Flug mit Mavi Gök  Hitze-Albtraum im Flieger kein Einzelfall

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 13.06.2024 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Mavi-Gök-Flug von Antalya nach Münster litten viele Kinder unter den heißen Temperaturen. Foto: privat
Im Mavi-Gök-Flug von Antalya nach Münster litten viele Kinder unter den heißen Temperaturen. Foto: privat
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52 Grad im Flugzeug mussten die Janßens aus Leer aushalten. Ihr Rückflug mit Mavi Gök Airlines wurde zum Albtraum. Nun meldeten sich weitere Airline-Kunden aus Ostfriesland und berichten Ähnliches.

Leer - Das Telefon von Dominik Janßen aus Leer steht nicht mehr still. Nachdem der Familienvater zusammen mit seiner Frau Nancy ihre Eindrücke über einen Rückflug mit der türkischen Airline Mavi Gök in dieser Zeitung und anderen Medien geschildert hat, melden sich immer mehr Menschen bei ihm. „Das hat bundesweit für Aufsehen gesorgt“, sagt Janßen. Viele überregionale Medien hätten sich bei ihm gemeldet – die „Bild“-Zeitung ebenso wie die RTL-Sendung „Stern TV“. Aber auch andere Mitreisende oder Fluggäste, die ähnliche Erlebnisse auf anderen Flügen mit der Airline gehabt hätten, melden sich.

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52 Grad im Flugzeug | Ostfriesische Familie erlebt Horror mit türkischer Airline
10.06.2024

Die Familie Janßen erlebte in der vergangenen Woche einen Hitze-Albtraum beim Rückflug aus Antalya mit der türkischen Airline Mavi Gök. Beim Einsteigen ins Flugzeug in der türkischen Stadt zeigte die Temperaturanzeige 52 Grad. Familie Janßen berichtete, dass Passagiere und Crew in wenigen Minuten durchgeschwitzt waren. Hinzu kamen einige medizinische Notfälle, um die sich Notfallsanitäterin Nancy Janßen kümmerte. Ein fünf Monate altes Baby neben ihr drohte sogar einen Hitzschlag zu bekommen. Nach massivem Protest der Passagiere und dem Appell eines Arztes an Bord brach das Flugzeug den Start ab. Flugzeug und Crew wurden ausgetauscht und mit fast vier Stunden Verspätung landeten die 270 Passagiere dann am Zielort Münster: Eine absolute Tortur für die Leeraner Familie.

Mavi Gök Airline entschädigt nicht

Eine Entschädigung erwarten die beiden nicht. „Dadurch, dass es eine türkische Airline ist und wir nicht in Deutschland gestartet sind, gelten die europäischen Fluggastrechte nicht“, sagt Dominik Janßen. Daher sei es ohnehin schwer, eine Entschädigung zu bekommen. Darum geht es Nancy Janßen auch nicht. „Ich möchte vor allem Familien ausdrücklich warnen, mit dieser Airline zu fliegen“, sagt die 37-Jährige. Die Gesundheit der Passagiere sei dort nämlich nicht sonderlich wichtig, der Flugplan sei wichtiger, habe sie den Eindruck gehabt.

Am 6. Juni stiegen die Passagiere von Mavi Gök Airlines völlig überhitzt aus. Foto: privat
Am 6. Juni stiegen die Passagiere von Mavi Gök Airlines völlig überhitzt aus. Foto: privat

Dennoch kontaktierten sie Mavi Gök Airlines. Allerdings mit wenig Erfolg: „Die haben unsere Bordkarte geprüft und uns dann mitgeteilt, dass wir keinen Anspruch auf Entschädigung haben“, so Janßen. Die Airline habe außerdem geschrieben, dass unsere Bemühungen in der Öffentlichkeit daran auch nichts ändern würden. Statt Mavi Gök hätten Janßen zufolge aber andere Reiseveranstalter reagiert. „Die haben mich angerufen und mitgeteilt, dass sie die Vorgänge bei Mavi Gök prüfen und solange die Airline nicht mehr buchen“, sagt Janßen, der Sprecher der Passagier-Gruppe ist.

Mavi Gök Airline will Vorfälle prüfen

In einer Stellungnahme der Airline gegenüber der „Bild“-Zeitung heißt es: „Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Passagiere und Besatzung haben höchste Priorität.“ Sie verspricht, mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten, um solche Vorfälle künftig zu verhindern. Eine Anfrage dieser Zeitung von Samstagabend blieb unbeantwortet.

Nancy und Dominik Janßen wollen vor der Airline warnen. Foto: Nording
Nancy und Dominik Janßen wollen vor der Airline warnen. Foto: Nording

Es deutet darauf hin, dass das Vorgehen der Airline allerdings kein Einzelfall ist. Während der Flug am 6. Juni mit Familie Janßen abgebrochen wurde, startete am 8. Juni eine ähnlich überhitzte Maschine. Drin saß Julia Wilde aus Oldersum mit ihrem Mann und dem einjährigen Sohn. „Ob es wirklich 52 Grad waren, weiß ich nicht genau. Aber es war sehr, sehr heiß und keine Klimaanlage zu spüren“, sagt die Mutter. Geplant war der Abflug für 20.15 Uhr, doch der Start verzögerte sich. „Es wurde durchgesagt, dass es zu viel Flugverkehr gibt und wir daher nicht starten könnten“, beschreibt die Moormerländerin. Das habe man auch auf dem Flight-Radar sehen können. So habe sich das Flugzeug nur langsam voran bewegt. Die Temperatur war allerdings unerträglich. „Mein Sohn war durchgeschwitzt und saß im Body auf mir“, sagt sie. Für beide kein Vergnügen, zumal ihr Sohn einige Tage vorher im Urlaub noch erkrankt war. So sei sie doppelt in Sorge um ihr Kind gewesen. Die Situation sei sehr unangenehm gewesen und die Kinder auch immer unruhiger. Medizinische Notfälle, wie in der Maschine von Familie Janßen, habe sie aber nicht bemerkt, betont sie. „Nach 80 Minuten wurde den Passagieren dann kostenlos Wasser zur Verfügung gestellt“, sagt sie.

Gut eineinhalb Stunden nach dem geplanten Start ging die Maschine dann in die Luft. Und schon entstand das nächste Problem: „Wir waren ja alle durchgeschwitzt und in der Luft wurde es irgendwann sehr kalt“, sagt sie. Ihr Mann und sie seien froh gewesen, wieder zu Hause zu sein.

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