Bonn Veganismus: Warum die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nicht mehr davor warnt
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Warnung vor einer ausschließlich veganen Kost aufgegeben. Gut geplant und ergänzt, kann eine vegane Ernährung gesund sein, sagen die Ernährungswissenschaftler heute. Wie es zu dem Sinneswandel kam.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ihre Warnung vor einer ausschließlich veganen Kost aufgegeben. In einem neuen Positionspapier kommt Deutschlands wichtigste Vereinigung von Ernährungswissenschaftlern zu dem Schluss: Gut geplant und ergänzt, kann eine vegane Ernährung gesund sein.
2016 noch sah die DGE das anders. Damals riet sie in ihrem Positionspapier von einer ausschließlich veganen Kost ab. „Bei einer rein pflanzlichen Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich“, urteilte die DGE damals. Wie kommt es nun zu dem Sinneswandel?
Die DGE hat in ihre neue Sicht auf die vegane Ernährung nicht nur die Nährstoffzufuhr einbezogen, sondern auch andere Gesundheitsparameter wie zum Beispiel die Knochengesundheit und das Risiko für ernährungsbedingte Erkrankungen. Zudem berücksichtigt sie nun auch die Dimensionen Tierwohl, Soziales und Umwelt.
Nach den neuen Richtlinien der DGE können Erwachsene von einer sorgfältig geplanten veganen Ernährung gesundheitsfördernde Effekte erwarten – vorausgesetzt, sie nehmen Vitamin-B12-Präparate ein und achten auf eine ausgewogene Nährstoffzufuhr.
Zu den potenziell kritischen Nährstoffen gehören hier nicht nur Vitamin B12, sondern auch Jod, Protein, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Vitamin B2, Calcium, Eisen, Zink und das Spurenelement Selen. Neu schätzt die DGE auch Vitamin A als gegebenenfalls kritisch ein.
Für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Senioren gibt es jedoch keine klaren Empfehlungen, da die Datenlage noch zu unsicher ist. Hier betont die DGE, dass aufgrund des Risikos für potenzielle, teilweise irreversible Konsequenzen bei inadäquater veganer Ernährung dieser Bevölkerungsgruppen besonders fundierte Ernährungskenntnisse notwendig seien, um sich vegan zu ernähren. Für diese Gruppen sei eine sorgfältig gestaltete Ernährung von noch größerer Bedeutung als in der gesunden erwachsenen Allgemeinbevölkerung.
Für Senioren, eine neu berücksichtigte Gruppe in der Untersuchung, gibt es bisher keinen umfangreichen Datenbestand, jedoch wird ein Anstieg des vegan lebenden Anteils auch in dieser Altersgruppe erwartet.
Die DGE stellt fest, dass Erwachsene, die sich vegan ernähren, oft gesundheitliche Vorteile wie eine bessere Herz-Kreislauf-Gesundheit, einen niedrigeren BMI und geringere Cholesterinwerte haben. Auch bei der Gesamtsterblichkeit oder Krebshäufigkeit liegen Hinweise für Vorteile einer veganen Ernährung vor.
Allerdings kann eine vegane Ernährung auch zu einer schlechteren Knochengesundheit und einem höheren Risiko für Knochenbrüche führen.
Ein besonderes Augenmerk sollte neben der regelmäßigen und zuverlässigen Supplementation von Vitamin B12 auf die Jodzufuhr gerichtet werden. Da Veganer auf Seefisch sowie Milch und Milchprodukte verzichten, die normalerweise wichtige Jodquellen sind, sollten sie jodiertes Speisesalz oder Meersalz mit Meeresalgen verwenden. Alternativ können auch Jodpräparate helfen, insbesondere in Absprache mit einem Arzt.
Die DGE hebt außerdem die positiven Umweltauswirkungen einer veganen Ernährung hervor. Studien zeigen, dass vegane Ernährung deutliche Vorteile hinsichtlich Treibhausgasemissionen, Landnutzung und Biodiversitätsverlust bietet.
Diese Statista-Grafik zeigt, wie klimaschädlich Fleisch im Vergleich zu Ersatzprodukten ist:
Die DGE kommt zu dem Schluss: „Unter Berücksichtigung sowohl gesundheits- als auch umweltrelevanter Aspekte ist eine Ernährungsweise entsprechend den DGE-Empfehlungen mit einer deutlichen Reduktion tierischer Lebensmittel zu empfehlen.“