Ganderkesee  Bubatz legal: Ganderkeseer Cannabis-Club erhält erste Anbau-Erlaubnis in Niedersachsen

Niklas Golitschek
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Von Niklas Golitschek
| 09.07.2024 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Cannabis Social Club (CSC) Ganderkesee hat als erster Verein in Niedersachsen den Erlaubnis-Bescheid für eine Anbau-Vereinigung erhalten. v.l.: Dr. Bernd von Garmissen (Präsident Landwirtschaftskammer), Daniel Keune (1. Vorsitzender CSC Ganderkesee), Malte Ernst (2. Vorsitzender), Cord Schütte (stv. BM Ganderkesee), Gerhard Schwetje (Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Miriam Staudte (Nds. Landwirtschaftsministerin), Birgit Blum (Leiterin Prüfdienste, LWK Nds.) Foto: Niklas Golitschek
Der Cannabis Social Club (CSC) Ganderkesee hat als erster Verein in Niedersachsen den Erlaubnis-Bescheid für eine Anbau-Vereinigung erhalten. v.l.: Dr. Bernd von Garmissen (Präsident Landwirtschaftskammer), Daniel Keune (1. Vorsitzender CSC Ganderkesee), Malte Ernst (2. Vorsitzender), Cord Schütte (stv. BM Ganderkesee), Gerhard Schwetje (Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Miriam Staudte (Nds. Landwirtschaftsministerin), Birgit Blum (Leiterin Prüfdienste, LWK Nds.) Foto: Niklas Golitschek
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Bald kommt legales Cannabis aus dem Landkreis Oldenburg: Der Cannabis Social Club aus Ganderkesee hat am Montag als erste Organisation in Niedersachsen den Anbau-Erlaubnis-Bescheid der Landwirtschaftskammer erhalten.

Kaum hat der Cannabis Social Club (CSC) in Ganderkesee seinen Antrag für eine Anbauvereinigung gestellt, da hält der Vereinsvorsitzende Daniel Keune auch schon den Erlaubnis-Bescheid in der Hand. Als erste Organisation im Land Niedersachsen erfüllen die Ganderkeseer die Auflagen. Das Dokument brachte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte deshalb am Montagabend persönlich an die Adelheider Straße, wo der CSC künftig seine Abgabestelle betreiben wird.

Beide Seiten sprachen in diesem Zuge von einem „historischen Moment“. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass das so schnell und erfolgreich bearbeitet wird“, staunte der CSC-Vorsitzende, Daniel Keune, überwältigt. Der Verein hat sich erst im Mai gegründet und am 1. Juli gleich die Möglichkeit genutzt, den Antrag für die Betriebs-Erlaubnis zu stellen. Eine Woche später hat die Landwirtschaftskammer als Genehmigungs- und Kontrollinstanz grünes Licht gegeben.

Als erste Cannabis-Anbauvereinigung in Niedersachsen darf der CSC Ganderkesee damit die beantragten 74 Kilogramm Cannabis pro Jahr anbauen. „Wir wollen jetzt mit der Produktion anfangen“, sagte Keune. Mit der ersten Ernte sei ungefähr im Oktober zu rechnen. Den Standort wollen die Verantwortlichen aus Sicherheitsgründen nicht nennen, er liege in der Region. „Wir haben die Kompetenz und einen grünen Daumen“, versicherte er. An seine Mitglieder darf der Verein dann bis zu 50 Gramm pro Monat ausgeben. Der 41-Jährige rechne damit, dass demnächst die Marke von 100 Vereinsmitgliedern geknackt wird und betonte:

Die Interessenten kämen aus dem Einzugsgebiet Bremen, Oldenburg, Delmenhorst. Der Verein nimmt nach eigenen Angaben keine Anmelde- oder Jahresbeiträge, nach der gesetzlichen Mindest-Mitgliedschaftsdauer von drei Monaten betrage die Kündigungsfrist eine Woche.

Bereits jetzt entstehe rund um den Cannabis Social Club Ganderkesee eine Gemeinschaft. Über Online-Kanäle, die auch für Nicht-Mitglieder offen sind, tauschten sich Interessierte über die Kultivierung zu Hause (Homegrowing) aus. „Wir dürfen auch Stecklinge abgeben“, sagte Keune mit Blick auf den Erlaubnis-Bescheid. Der Verein wolle diese Sparte ebenfalls bedienen; ebenso wie die Beratung und Präventionsarbeit.

Für den professionellen Anbau setzen die Verantwortlichen indes auf die Unterstützung durch die Landwirtschaftskammer. Präsident Gerhard Schwetje verwies auf die zurückliegenden Erfolge in der Landwirtschaft. „Beratung ist unser Kernbereich“, sagte er. Die LWK könne etwa zu Tipps zu Nützlingspflanzen beisteuern. Genauso kompetent wolle sie ihrer Kontrollfunktion künftig nachkommen. „Es ist ein Vertrauensbeweis, dass wir den Auftrag bekommen“, bedankte er sich bei Landwirtschaftsministerin Staudte. Die schnelle Bearbeitung des Antrages aus Ganderkesee zeige, dass Verwaltung funktionieren könne. Der Dreiklang aus Vereinen, Politik und LWK verspreche eine gute Entwicklung in diesem Bereich.

Diesen Optimismus teilte Staudte. Alle Beteiligten profitierten von der Anbau-Legalisierung, nachdem bereits seit April der Konsum erlaubt ist. „Das bringt mehr Transparenz und Verbrauchersicherheit durch einen kontrollierten Anbau“, sagte sie; nur so gelinge auch der Jugendschutz. Sowohl der CSC Ganderkesee als auch die Landwirtschaftskammer hätten den Startschuss in Niedersachsen „wunderbar vorbereitet“. Von Beginn an hätten alle Akteure an einem Strang gezogen.

Besonders freute sie, dass eine Anbauvereinigung im ländlichen Raum die erste Anbau-Erlaubnis erhielt. Erst jüngst hoben Parlament und Bundesrat den Grenzwert im Straßenverkehr auf 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blut, was einem Alkohol-Promillewert von 0,2 entsprechen soll. Ausgenommen sind Fahranfänger in der Probezeit und Menschen unter 21 Jahren. Mischkonsum mit Alkohol ist dabei komplett verboten. Eine interdisziplinäre Expertengruppe hatte diesen Grenzwert empfohlen. „Das ist ein richtiger Schritt“, sagte die Ministerin über die Änderung mit Blick auf die Bevölkerung im ländlichen Raum, die Cannabis konsumieren möchte und auf das Auto angewiesen ist.

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