Dortmund  DFB-Elf im Viertelfinale: Deutschland wächst an seinen Aufgaben

Malte Goltsche
|
Von Malte Goltsche
| 30.06.2024 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hat momentan ein glückliches Händchen: Bundestrainer Julia Nagelsmann. Foto: dpa
Hat momentan ein glückliches Händchen: Bundestrainer Julia Nagelsmann. Foto: dpa
Artikel teilen:

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zieht nach einem 2:0-Sieg gegen Dänemark ins EM-Viertelfinale ein, weil sie ihre momentan wohl größte Stärke weiter ausbaut. Der Erfolg in einem hektischen Spiel und die dazugehörige Atmosphäre zeigen: Deutschland ist bereit für mehr.

Souverän, dieses Prädikat würde man dem 2:0-Achtelfinalsieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Dänemark wohl kaum geben. Vielmehr war es ein wildes Spiel, hektisch, von einer Gewitterunterbrechung und mehreren VAR-Einsätzen geprägt. Aber Deutschland behielt am Ende kühlen Kopf, hatte etwas Glück und konnte sich auf die Breite seines Kaders verlassen - ein hohes Gut in einem Turnier.

Viel war zuvor gesprochen und geschrieben worden: Sollte Niclas Füllkrug im Sturm beginnen statt des zuletzt blassen und/oder glücklosen Kai Havertz? Der jedoch hat das Vertrauen von Bundestrainer Julian Nagelsmann erneut bekommen - und endlich gerechtfertigt. Als Torschütze, Tiefenläufer und Tempomacher im Pressing war Havertz gegen Dänemark der beste Deutsche, auch wenn er wohl drei Tore hätte machen können.

In jedem der nun vier Turnierspiele glänzten andere Spieler: Erst Jamal Musiala und Florian Wirtz, dann Ilkay Gündogan oder eben Füllkrug. Jetzt waren es Havertz und die Innenverteidiger Antonio Rüdiger und Nico Schlotterbeck, der für den gesperrten Jonathan Tah ins Team rotierte. Wer es wohl im Viertelfinale sein wird?

Für Nagelsmann ist diese Situation Luxus und Qual zugleich. Der Bundestrainer managt seinen Kader aber so clever - bis auf Robin Koch haben alle Feldspieler inzwischen auf dem Platz gestanden - dass ihm zuzutrauen ist, dass innerhalb des Teams weiterhin keine Unruhe aufkommt, egal für oder gegen wen er sich am Freitag entscheidet. Schließlich hat er bislang seine Karten quasi bestmöglich ausgespielt.

Diese Bandbreite an potenziellen Spielentscheidern im Kader macht Deutschland unberechenbar, für Fans und Gegner. Es ist vielleicht die größte Qualität, die Team und Trainer in den nun zwei Turnierwochen entwickelt haben. Das bedeutet aber nicht, dass es nichts zu verbessern gibt: Die Chancenauswertung und so manche Abstimmung in der Abwehrkette passt noch nicht, selbst wenn die Fehler mit höchstem individuellem Einsatz ausgemerzt werden. 

Das dürfte dem Tüftler Nagelsmann vielleicht sogar gefallen, denn es gibt keinen Grund, in Selbstzufriedenheit zu verfallen. Wo es Raum zur Verbesserung gibt, muss der Fokus hoch bleiben und weiter gearbeitet werden, damit es eben besser wird. Ob sich diese Mannschaft noch weiter steigern kann, wird das Viertelfinale - voraussichtlich gegen Spanien - zeigen. Die Prüfung könnte kaum schwerer sein. Aber es scheint, als wachse die deutsche Mannschaft mit ihren Aufgaben.

Ein Satz, der übrigens auch für das Publikum gilt, das in Dortmund eine Stimmung machte, wie bei keinem deutschen Spiel zuvor. Das Land und seine Mannschaft sind bereit für mehr.

Ähnliche Artikel