Sommer im Café Ein Mehrgenerationentreff mit Herz
Seit zwölf Jahren ist das Café Klönsnack in Moormerland ein beliebter Treffpunkt. Das Team erzählt, warum die ehrenamtliche Mitarbeit so bereichernd ist und wie es den Alltag meistert.
Warsingsfehn - Elf Uhr vormittags und kaum ein Platz mehr frei. Jenny Buss balanciert drei Teller mit Torte durch das Café, jemand streckt ihr seine Kaffeetasse entgegen – Nachschub, bitte! Ein ganz normaler Morgen im Mehrgenerationentreff Café Klönsnack in Warsingsfehn. Die Frauen am Tresen kommen kaum zum Luftholen. Sie verdienen hier kein Geld, trotzdem machen sie Werbung für die Mitarbeit im Café.
Das Café Klönsnack ist seit zwölf Jahren ein beliebter Anlaufpunkt mitten in Moormerland. Dabei hatten anfangs viele nicht daran geglaubt, dass dieses Experiment gut geht. Aber es läuft, komplett in Selbstverwaltung. Wer hier Frühstück, Kaffee und Kuchen oder Eisbecher serviert, macht das ehrenamtlich. „Es kommt ganz, ganz viel zurück“, beschreibt Traute Mansholt die Mitarbeit im Café.
Viele Kontakte im Klönsnack geknüpft
Viele der Gäste kommen öfter als einmal in der Woche, manche nahezu täglich. „Man kennt sich gut“, sagt Anka Tattjes. Der Gesprächsstoff gehe eigentlich nie aus. „Aber wer neu ist, wird mit offenen Armen empfangen“, sagt Irmela Boueke. Sie und ihr Mann Werner sind noch relativ neu im Café-Team. Sie sind vor zwei Jahren nach Moormerland gezogen und suchten Bekannte an ihrem neuen Lebensort. Im Klönsnack klappte das.
„Wir haben so viele Kontakte hier knüpfen können“, sagt Werner Boueke. Andere vom Team kamen ebenfalls dazu, weil sie Anschluss suchten. An das Café sind viele Gruppen und Arbeitsgemeinschaften angegliedert, sie nutzen die Räume neben der Drogerie Müller als Treffpunkt. An diesem Vormittag wartet das Team auf die Kinder von der Kita Spatzennest: „Sie bekommen heute ein Eis“, sagt Willi Mansholt. Er ist von Anfang an dabei und ist mittlerweile der letzte aus den Gründungstagen.
Hat jemand Lust zum Kuchenbacken?
Jeder ist willkommen: Das gilt für die Gäste des Treffpunktes, aber auch für das Team. Wer Lust hat, dort mitzumachen, kann sich jederzeit im Café melden. Vorkenntnisse seien nicht so wichtig, eher die Freude am Umgang mit anderen Menschen, sagt Andrea Meyer. Allerdings hofft die Gruppe, dass noch Leute dazu stoßen, die morgens Kuchen backen möchten. Denn ob Blechkuchen, Apfelkuchen oder Cappuccino-Torte, es wird alles frisch im Café zubereitet.
Wer tageweise Zeit hat, mitzuhelfen, sei willkommen. Der „Dienstplan“ werde gemeinsam aufgestellt, dabei Wünsche nach bestimmten Wochentagen berücksichtigt. „Jede und jeder arbeitet so viel wie er möchte, nur verlässlich muss es sein“, sagt Anka Tattje. Alle 14 Tage gibt es montags ein Gruppentreffen, bei dem alles besprochen wird, was den Teammitgliedern auf dem Herzen liegt. Das Café ist montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet.
Vertrauen gegen Vertrauen
Die ehrenamtliche Arbeit werde mit einem Weihnachtsgeschenk und mehreren gemeinsamen Aktivitäten belohnt, sagt Willi Mansholt. Und mit der Herzlichkeit der vielen Gäste, sagt Andrea Meyer. Es gebe Streicheleinheiten, fügt Anka Tattje hinzu, manchmal sogar richtige. „Es kommt auch vor, dass gemeckert wird“, sagt sie, „aber man muss sich nicht alles gefallen lassen“. Das seien jedoch Ausnahmen, betont Gisela Lehmann. Oft würden Stammgäste, die alleine leben, ihr Herz ausschütten. „Dann gilt Vertrauen“, sagt Anka Tattje, über solche Dinge müsse man schweigen können.
Neben ehrenamtlichen Helfern kann das Café auch einen Bundesfreiwilligendienst anbieten. Dazu müsse man älter als 25 Jahre sein und 20,5 Stunden pro Woche im Mehrgenerationentreff arbeiten. Die Teilnahme an Seminaren gehört ebenfalls dazu. Kontakt dazu gibt es über das Seniorenbüro der Gemeinde Moormerland (Tel. 04954-942230).
Großes Sommerfest im Juli
Am 21. Juli ist im Café Klönsnack ein Sommerfest geplant. Von 14 bis 18 Uhr gibt es ein Kasperletheater für die Kinder und Auftritte der Sängerin Janina Meyer. Wie immer gibt es heiße und kalte Getränke und Kuchen, aber es wird auch gegrillt.
Das Café ging aus einer Projektgruppe zum demografischen Wandel hervor. Es war eine Idee, wie man alte und junge Menschen zusammenbringen kann. Aus der Idee wurde ein Erfolgsprojekt, das überregional für Aufmerksamkeit sorgte. Zum fünfjährigen Bestehen kam sogar der frühere Vizekanzler und SPD-Vorsitzende Franz Müntefering.