Berlin  EU-Strafzölle auf Chinas E-Autos? Der Schuss ginge voll nach hinten los!

Tobias Schmidt
|
Von Tobias Schmidt
| 12.06.2024 14:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Chinesische E-Autos warten in Shenzhen auf ihre Verschiffung nach Bremerhaven. Foto: Imago Images / Xinhua
Chinesische E-Autos warten in Shenzhen auf ihre Verschiffung nach Bremerhaven. Foto: Imago Images / Xinhua
Artikel teilen:

Braucht es hohe Strafzölle auf billige Elektroautos aus China, um VW, Mercedes-Benz oder BMW zu beschützen? Was zunächst nachvollziehbar klingt, könnte zu einem desaströsen Handelskrieg führen.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen „droht“ China mit drastischen Strafzöllen auf E-Autos. Das hört sich mutig und schneidig an, schließlich unterstützt Peking seine Autobauer nach Kräften. Vor dem Tsunami von Billig-Stromern aus Fernost müssen VW, Mercedes-Benz und BMW doch unbedingt geschützt werden!

Tatsächlich könnte wohl kaum etwas schädlicher für Deutschlands Autobauer, für den Hochlauf der E-Mobilität und damit den Schutz des Klimas sein, als einen Handelskrieg mit dem Reich der Mitte vom Zaun zu brechen. Denn natürlich würde sich China wehren, wenn von der Leyen ihre Drohung wahr macht.

Der Schaden für Deutschlands Hersteller wäre dramatisch, weil China der wichtigste Absatzmarkt und einer der wichtigsten Produktionsstandorte ist. Die Brüssel-Zölle würden auch alle Autos teurer machen, die Mercedes, VW und BMW aus China nach Europa verkaufen wollen.

Die Zölle hätten zudem etwas Wohlfeiles, weil die EU-Mitgliedstaaten selbst auch Milliarden für die Subvention von Unternehmen ausgeben, Northvolt und Intel sind zwei Beispiele von vielen. Viele Wettbewerbsnachteile gegenüber China sind zudem hausgemacht, gehen auf überbordende Bürokratie und zu große Beharrungskräfte in der Branche selbst zurück.

Die Abschottung würde nicht zuletzt den Hochlauf der E-Mobilität ausbremsen. Denn die Zölle schränken den Wettbewerb ein und machen billige Stromer aus China, die heimische Hersteller noch immer nicht im Angebot haben, teurer. Was für ein Wahnsinn!

Die Liebhaber des Verbrenner-Motors mögen das gut finden. Der Schutz vor der chinesischen Konkurrenz würde freilich dazu führen, dass der Rückstand unserer stolzen Premium-Hersteller in Sachen E-Mobilität und Batterie-Produktion noch weiter wächst. Denn sie müssten sich weniger anstrengen, ihre Kunden zu überzeugen. Dann würde der vermeintliche Mut von der Leyens dazu beitragen, dass die deutschen Autobauer mit ihren High-End-Verbrennern in nicht allzu ferner Zukunft zu Nischenanbietern verkümmern.

Ähnliche Artikel