Deutschland  Kokain im Abwasser: So viel wird in deutschen Städten gekokst

Arlena Schuenemann
|
Von Arlena Schuenemann
| 26.06.2024 16:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rückstände von Kokain lassen sich im Abwasser nachweisen. So können Rückschlüsse auf den Drogenkonsum in Städten geschlossen werden. Foto: IMAGO/blickwinkel
Rückstände von Kokain lassen sich im Abwasser nachweisen. So können Rückschlüsse auf den Drogenkonsum in Städten geschlossen werden. Foto: IMAGO/blickwinkel
Artikel teilen:

Kokain zählt zu den illegalen Rauschgiften – und wird dennoch regelmäßig geschmuggelt und konsumiert. Das lässt sich unter anderem im Abwasser nachweisen. Eine europaweite Studie zeigt, in welchen Städten besonders viele Koks-Rückstände gefunden wurden.

Ob eine Person Drogen konsumiert hat, kann nicht nur im Blut, sondern auch im Urin nachgewiesen werden. Und dieser landet beim Toilettengang zwangsweise in der Kanalisation. Jedes Jahr analysiert die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) daher das Abwasser in mehreren europäischen Städten, um Rückschlüsse auf den Drogenkonsum zu erlangen.

So lässt sich unter anderem feststellen, wie sich der Gebrauch von Kokain, Cannabis, Amphetaminen und MDMA (auch bekannt als Ectasy) entwickelt. Kokain etwa wird anhand von Rückständen des Kokain-Abbauproduktes Benzoylecgonine im Abwasser nachgewiesen.

Im Jahr 2023 ist das Abwasser von insgesamt acht deutschen Kommunen analysiert worden. Die ermittelten Rückstände geben einen Durchschnittswert pro Tag im Milligramm an. Es handelt sich dabei um keine absoluten Werte, sondern die Menge umgerechnet auf 1000 Personen. So lassen sich die Kommunen unabhängig von ihrer Einwohnerzahl besser vergleichen.

Von allen untersuchten Städten landet Dortmund mit deutlichem Abstand auf dem ersten Platz. Dort wurden 547,7 Milligramm Kokain-Rückstände nachgewiesen. Auf dem zweiten Platz folgt München mit 301,5 Milligramm. Auf den geringsten Wert kommt die Stadt Chemnitz in Sachsen mit 57,8 Milligramm. Das gesamte Ranking lautet wie folgt:

Dass manche Großstädte wie etwa Frankfurt am Main oder Hamburg gar nicht im Ranking auftauchen, bedeutet aber nicht, dass dort gar nicht gekokst wird. Vielmehr ist das Abwasser dort überhaupt nicht untersucht worden. Im Vorjahr waren zusätzlich zu den acht oben genannten Städten auch Untersuchungen in Berlin (541,3 mg) und Dülmen (128,6 mg) durchgeführt worden. Für 2023 gibt es dort jedoch keine Daten.

Im vergangenen Jahr hat die Abwasser-Studie vor allem in der westfälischen Kleinstadt Dülmen für Aufregung gesorgt. In den sozialen Medien hatten die Analyseergebnisse nämlich als ein angebliches Ranking der zehn größten „Koks-Hochburgen“ in Deutschland die Runde gemacht. Dass ausgerechnet Dülmen dort im Mittelfeld auftauchte, sorgte für Irritationen. Dabei war die Kleinstadt lediglich eine der zehn untersuchten Kommunen gewesen.

Ein Blick auf die deutschen Nachbarländer verrät übrigens, dass die Koks-Rückstände im Abwasser hierzulande vergleichsweise gering sind. Vor allem in den Niederlanden stechen einige der untersuchten Städte deutlich heraus. In Amsterdam etwa beträgt der tägliche Durchschnittswert pro 1000 Einwohnern 1210 Milligramm – mehr als doppelt so viel wie in Dortmund.

Auch in Rotterdam (1088,4 mg) und Leeuwarden (1191,5 mg) liegen die Kokain-Rückstände deutlich über der Marke von 1000 Milligramm. Antwerpen in Belgien (1721,6 mg) und Zürich in der Schweiz (1022,6 mg) fallen ebenfalls durch hohe Werte auf.

Ähnliche Artikel