Paris  Strompreis an der Börse spielt verrückt: Kilowattstunde kostet plötzlich knapp drei Euro

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 26.06.2024 07:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Am Mittwoch kommt es an der Strompreisbörse Epex Spot zu extremen Schwankungen. Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
Am Mittwoch kommt es an der Strompreisbörse Epex Spot zu extremen Schwankungen. Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
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Starke Preisverwerfungen an der Strombörse Epex Spot: Eine Kilowattstunde kostet plötzlich fast drei Euro. Wer betroffen ist – und worauf Kunden achten sollten.

Schock beim Blick auf den aktuellen Strompreis: Am Mittwochmorgen kostet die Kilowattstunde für Kunden mit dynamischen Tarifen an der Strompreisbörse Epex Spot plötzlich unvorstellbare 295 Cent, also knapp drei Euro. Wie kommt es dazu? Und wer ist genau betroffen?

Der Anbieter Tibber warnte seine Kunden vor den extrem hohen Strompreisen. Erwartet wurden diese am Mittwoch zwischen 4 und 8 Uhr, sowie am Nachmittag zwischen 18 und 22 Uhr. In dieser Zeit sollte so wenig Strom wie möglich verbraucht werden, schrieb der Anbieter in seiner App. Betroffen von den extremen Preisschwankungen sei der gesamte deutsche Strommarkt.

Grund für die starken Preisverwerfungen sei ein technischer Fehler an der Strompreisbörse, hieß es. Dadurch konnten die Strompreis-Auktionen zwischen den einzelnen Ländern nicht wie üblich harmonisiert werden. Die in Paris ansässige Strombörse bestätigte die Probleme gegenüber dem Fachportal „Montel“.

Die Bundesnetzagentur benannte auf Anfrage unserer Redaktion ebenfalls technische Probleme als Ursache, wodurch es zu einer teilweisen Entkopplung der Strommärkte gekommen sei. Der nationale Stromhandel an der Börse sei von den anderen europäischen Märkten getrennt gewesen.

Ein unvorhergesehenes Ungleichgewicht der Lasten ist daraus nicht entstanden, teilt die Bundesnetzagentur mit. Wer zu den hohen Preisen Kaufangebote abgegeben hat, konnte den Strom auch beziehen. Wer nicht bereit war, die Beträge zu zahlen, habe sich anderweitig eindecken können oder auf den Strombezug verzichten. Ein Blackout sei durch die Schwankungen nicht zu befürchten, hieß es.

Eine Sprecherin von Epex Spot teilte mit, man arbeite „an einer eingehenden Analyse der Marktereignisse, einschließlich einer Orderbuchanalyse. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es Epex Spot daher nicht möglich, weitere Einblicke zu geben.“

Laut Merlin Lauenburg, Deutschlandchef bei Tibber, seien derartige Preisausschläge, wie sie zu beobachten waren, unter normalen Umständen und ohne technische Probleme ausgeschlossen, wie es in einer Mitteilung hieß.

Für die meisten Haushalte und Unternehmen dürfte die Entwicklung des Strompreises an der Börse ohne Folgen bleiben. Verbraucher, die einen regulären Stromtarif nutzen und etwa von den Stadtwerken versorgt werden, waren nicht betroffen. Die meisten Anbieter beziehen den Strom nicht am Spotmarkt, wo die Preise kurzfristig gehandelt werden, sondern kaufen lange im Voraus ein.

Einige Privatkunden und Firmen nutzen jedoch dynamische Tarife, die sich nach dem stündlichen Strompreis am Spotmarkt richten. Für sie gilt Vorsicht – etwa beim Aufladen des E-Autos.

Tibber-Chef Lauenburg versuchte, die Kunden zu beruhigen. Die hohen Preisspitzen beschränkten sich auf einige Stunden, in denen Kunden mit einem stündlich-dynamischen Tarif ohnehin so wenig Strom wie möglich verbrauchten. Großverbraucher könnten über die App des Unternehmens ihren Stromverbrauch so steuern, dass etwa E-Autos geladen werden, wenn der Preis am günstigsten ist.

Kunden mit einem monatlich-dynamischen Tarif, bei denen bei der Abrechnung der durchschnittliche Börsenstrompreis zum Tragen komme, müssten mit einer Erhöhung von zwei Cent pro Kilowattstunde rechnen. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3000 Kilowattstunden bedeute dies eine Mehrbelastung im Monat, die unter fünf Euro liege.

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