Vandalismus im Emder Stadtwald Mit der Axt Rinde von Bäumen gekratzt und Bänke herausgerissen
Wieder haben Unbekannte im Emder Stadtwald gewütet. Dieses Mal hält sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen. Doch der Ärger ist nicht nur bei einem Spaziergänger und seiner kleinen Tochter groß.
Emden - Die Hinterlassenschaften von Fastfood-Menüs im Stadtwald von Emden überraschen gemeinhin niemanden mehr. Doch was Matthias Burmeister bei einem Spaziergang mit seiner kleinen Tochter Anfang Juli entdeckte, ärgerte ihn schon über die Maßen: Wieder wurden Bäume massiv beschädigt und Bänke gewaltsam aus Verankerungen herausgerissen.
„Hätte ich die Leute dabei erwischt, hätte ich aber eine entsprechende Ansprache gemacht“, versichert Burmeister. Weil die Täter oder Täterinnen aber längst verschwunden waren, machte Burmeister seinem Ärger über eine Emden-Gruppe in den sozialen Medien Luft. Und eben auch gegenüber dieser Zeitung. „Als Jugendliche haben wir auch schon mal Mist gebaut. Aber doch nicht sowas!“
Nur Frösche schützen wollen
Dem gelernten Möbeltischler gehen vor allem die Baumschändungen gegen den Strich. Er weiß um den Wert eines Baumes als sehr langsam nachwachsenden Rohstoff für seine Arbeit. Er weiß den 72 Hektar großen Stadtwald an sich aber auch als Naherholungsquelle für die ganze Familie zu schätzen.
Auf dem Weg zu dem neuen Spielplatz wollte seine Tochter die vielen kleinen Frösche einsammeln, die aktuell dort unterwegs sind, damit sie nicht von Radfahrern überfahren werden. An dem Seitenweg zum Teich, wohin die Frösche in Sicherheit gebracht werden sollten, dann der Fund.
Rinde mit dem Beil abgelöst
Offensichtlich haben die Täter und/oder Täterinnen ein Beil, zumindest aber scharfe Gegenstände genutzt, um die Rinden junger Baumstämme und dickeres Strauchwerk zu zerstören. Stadtsprecher Eduard Dinkela und zugleich Diplom-Forstwirt schätzt den Schaden wie folgt ein: „Bei dem betroffenen Strauchwerk, bestehend teilweise aus so genanntem Stockausschlag mit mehreren kleinen Stämmen, wird der betroffene Stamm eingehen, dessen Rinde vollständig und ringsherum abgelöst wurde. Der Rest wird sich in der Regel wieder erholen, das heißt, der Baum/Strauch schottet seine Wunden während des Heilungsprozesses nicht nur innerlich ab, äußerlich überwallt er sie. Dazu bildet er neues Wundgewebe, sogenannten Kallus. Dieser lagert sich an dem Totholz um die Wunde herum ab und verschließt sie.“
Der rein wirtschaftliche Schaden halte sich dieses Mal „noch in Grenzen“, so Dinkela. Die Polizei sei dennoch „sensibilisiert“ worden. „Wie überall im öffentlichen Raum lässt sich Vandalismus leider nicht gänzlich verhindern“, so der Sprecher der Stadt. „Die Besucher*innen des Stadtwaldes bitten wir, ebenfalls die Augen und Ohren offen zu halten und uns gegebenenfalls direkt anzusprechen.“
Letztes Mal 100.000 Euro Schaden
Generell würden die Aufräumarbeiten - wie Müllsammeln und Reparieren der Bänke - mit der Unterstützung des Ökowerkes umgesetzt. Bänke werden, nicht nur bei Fällen von Vandalismus, durch das Ökowerk ersetzt oder repariert. Grundsätzlich erfolge die Bezahlung hierfür aus dem städtischen Haushalt. Die Kosten könnten erst nach einer Endabrechnung benannt werden. Aber ob sie je einem Verursacher oder einer Verursacherin in Rechnung gestellt werden?
Noch im März vergangenen Jahres war durch blinde Zerstörungswut ein immenser Schaden im Stadtwald entstanden. Insgesamt wurden 17 Bäume abgesägt, fünf Wegweiser und Tierskulpturen und eine kleine Brücke zerstört. Die Schadenssumme war auf fast 100.000 Euro geschätzt worden, der ideelle Wert noch nicht inbegriffen. Das Tatwerkzeug auch hier: ein Beil oder eine Axt.
Polizei kontrolliert sporadisch
Nicht erst seitdem läuft die Polizei dort gelegentlich Streife. Es werde aber keine „dauerhaften Kontrollen im Stadtwald“ geben können, hieß es seinerzeit. Das gehe im Alltagsgeschäft nicht.
Für Burmeister, der auch als freiwilliger Feuerwehrmann im Einsatz ist, „geht es gar nicht“, sich derart zerstörerisch im Wald oder anderswo zu verhalten. „Hätte ich bei unserem Spaziergang eine Tüte dabei gehabt, hätte ich auch den Müll eingesammelt“, sagt er. „Es ist einfach daneben.“