Neue Firma in Auricher Gewerbegebiet In Schirum werden Stahlschnecken für die ganze Welt gebaut
In Aurich hat Dr. Ernst Krüger ein neues Büro- und Fabrikationsgebäude für seine Firma German Twinscrews errichten lassen. Die Vier-Millionen-Euro-Investition hat nicht nur technische Gründe.
Aurich - Der ein oder andere wird geblendet sein: Wer in diesen Tagen in die Segelmacherstraße in Aurich abbiegt, steht nach wenigen Sekunden vor einer imposanten Büro- und Fabrikfassade. Direkt auf dem Eckgrundstück im Gewerbegebiet Schirum IV hat sich Dr. Ernst Krüger einen steinernen Lebenstraum erfüllt. Der Inhaber der Firma German Twinscrews (GTS) hat ein Gebäude errichten lassen, das seinen technischen, energetischen und ästhetischen Vorstellungen nach eigenen Angaben perfekt entspricht.
Für den Passanten offenbart sich das bereits an der Fassade der Vorderfront, deren mittlerer Teil aus neun getönten XXL-Glasscheiben besteht. Dahinter liegt das großzügig bemessene Treppenhaus inklusive einer kleinen Kunst-Galerie. Daneben befinden sich auf einer Fläche von 760 Quadratmetern die 25 Büroräume für die derzeit 24 Mitarbeiter des Maschinenbau-Unternehmens, das bisher an der Schmiedestraße in Großefehn ansässig war und jetzt mit dem Umzug nach Aurich noch weiter wachsen will. Das heißt, dass auch mehr Mitarbeiter eingestellt werden sollen.
„Schüco ist einer unserer Kunden“
Die Fassade mit ihren hochklassigen Lüftungs- und Sonnenschutzsystemen stammt von der in Bielefeld beheimateten Firma Schüco, die ihre Produkte in mehr als 80 Ländern vertreibt und mit ihren 6750 Mitarbeitern nach eigenen Angaben im Jahr 2022 einen Jahresumsatz von 2,28 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. „Schüco ist einer unserer Kunden“, sagt Dr. Ernst Krüger bei der Begrüßung beiläufig. Damit weiß der Branchenkenner, in welcher Liga German Twinscrews agiert und welche Anforderungen zu erfüllen sind.
In analogen Zeiten hätte man jetzt von der Eier legenden Wollmilchsau gesprochen. Die Firma Schüco lässt auf ihrer Homepage keinen Zweifel daran, dass sie sich als führendes Unternehmen der Bauindustrie dem Ziel verschrieben hat, mit ihren Produkten einen aktiven Beitrag zur Verwirklichung von Klimaneutralität im Bauwesen zu leisten. Hohe Dichtigkeit, Schall- und Wärme-Dämmwerte, leicht zu bedienende Verriegelungstechnik und umweltschonende Materialien sind ohnehin eine Selbstverständlichkeit. Für Dr. Ernst Krüger und sein Team hat dieses Unternehmensprofil klare Konsequenzen: Sie müssen die Produkte, die sie für Schüco herstellen, gemäß diesen Anforderungen optimieren.
Schnecke ähnelt einem Fleischwolf
Fensterprofile bestehen unter anderem aus PVC und Titandioxid zum UV-Schutz. Der dafür benötigte Kunststoff wird von Schüco selbst mit speziellen Maschinen, sogenannten Extrudern, produziert. Deren Herzstück sind überdimensional große, schraubenähnliche Stangen, sogenannte Schnecken. Sie arbeiten so ähnlich wie ein Fleischwolf bei der Herstellung von Hackfleisch. Das durch einen Trichter eingefüllte Kunststoffgranulat wird gemischt, erhitzt und zum Ende des Zylinders befördert. So erhält das mit hohem Druck vorangepresste Material seine Form. Die Schnecken können je nach Anwendung bis zu zwölf Meter lang sein und mehrere Tonnen wiegen. Diese gewaltigen Dimensionen sind vor allen Dingen für den Einsatz in Betrieben der petrochemischen Industrie erforderlich.
In der Produktionshalle von German Twinscrews liegen einige dieser Schnecken auf stabilen Böcken. Sie sind dort positioniert worden, weil Dr. Ernst Krüger Ende des Monats seine Fabrikations- und Bürohalle mit einer Feier und geladenen Gästen der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Dann ist es sinnvoll, dass jeder sehen kann, was sein Team produziert. Seit seiner Gründung im Jahr 1995 hat sich das Unternehmen auf die Konstruktion, Fertigung und Installation von hochwertigen Ein- und Doppelschnecken aus Chrom-Nickel-Stahl spezialisiert, die an Kunden in mehr als 100 Ländern exportiert werden. Seit rund zehn Jahren gibt es auch Geschäftsbeziehungen zur petrochemischen Industrie, die in Raffinerien chemische Grundstoffe aus Erdgas und Erdöl erzeugt. Dazu zählen Kunststoffe, aber auch Düngemittel und Produkte, die für die Kosmetik- oder Mobilfunktechnikbranche erforderlich sind.
Weil die neue Firma im Auricher Gewerbegebiet expandieren will, müssen neue Kunden akquiriert werden. Dafür hat Dr. Ernst Krüger erst vor Kurzem Burak Erel eingestellt. Der Vertriebsmanager war bisher in Hamburg für ein Unternehmen in der Bauchemie-Branche tätig. Aufgrund seiner Berufserfahrung weiß er, was die künftigen Kunden im Hinblick auf den Firmensitz und dessen Ausstattung erwarten. Es gehe darum, auch nach außen Klasse und Kompetenz zu vermitteln. „Es wird von uns erwartet, dass wir repräsentieren“, sagt Dr. Ernst Krüger. Der ein oder andere Auftraggeber werde die Firma sicher in Aurich besuchen, um sich vor Ort von deren Leistungsumfang zu überzeugen. Außerdem wolle man mittelfristig Schulungen für die Kunden anbieten. Einige Büros seien technisch und von ihrer Größe her dafür ausgelegt. Die vier Millionen Euro, die Dr. Ernst Krüger in den Neubau investiert hat, sieht er deshalb als eine gute Geldanlage an.