Prognose zur Bevölkerung  Im Jahr 2045 leben mehr Menschen in Ostfriesland

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 19.06.2024 18:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf dem Denkmalsplatz in Leer haben am vergangenen Freitag viele Menschen den 5:1-Sieg der deutschen Mannschaft gefeiert. Im gesamten Landkreis könnten bald mehr Menschen leben. Archivfoto: Wolters
Auf dem Denkmalsplatz in Leer haben am vergangenen Freitag viele Menschen den 5:1-Sieg der deutschen Mannschaft gefeiert. Im gesamten Landkreis könnten bald mehr Menschen leben. Archivfoto: Wolters
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Mehr Deutsche, Niedersachsen und Ostfriesen: Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat eine Bevölkerungsprognose für das Jahr 2045 abgegeben. So schneidet Ostfriesland im Vergleich ab.

Ostfriesland/Bonn - In den kommenden Jahrzehnten werden mehr Menschen in Ostfriesland leben. Allgemein soll die Bevölkerung in Niedersachsen und der ganzen Bundesrepublik ansteigen. Davon geht das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer aktuellen Berechnung bis zum Jahr 2045 aus, die am Mittwoch in Bonn vorgestellt wurde. Demnach gibt es in Ostfriesland zwischen den Jahren 2021 und 2045 einen Zuwachs von etwa 6.000 Menschen auf dann insgesamt 475.800 Bürgerinnen und Bürger.

Blickt man auf die einzelnen ostfriesischen Kommunen, zeichnet sich ab, dass die Bevölkerungszahl sowohl in den Landkreisen Aurich (minus 2.200 Menschen) und Wittmund (minus 200) als auch in der kreisfreien Stadt Emden (minus 1.100) in gut 20 Jahren geringer sein soll. Einzig der Kreis Leer profitiert mit etwa 9.500 Neubürgern vom für Ostfriesland prognostizierten Bevölkerungszuwachs.

Geburten, Sterbefälle und Zuwanderung

Als Vergleichsjahr auf regionaler Ebene dient dabei das Jahr 2021 - weil für dieses alle notwendigen Daten für die Berechnung vorlagen, so das BBSR. Zuwanderung, die es seitdem gegeben hat, etwa ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, sind bei diesem Vergleich also nicht berücksichtigt. Jedoch flossen in die Prognose für 2045 gleichwohl aktuellere Daten ein. Also auch Daten, die die Jahre 2022 und 2023 abbilden, versichert eine Sprecherin des Instituts dieser Redaktion. Für Niedersachsen und Deutschland liegen aktuellere Vergleichszahlen aus dem Dezember vergangenen Jahres öffentlich vor: In Niedersachsen wächst die Bevölkerung demnach zwischen 2023 und 2045 um etwa 100.000 Menschen (2045: 8.260.800). Im Jahr 2045 kratzt Deutschland insgesamt an der 85,5-Millionen-Einwohner-Marke. Ein Plus im Vergleich zu 2023 von circa 800.0000 Menschen.

Als Erklärung nennt das Institut die erwartete Zuwanderung aus dem Ausland. Ohne sie sähe das Ergebnis der Rechnung ganz anders aus. „Ohne Zuwanderung aus dem Ausland würde die Bevölkerungszahl Deutschlands im Jahr 2045 bereits deutlich niedriger liegen, weil die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten bei weitem übersteigen wird“, erklärte Peter Jakubowski, Leiter der Abteilung Raum- und Stadtentwicklung im BBSR. Das Institut geht unter anderem davon aus, dass langfristig betrachtet - ab dem Jahr 2031 - pro Jahr 300 000 Menschen mehr nach Deutschland kommen als Deutschland verlassen.

„Deutschland altert massiv“

Besonders deutlich zeigt die Berechnung des Bundesinstituts die erwartete Alterung der Gesellschaft. „Deutschland altert massiv“, sagt die wissenschaftliche Projektleiterin Jana Hoymann. Das gilt, wenn auch nicht so stark, auch für Ostfriesland. Der Prognose zufolge geht das Bundesinstitut davon aus, dass die Gruppe der Ostfriesen, die 67 Jahre und älter sind, von 2021 bis 2045 je nach Kommune zwischen 1,6 Prozent (Wittmund) und 5,5 Prozent (Emden) anwächst. Niedersachsenweit liegt der Wert bei 16,5 Prozent, deutschlandweit wächst der Anteil um mehr als 13 Prozent.

Grundsätzlich fußt die Prognose auf Annahmen, die auf Basis demografischer Entwicklungen über einen längeren Zeitraum getroffen wurden. Etwa zu Geburtenzahlen, Sterblichkeit, Zuwanderung und Wanderungen innerhalb Deutschlands. Künftige „Großkrisen“, die Flüchtlingsbewegungen auslösen können, könnten gleichwohl nicht eingepreist werden, betonte Jakubowski.

Gleichzeitig spricht der Abteilungsleiter von „zum Teil völlig konträren Herausforderungen“. In strukturstarken Städten und Kreisen mit Bevölkerungszuwachs werde es darum gehen, genügend Wohnraum, Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung oder Pflege bereitzustellen. In strukturschwächeren Städten und Kreisen mit anhaltenden Bevölkerungsverlusten werde es dagegen „immer herausfordernder, eine vielfältige und leistungsfähige Daseinsvorsorge sowie attraktive Arbeits- und Wohnungsmärkte - also gleichwertige Lebensverhältnisse - abzusichern“.

Mit Material von DPA

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