München  Perfekter EM-Start für DFB-Team: Was er bedeutet und warum Müller zurecht warnt

Susanne Fetter
|
Von Susanne Fetter
| 15.06.2024 14:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Euro2024: Deutschland - Schottland Foto: Federico Gambarini
Euro2024: Deutschland - Schottland Foto: Federico Gambarini
Artikel teilen:

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hatte einen perfekten Start in die Heim-EM. Was das 5:1 gegen Schottland für das Turnier bedeutet und warum ausgerechnet Gute-Laune-Onkel Thomas Müller plötzlich auf die Bremse tritt und warnt. Ein Kommentar.

Da war sie wieder. Die Frage nach dem Sommermärchen 2.0. Der 5:1-Sieg der deutschen Mannschaft zum Auftakt der Fußball-Europameisterschaft verleitete dann doch einen Journalisten dazu, sie zu stellen. Die Partie gegen Schottland lieferte eben die ideale Vorlage.

Nie gewann eine deutsche Mannschaft höher bei einer EM. Nie führte sie so hoch zur Pause bei einer Europameisterschaft. Dreimal in Folge gewann sie ihr Auftaktspiel nicht. Und dann brennt sie gegen Schottland so ein Feuerwerk ab. Da wird man ja doch wohl träumen dürfen vom perfekten Fußball-Sommer.

Kann man machen. Thomas Müller sieht das allerdings ganz anders. Den 34-Jährigen umgibt seit jeher die Aura des Gute-Laune-Onkels. Doch an diesem Abend sendete Radio Müller im Minutentakt Warnmeldungen. Zu viele Spiele hat er schon in seiner Karriere gemacht, zu viele Turniere absolviert, als dass er nicht wüsste, welche Gefahren in so einem Ergebnis auch schlummern. 2014 als die deutsche Mannschaft den WM-Titel holte, gab es ein 2:2 gegen Ghana im zweiten Gruppenspiel des Turniers. 2010 in Südafrika sogar eine 1:2-Niederlage gegen Serbien. Beide Male folgte auf starke Auftaktspiele ein Dämpfer. Beide Male ging der erfolgreiche Weg danach trotzdem wieder weiter.

Hinzu kommt. Nur in vier von 13 Fällen startete Deutschland mit zwei Siegen in eine Europameisterschaft. Seit es die Vorrunde gibt gelang dies dreimal in elf Fällen.

Bei Turnieren geht es eben nicht nur um den Start, sondern noch mehr um das Ende - und um den Weg dorthin. Recht hat Müller also, wenn er sagt: „In so einem Turnier zählen nur Punkte.“ Zudem war Schottland sicher nicht der Maßstab für diese deutsche Mannschaft. Denn während ihre Fans in München sogar über mehrere Tage eine überragende Leistung ablieferten, wirkte die Mannschaft auf dem Rasen doch arg überfordert. „Ein kleines „Aber“ möchte man dann doch setzen.

Denn dieser Auftaktsieg hat einige positive Signale gesendet. Etwa: Diese deutsche Mannschaft kann mit dem Druck der bei Heimturnieren zwangsläufig auf den Gastgebern lastet, offenbar gut umgehen. Julian Nagelsmann, seit Freitagabend jüngster EM-Trainer aller Zeiten aller Nationalitäten, hat es offenbar geschafft, innerhalb nicht mal eines ganzen Jahres, ein Gebilde zu formen, in dem sich die individuellen Stärken im Kollektiv hervorragend entfalten können.

Gegen Schottland glänzte vor allem das Herzstück. Im Mittelfeld laufen die Fäden zusammen, bei den erfahrenen Ilkay Gündogan und Toni Kroos. Ihre Sicherheit und Übersicht gibt Spielern wie Jamal Musiala, Florian Wirtz oder Kai Havertz Räume und Möglichkeiten ihre Talente zu entfalten. Auch mal mit Risiko, aber vor allem mit Mut und Spielwitz. Dazu hat dieses Team ehrliche Arbeiter und defensive Stützen. Wie Andrich, Mittelstädt oder das Abwehrbollwerk um Antonio Rüdiger und Jonathan Tah, die wie Manuel Neuer allerdings kaum geprüft wurden beim Auftakt.

Dass Nagelsmann sich früh auf eine Startelf festlegte, scheint der Rollenverteilung gut getan zu haben. Dass aber auch alle anderen im Kader einen verdienten Platz in diesem Team, wurde selten deutlicher. Viermal wechselte Nagelsmann - brachte unter anderem Nachrücker Emre Can, der aus dem Urlaub zum Team stieß, einmal trainierte und einmal traf.

Am Wichtigsten aber dürfte die Rückwirkung dieses Erfolges auf die Stimmung im Land sein. Schon nach dem 2:0 waberte erste La-Ola des Turniers durch die riesige Arena in München. Das 5:1 kann dieser Welle eine derartige Wucht verleihen, dass sie auf das ganze Land schwappt und die Menschen im positiven Sinne mitreißt. Am Mittwoch gegen Ungarn kann sie weiter Fahrt aufnehmen - oder wieder etwa abebben. Thomas Müller weiß das.

Ähnliche Artikel