Geduldsprobe Das treibt die Trecker auf die Straße – Infos und Grafik
Und weiter geht’s mit Tempo 25: In den vergangenen Wochen waren viele Trecker auf Ostfrieslands Straßen unterwegs. Wir erklären, warum und wie alle sicher ans Ziel kommen.
Rheiderland - Da zieht ein Trecker mit Anhänger auf die Bundesstraße, weiter geht es mit Tempo 25. Man kann überholen, aber da fährt schon der nächste. Für so manchen Autofahrer ein riesen Aufreger. Vielleicht können einige Infos und Erklärungen den Geduldsfaden der Autofahrer ja etwas widerstandsfähiger machen.
In den vergangenen Wochen fuhren unter anderem im Kreis Leer viele landwirtschaftliche Maschinen – aus gutem Grund: „Die trockene Phase haben viele genutzt. Für den ersten beziehungsweise den zweiten Grasschnitt“, erklärt Rudolf Bleeker, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland, Kreisverband Leer. Die Landwirte im Rheiderland seien dabei etwas später dran und nun im Gegensatz zu anderen Kollegen erst beim ersten Schnitt wegen der Gänse, so Bleeker.
Die Arbeit in der Landwirtschaft ist wetter- und betriebsabhängig, aber wir haben eine Grafik zusammengestellt, die einen groben Überblick geben könnte, was auf der Straße los ist. Die Daten stammen vom Landwirtschaftlichen Hauptverein (2019). Grafik: Fischer
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Die „Welle“ ist erst einmal beendet – Wetter ganz in Ordnung
Die Zeit der vielen Landmaschinen auf den Straßen dürfte unter anderem wetterbedingt erst einmal vorbei sein. An sich sei der Regen aber kein Problem. „Das geht“, sagt Rudolf Bleeker. „Wir hatten einen extrem nassen Herbst, Winter und ein nasses Frühjahr. Im Mai war es recht trocken, so dass man auf die Flächen konnte, ernten konnte. Jetzt ist Regen gar nicht so schlecht“, so Bleeker.
Das Wetter sei allerdings derzeit recht schlecht kalkulierbar. „Ich selbst schaue bei einem deutschen und einem niederländischen Wetterdienst, dann noch aufs Regenradar – nichts. Und plötzlich schüttet es doch“, beschreibt er. Wann kommt denn die nächste „Welle“ der landwirtschaftlichen Maschinen? „Wir sind eine Grünlandregion, also zum dritten Schnitt“, sagt Bleeker. Der Mais wachse noch eine ganze Weile. „Dann kommt das Sommergetreide, erst Gerste, dann Weizen, aber das hat noch Zeit.“
Keine besondere Häufung der Traktor-Unfälle, aber leider einige passiert
„Wie jedes Jahr müssen die Landwirte in Ostfriesland ihre Arbeit machen und haben natürlich je nach Fachrichtung verschiedene Zeiten, zu denen sie auf der Straße unterwegs sein müssen“, sagt Svenia Temmen von der Polizeiinspektion Leer/Emden. „Wir haben auch in diesem Frühsommer kein besonderes Aufkommen zu verzeichnen.“ Allerdings hätten einige Unfälle leider herausgeragt: In der vergangenen Woche wurde eine Radfahrerin in Rhauderfehn von einem Traktor übersehen und geriet unter das vordere Mähwerk. Sie kam mit Verletzungen am Kopf und am Bein ins Krankenhaus. Außerdem gab es einen Pkw-Traktor Zusammenstoß in Breinermoor. Ein Weeneraner stieß mit seinem Traktor samt Anhänger mit dem Auto eines Wittmunders zusammen, der Vorfahrt hatte. Das Auto wurde in einen Graben geschleudert und der Fahrer schwer verletzt aus dem Wagen geborgen „Solche Unfälle haben wir zum Glück nicht allzu häufig“, so Temmen.
Und doch kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen: So wird zum Beispiel ein Traktor-Fahrer gesucht, der vielleicht etwas zu einem schweren Unfall sagen kann. Am 27. Mai 2024 wurden gegen 13.04 Uhr in Uplengen/Hollen auf der Friesenstraße drei Autos in einen Unfall verwickelt. „Als eine 37-jährige Frau möglicherweise versuchte“, einen Traktor zu überholen. Dabei sei sie in den Gegenverkehr ausgeschert und mit einem Auto zusammengeprallt und dann gegen einen dritten Wagen geschleudert worden, wie die Polizei schrieb. Man sei auf der Suche nach dem Traktorfahrer und anderen Zeugen für die Ermittlungen.
Geschwindigkeit und Rücksicht
Gerade in Engstellen wie beispielsweise der Ortsdurchfahrt Bingums kommt es immer wieder zu „knappen Kisten“, wenn große Landmaschinen dort entlangfahren. „Es gilt hier wie überall im Verkehr eine gegenseitige Rücksichtnahme“, heißt es weiter von der Polizei. Irgendwie müssten die Landwirte ja zu ihren Feldern kommen.
„Die Ortsdurchfahrt ist schmal, aber zum Beispiel eine Ausweichstrecke für Lastwagen, wenn der Emstunnel gesperrt ist.“ Wenn Autofahrer eine große Landmaschine kommen sehen, könnten sie etwas bewirken. „Die Geschwindigkeit reduzieren und vielleicht schauen, ob man ausweichen kann.“ Gleichzeitig müssten natürlich die Fahrer der Landmaschinen ebenfalls vorsichtig sein.
Landmaschinen werden immer größer
Es scheint, als würden die Landmaschinen, die einem im Straßenverkehr begegnen, immer größer werden. „Das ist auch so“, bestätigt Rudolf Bleeker. Es sei ein schleichender Prozess, aber vergleiche man die Größe der Maschinen mit denen von vor einigen Jahrzehnten, sei es eine andere Welt. „Über die Dimensionen staune ich manchmal selbst“, sagt Bleeker, der gelernter Landwirt ist. „Meist sind es aber auch Lohnunternehmer, die mit den größten Maschinen unterwegs sind. Sie haben viele Aufträge und stehen oft unter zeitlichem Druck.“