Saison für Auricher Brautpaare  Wie ein Faktencheck vor der Hochzeit ein Fiasko verhindert

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 21.06.2024 10:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Ute Wilters leitet das Hochzeitshaus in Aurich seit 15 Jahren. Foto: Ortgies
Ute Wilters leitet das Hochzeitshaus in Aurich seit 15 Jahren. Foto: Ortgies
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Weil eine Hochzeit (meistens) ein singuläres Ereignis ist, sind viele mit der Organisation überfordert. Dabei kann alles gelingen, wenn nur die richtigen Profis am Werk sind.

Aurich - Nicht nur für Hersteller von Bademoden ist derzeit Saison, auch alle Dienstleister der Hochzeitsbranche agieren unter Volllast. In Aurich sind nach Informationen der Stadt im Mai 23 Paare den Bund der Ehe eingegangen, im Januar waren es nur sechs. Wer sich trauen lassen will, wählt dafür in der Regel den Spätfrühling oder den Sommer. Das haben sich auch Lea Rosenboom und Sydney Hoffmann gedacht. Das bekannte Auricher Influencer-Paar hat sich zwar schon vor geraumer Zeit vor dem Standesamt an ihrem früheren Wohnort bei Dortmund das Ja-Wort gegeben, doch die große Feier steigt nach Informationen dieser Zeitung am Sonnabend, 22. Juni. Die beiden sind dem Vernehmen nach heimattreu, was den Hochzeitsort anbelangt. Ganz im Gegensatz zu H.P. Baxxter alias Hans Peter Geerdes, der Anfang Juni auf Sylt in den Hafen der Ehe eingefahren ist. Die Redaktion hat sich gefragt, was alles zu einer gelungenen Hochzeit gehört und welchen Trends die Brautpaare folgen. Das sind die Ergebnisse.

1. Das Brautkleid

Der Kauf eines Brautkleids wird von vielen Frauen wie ein großes Ereignis inszeniert. Der Tag in dem Fachgeschäft für Brautmode wird fast so sorgfältig geplant wie die Hochzeit selbst. Die obligatorische Begleitung von Familienmitgliedern und Freundinnen muss schließlich von langer Hand koordiniert werden. In Ostfriesland gibt es eine Handvoll Fachgeschäfte, die diese Gruppe dann ansteuert. Die Redaktion hat ohne Wertung stellvertretend für alle das Gespräch mit Silvia Redmers gesucht, die seit neun Jahren in Aurich das Geschäft „Tüll und Spitze“ (www.tuell-spitze.de) betreibt, um einen Modetrend zu ergründen. „Schlicht ist derzeit sehr gefragt“, sagt die 60-Jährige, die Quereinsteigerin in ihrem Job ist und früher mit ihrem Mann eine Wäscherei betrieben hat.

Viele entschieden sich deshalb für Brautkleider mit Carmen-Ausschnitt, das heißt, dass die Schultern freiliegen, weil der Stoff für diese Körperpartie quasi auf die Oberarme gerutscht ist. „Dadurch ist die Bewegungsfreiheit der Braut erheblich eingeschränkt“, hat Silvia Redmers festgestellt. Sie rate allen Frauen vom Kauf dieses Kleids ab, wenn eine große Party mit Tanz geplant ist. Der Praktikabilitätsaspekt ist für die Geschäftsfrau sehr wichtig. Ebenso wie die Frage, ob sich eine Braut in ihrem Kleid wohlfühlt. Niemand sollte sich am Hochzeitstag den Kleinmädchen-Traum von einer oft bombastischen textilen Hülle erfüllen: „Das geht meistens schief.“

2. Make-up und Hochsteckfrisur

Das Brautkleid ist top, aber die Haut glänzt fettig und ein Pickel hat sich genau am Kinn ausgebreitet. Wer diesen Eindruck verhindern will, bucht vor der Hochzeit eine Kosmetikerin. Der Besuch beim Friseur ist für viele ohnehin obligatorisch. Wer beides miteinander vereinen will, kann Mendy Ulrich buchen. Die Auricherin nennt sich Professional Hair- und Make-up-Artist. Die 29-Jährige hat ihr Kosmetik- und Visagistinnendiplom an der Kosmetikschule in Düsseldorf abgelegt. „Mir ist es wichtig, die natürliche Schönheit der Braut zu unterstreichen“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Niemand soll sich angemalt fühlen. Um eine hohe Zufriedenheitsgarantie zu haben, gibt es einen Probedurchlauf. Am eigentlichen Tag der Hochzeit kommt Mendy Ulrich dorthin, wo die Braut sie haben will: „Das kann ein Hotel, ein Schloss, eine Burg, aber auch eine Ferienwohnung sein.“ Bei Bedarf kümmere sie sich dort auch um das Aussehen der Trauzeugin oder anderer Gäste, sagt die Auricherin. „Das ist ein richtig schöner Vormittag, es gibt einen Sekt oder vielleicht auch ein Frühstück. Mitunter stößt auch der Fotograf dazu.“

Mendy Ulrich kümmert sich um die Hochsteckfrisur der Braut. Foto: privat
Mendy Ulrich kümmert sich um die Hochsteckfrisur der Braut. Foto: privat

Nach dem Make-up steckt die Profi-Stylistin die langen Haare hoch. Dafür habe sie von der Handwerkskammer Münster eine Ausnahmegenehmigung, weil sie keine Friseurin sei. Sie habe festgestellt, dass die meisten Bräute ihre Haare eigens für dieses Ereignis wachsen ließen. Für viele gehöre eine lange und üppige Haarpracht zu einer Hochzeit einfach dazu.

3. Keine Hochzeit ohne Torte

Die Hochzeitstorte muss imposant und mehrstöckig sein, daran geht kein Weg vorbei. Wer im Netz nach Trends stöbert, stößt auf Kreationen mit abenteuerlichen Namen wie Twisted und Naked Cakes. Naked Cakes sind Kuchen, bei denen auf eine Glasur verzichtet wird. Der Fantasie sind bei der Auswahl keine Grenzen gesetzt. Konditormeisterin Sarah Schweerke hat allerdings beobachtet, dass Ostfriesen keine überkandidelten Vorstellungen haben. Es gebe jedoch einen klaren Trend: „Viele meiner Kunden wollen einen Naked Cake mit ganz vielen frischen Blumen“, sagt die Moordorferin. Diese seien dann wiederum abgestimmt auf die Gesamtdekoration mit dem Brautstrauß und der Tischdekoration.

Die Dekoration von Hochzeitstorten mit Blumen ist derzeit sehr angesagt. Foto: privat
Die Dekoration von Hochzeitstorten mit Blumen ist derzeit sehr angesagt. Foto: privat

Besonders beliebt seien Rosen. Die Gestaltung jeder Torte werde individuell auf die Wünsche des Brautpaares abgestimmt. Deshalb treffe man sich in der Regel immer zu einem Vorgespräch, in dem festgelegt werde, ob es sich um eine Sahne-, Buttercreme- oder um eine vegane Torte handeln soll. Außerdem wird besprochen, ob eine drei- oder zweistöckige Torte angemessen ist. „Das hängt immer von der Zahl der Gäste ab. Wenn rund 80 geladen sind, empfehle ich eine dreistöckige Torte, sind es weniger, reicht auch eine kleinere“, sagt die Betreiberin des Cafés „Moorgold“ in Moordorf. Je aufwendiger die Gestaltung, desto eher kommt die Konditormeisterin ins Schwitzen. Neulich habe sie eine Torte mit drei unterschiedlichen Farbmustern, aufgelegtem Blattgold und frischen Blumen herstellen müssen. Die sei zwar „sehr, sehr schön“ geworden, habe sie aber auch herausgefordert. Wenn ein solches Prachtstück dann heil ausgeliefert worden ist, kann sie befreit aufatmen.

Macarons und Blattgold setzen bei dieser von Sarah Schweerke gestalteten Torte Akzente. Foto: privat
Macarons und Blattgold setzen bei dieser von Sarah Schweerke gestalteten Torte Akzente. Foto: privat

4. Ein Foto für die Ewigkeit

Damit die Erinnerung an eine Hochzeit immer wieder aufgefrischt werden kann, gehören professionelle Fotos vom angeblich schönsten Tag im Leben auf jeden Fall dazu. Doch wie kann ein Brautpaar im Vorfeld ermitteln, wer ihr Glück perfekt in Szene setzt? Wichtigster Punkt ist nach Recherchen der Redaktion, dass es auf beiden Seiten matcht, sprich: das beobachtende Auge und die beiden Akteure emotional und ästhetisch auf einer Wellenlänge sind. Dass ein Fotograf die technische Seite seines Berufs beherrscht, sollte man voraussetzen. Ein Paar ist deshalb gut beraten, wenn es im Vorfeld dessen Homepage besucht und sich fragt, ob die Bildsprache mit den eigenen Anforderungen übereinstimmt.

Ein Hochzeitsfoto ist für viele Brautpaare eine unverzichtbare Erinnerung. Foto: Archiv
Ein Hochzeitsfoto ist für viele Brautpaare eine unverzichtbare Erinnerung. Foto: Archiv

Sehr gefragt sind derzeit Fotos, die das Paar am Meer zeigen. Marianna Glavan aus Aurich ist darauf spezialisiert. Sie gehört zu den wenigen Anbietern, die auf ihrer Homepage Preise nennen. Es gibt verschiedene Hochzeitspakete. Der Einstiegspreis umfasst eine Begleitung von zwei Stunden und kostet 570 Euro samt Vorgespräch. Es gibt aber auch die siebenstündige Begleitung inklusive Fotobuch mit Cover aus Leder oder Leinen für 1410 Euro.

Auf die Bereitstellung von Fotobüchern verzichtet Matthias Lux ganz. Der Fotograf aus Aurich macht sehr unmittelbare und sinnliche Aufnahmen, auf denen Mimik und Gestik der Protagonisten einen hohen Stellenwert haben. „Mein Stil wird von Hochzeitspaaren als natürlich und lebendig bezeichnet. Eben das ist mir selber auch sehr wichtig. Gefühle und die wertvollen zwischenmenschlichen Momente festzuhalten empfinde ich als wertvoll“, sagt Matthias Lux auf Anfrage der Redaktion.

5. Die Location

Je verwegener und abenteuerlicher, desto besser. Das war noch vor einigen Jahren bei der Wahl der Location das Motto. Gegenwärtig setzen viele Paare andere Akzente. In Zeiten allgegenwärtiger Nivellierung erstarkt der Wunsch nach mehr Raum für Individualität. Bei dem Fest, an dem die Verschmelzung von zwei Individuen gefeiert wird, gilt das ganz besonders. Deshalb fällt die Wahl für viele Ostfriesen wie selbstverständlich auf das Hotel Hochzeitshaus in Aurich. Die weiße klassizistische Villa in der Bahnhofstraße verströmt schon von außen das Flair von Noblesse und Klasse. Ein Eindruck, der sich im Inneren fortsetzt. In den Räumen ist nichts von der Stange. Weder der mit Mini-Kacheln besetzte Keramikofen mit seiner als Relief eingelassenen dionysischen Tanzszene noch die gewaltigen Kronleuchter oder die Kassettenwände.

Melissa Gisbrecht sorgt im Hochzeitszimmer für Ordnung. Foto: Ortgies
Melissa Gisbrecht sorgt im Hochzeitszimmer für Ordnung. Foto: Ortgies

So wenig wie das Gebäude Standard ist, ist es das Programm von Inhaberin Ute Wilters und ihrem Küchenchef Peter Lachnicht. „Ich habe keine Bankettmappe, wie sie in vielen Betrieben üblich ist“, sagt sie im Gespräch mit der Redaktion. Darunter versteht man verschiedene Leistungspakete und Angebote für Brautpaare, aus denen sie das wählen können, was ihren Ansprüchen am ehesten zusagt. Stattdessen setzt die 56-Jährige ganz konsequent auf die Erfüllung der individuellen Wünsche ihrer Kunden, wie sie betont. „Es ist der Tag des Brautpaares“, sagt Ute Wilters. Sie achte darauf, dass alles in einen entspannt zu bewältigenden Zeitplan passt.

Das Ambiente im Hochzeitshaus ist eine Augenweide. Foto: Ortgies
Das Ambiente im Hochzeitshaus ist eine Augenweide. Foto: Ortgies

Dabei hat die Hochzeitshaus-Chefin nach eigenem Bekunden auch das Wohl der Gäste im Blick. „Wenn jemand um 5 Uhr aufgestanden ist, um die Fahrt hierhin zur standesamtlichen Trauung um 10 Uhr bewältigen zu können, dann kann ich nicht das erste Mal um 15 Uhr etwas zu essen anbieten“, sagt die Frau, die nach eigenen Angaben im Lauf ihres Lebens zwischen 300 und 400 Hochzeiten unterschiedlichen Typs ausgerichtet hat. Seit 2009 leitet sie das Hochzeitshaus. „Etliche Dinge habe ich im Lauf der Zeit abgegeben“, sagt sie. Die Tischdeko etwa. Weil viele Kunden darauf bestehen, dass die farblich und gestalterisch mit dem Brautstrauß harmoniert, überlässt sie dieses Arrangement der Floristin. Gemeinsam mit ihrem 16-köpfigen Team kümmert sie sich um den kulinarischen und organisatorischen Ablauf des Festes. Die Google-Bewertungen sind ausnahmslos exzellent. Gelobt werden die hochwertigen Speisen, der erstklassige Service und die liebenswerte Betreuung.

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