön sein kann.
Kinder sollen ihre Fantasie beibehalten
Und obwohl ihr Buch hauptsächlich an jüngere Kinder gerichtet ist, ist es kein reines Bilderbuch. Das war eine bewusste Entscheidung für Bartsch, die das Buch mit ihren Aquarellen selbst illustriert hat. „Ich hätte natürlich jeden Schritt von Emma abbilden können, aber ich möchte lieber, dass die Kinder auch noch ein paar Bilder selbst in ihren Köpfen entstehen lassen können.“
Den Kindern werden viele solcher fantasievollen Gedanken abgenommen, zum Beispiel durch Bilderbücher oder Filme, befürchtet die Autorin. Darin würden Tatsachen präsentiert und das Kind müsse kaum noch eigene Denkleistungen aufbringen, um die Zusammenhänge zu verstehen. „Ich würde Kindern gern die Chance geben, selbst diese Brücken zu bauen“, sagt Bartsch. Dazu hätten sie vielleicht schon bald wieder eine Möglichkeit, denn eine zweite Geschichte mit Emma ist bereits geplant. Mit Schauplatz Ostfriesland, natürlich. Denn: „Jetzt schlagen zwei Herzen in meiner Brust, eins für Paderborn und eins für Ostfriesland“, so Bartsch.