Genf Wo leben in der EU die meisten Flüchtlinge? Auf diesem Platz landet Deutschland
Weltweit sind 120 Millionen Menschen auf der Flucht – viele gelangen in die EU. Deutschland liegt bei der Aufnahme in der Spitzengruppe. Wo die Flüchtlinge ankommen – und wo sie hinwollen.
Zum Weltflüchtlingstag hat Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) die Unterstützung von Flüchtlingen angemahnt. „Niemand flüchtet freiwillig und die meisten Flüchtlinge wünschen sich nichts mehr, als in ihre Heimat zurückkehren zu können“, erklärte Schulze am Donnerstag. Alle Flüchtlinge verdienten Schutz und die volle Solidarität der Weltgemeinschaft.
Die Entwicklungsministerin verwies auf die Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), die vergangene Woche veröffentlicht worden waren. 120 Menschen Millionen weltweit sind demnach auf der Flucht. Die meisten von ihnen bleiben in ihrem Herkunftsland: 58 Prozent der Geflüchteten waren Ende 2023 Binnenvertriebene.
Aus den UNHCR-Zahlen geht hervor, wo in der EU die meisten Flüchtlinge leben. Demnach sind es auf 1000 Einwohner gerechnet am meisten auf Zypern. Dort kamen laut Deutscher Presse-Agentur in den vergangenen Monaten vor allem syrische Flüchtlinge an – mit oft kaum fahrtauglichen Booten setzten die Menschen vom Libanon aus auf die Insel in der EU über, manche kamen dabei ums Leben.
Auf Platz zwei landet in der Rangfolge Tschechien. An dritter Stelle liegt Deutschland, wo auf 1000 Einwohner 35,5 Flüchtlinge und Asylbewerber kommen. Im Dezember 2020 lag die Zahl noch bei 17,4. Hauptgrund für die Zunahme ist der Krieg in der Ukraine. Osteuropäische Länder wie Polen und Deutschland haben die meisten Menschen, die vor Russlands Angriffen geflohen sind, aufgenommen.
Dahinter reihen sich Österreich und Estland ein. Am wenigsten Flüchtlinge pro 100.000 Einwohner leben den Zahlen zufolge derzeit in Ungarn (6,5), Portugal (6,2), Slowenien (5,5) und Rumänien (4,7).
Eine Grafik des Portals „Statista“ zeigt, wo in der EU die meisten Flüchtlinge leben:
Bei der Anzahl der gestellten Erstanträge auf Asyl belegt Deutschland sogar den Spitzenplatz in der EU, wie aus Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Demnach lag die Zahl im Januar 2024 bei 26.375 Anträgen, das entsprach einem Anteil von 31 Prozent. Erst mit deutlichem Abstand folgten andere Länder wie Spanien (13.705 Anträge), Italien (12.920) und Frankreich (11.620). Anderes Bild in dem für seine restriktive Asylpolitik bekanntem Ungarn: Dort stellten im vergangenen Jahr genau fünf Asylsuchende einen Erstantrag.
Aus einer Statista-Grafik ist ersichtlich, wie sich die Anzahl der Erstanträge auf Asyl in Deutschland und der EU seit Januar 2023 entwickelt hat:
Laut den Angaben machten Syrer die größte Bevölkerungsgruppe unter den Antragsstellern auf Asyl in Deutschland aus. Danach folgten Türkei und Afghanistan.
Hinzu kamen etwa eine Million Ukrainer, die allerdings kein reguläres Asylverfahren durchlaufen müssen und in der Statistik nur in geringer Anzahl auftauchen. Sie müssen wegen besonderer EU-Schutzregelungen in der Regel keinen Asylantrag stellen, ihre Integration in den deutschen Arbeitsmarkt wird angestrebt.
Mit Material von dpa und epd