Ostfrieslandkrimis verfilmt So war die Premiere von Klaus-Peter Wolfs „Ostfriesennacht“
Die Verfilmung des Ostfrieslandkrimis „Ostfriesennacht“ feierte am Samstag beim Internationalen Filmfest in Emden und auf Norderney Uraufführung. Klaus-Peter Wolf und alle Schauspieler waren vor Ort.
Emden - Die Frauengruppe ist in aufgekratzter Stimmung. Immer wieder verrenkt sich die eine oder andere fast den Hals, um zum Eingang in den gefüllten Kino-Saal 1 im Emder Cinestar zu schauen. Dann: „Ah, da ist er!“, geht ein Raunen durch die Reihen des Klaus-Peter-Wolf-Fanclubs. Tatsächlich: Der Krimi-Autor in bekanntem Outfit mit blauem T-Shirt, roten Hosenträgern, einem kleinen geflochtenen Zopf an der Seite und einer Schirmmütze auf dem Kopf kommt mit weit geöffneten Armen in den Saal. Applaus von den Fans. Als der 70-Jährige zur ersten Reihe hinuntergeht, folgen ihm schon die ersten Anhängerinnen mit filmenden Handy-Kameras.
„Ich muss den Klaus-Peter noch umarmen“, sagt eine Dame und huscht hinter den anderen her. Es wird gefilmt, fotografiert, umarmt und gelacht. Offenbar kennt man sich gut oder man wirkt zumindest vertraut. Klaus-Peter Wolf, der mittlerweile 18 Ostfrieslandkrimis mit Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen herausgebracht hat, ist in Emden für die Uraufführung der neuesten Krimi-Verfilmung „Ostfriesennacht“. Im Rahmen des 34. Internationalen Filmfests Emden-Norderney wurde der Film am Samstag, 8. Juni 2024, auf Norderney und in Emden erstmals ausgestrahlt. Am Dienstag, 11. Juni, läuft der Film abermals in Emden, ab 19.10 Uhr im Cinestar (Saal 2). Ende des Jahres soll er im Fernsehen laufen. Ein genaues Datum steht noch nicht fest.
Klaus-Peter Wolf liegt bei der Premiere
Nach Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf kommen auch Schauspielerinnen und Schauspieler der Krimi-Reihe in den Kino-Saal sowie der Regisseur und weitere Beteiligte. Auch hier ist die Neugier vieler Fans groß. Wann trifft man schon mal persönlich Ann Kathrin Klaasen, gespielt von Picco von Groote, oder Kommissar Frank Weller, gespielt von Christian Erdmann? Auch hier wird fotografiert und gefilmt, was der Handy-Speicher hergibt.
Als etwas Ruhe einkehrt, rückt Klaus-Peter Wolf wieder in den Fokus. „So bequem habe ich noch nie eine Premiere erlebt. Das gefällt mir“, sagt er zu Moderator Keno Bergholz. Wolf hat sich auf den Liegeplätzen in der ersten Reihe des Kino-Saals niedergelassen. Es sei ein schöner, aber auch „schön anstrengender“ Tag gewesen - mit dem Schnellboot sei es nach Norderney und zurück gegangen, um bei beiden Aufführungen dabei sein zu können, sagt er nach dem Film. „Ich genieße es, den Film mit so vielen zu gucken“, sagt er. Besonders gespannt sei er, wenn er und seine Frau Bettina Göschl in einem Cameo-Auftritt selbst im Film zu sehen seien. Lachen bei den Zuschauern.
Das passiert im Film
Ein Mörder tötet junge Frauen in deren Ferienwohnungen in Ostfriesland. Gemeinsam haben die Opfer, das ihnen der Mörder ein Tattoo aus der Haut schneidet. Kommissarin Ann Kathrin Klaasen ist dem psychopathischen Täter auf der Spur, hat aber gleichzeitig mit dem Bundeskriminalamt (BKA) zu tun und mit ihrem Partner sowie Ehemann Frank Weller. Der verstrickt sich immer weiter in die Ermittlungen und riskiert für das Leben seiner Tochter Jule alles. „Ich wollte Frank Weller an seine Grenze bringen“, sagt Klaus-Peter Wolf dazu bei der Premiere. Wird der Kommissar selbst zum Mörder? Halten die Zuschauer noch zu ihm oder nicht? Ambivalente Gefühle habe er rüberbringen wollen, so der Autor.
Mit Regisseur Johannes Fabrick habe er beim Italiener über das Buch gesprochen, so Kaus-Peter Wolf. Warum möchtest du den Film machen?, habe er diesen gefragt. „Ich hab zwei Töchter“, sei die Antwort des Regisseurs gewesen. „Mich hat die Emotionalität gereizt, die Angst eines Vaters um seine Tochter“, erklärt Fabrick auf der Bühne im Gespräch mit Keno Bergholz. „Es war eine spannende Herausforderung“, sagt Schauspieler Christian Erdmann. Durch das Team sei ihm der Raum geschaffen worden, um sich von der Geschichte tragen zu lassen und voll auf die Rolle einzulassen.
Das sagen Cast und Crew
„Es hätte besser nicht sein können als mit Johannes Fabrick“, sagt auch „Ostfrieslandkrimi“-Frischling Sofie Eifertinger, die die Polizeianwärterin Jessi Jaminski spielt. Sie habe Beziehungen im Team schnell herstellen können. „Ich fühle mich sehr geehrt, im Ensemble sein zu können und dass ich noch viele Fälle zu lösen haben werde“, sagt sie. Picco von Groote hebt hervor, dass es vor Drehbeginn genug Zeit gegeben habe, um zu proben und sich auf die Rollen vorzubereiten.
Barnaby Metschurat, der Hauptkommissar Rupert spielt, spricht davon, wie glücklich ihn seine Rolle mache - obwohl er eigentlich Frank Weller hatte spielen wollen. Kameramann Helmut Piernat erklärt, wie die Dreh-Orte in Norden, auf Norderney, in Emden und anderswo in Ostfriesland für die Krimis ausgesucht werden. Man finde gemeinsam Motive, fahren diese ab und klopfe ab, ob sie tatsächlich für eine Szene funktionieren und welche „magischen Momente“ man dort entdecken sowie kreieren könne. Ostfriesland sei als Film-Landschaft „wunderbar geeignet“, sagt Regisseur Johannes Fabrick. Es sei eine „Seelenlandschaft“. „Wir haben uns Mühe gegeben, das zu würdigen und dem gerecht zu werden“, sagt er.
Das ist über weitere Filme bekannt
Klaus-Peter Wolf sagt mit einem Lachen mit Blick auf das Film-Team: „Ich schreibe weiter und sie sind hinterher. Ich habe schon Angst, sie holen mich ein.“ Angesichts dessen, dass „Ostfriesennacht“ erst der 13. Fall für Ann Kathrin Klaasen ist, scheint das aber nicht wahrscheinlich. Auch der Autor ergänzt: „Nein, ich bin geflutet von Ideen.“ Er merke nur mittlerweile, dass die Filme auch sein Schreiben beeinflussten.
Die Charaktere in den Büchern seien einerseits erfunden, andererseits basierten einige auf realen Menschen. Jetzt seien auch die erfundenen Figuren durch die Filme „real“ geworden. „Beim Schreiben möchte ich mich fast bei ihnen entschuldigen“, sagt er mit Blick auf die Schauspielerinnen und Schauspieler. Aber er werde die Figuren weiter an ihre Grenzen führen.
Zwei weitere Filme, also „Ostfriesenhölle“ und „Ostfriesenzorn“, seien mittlerweile abgedreht und die Postproduktion im Gang. „Im nächsten Jahr drehen wir weiter“, sagt Klaus-Peter Wolf. „Ostfriesennacht“ war 2022 gedreht worden. Das zeigt auch, wie viel Zeit noch nach dem Abdrehen der Szenen verstreicht, bis der fertige Film im Fernsehen ausgestrahlt wird.