Berlin Gegen Rechts: Martin Sonneborn (Die Partei) will immer mit Nein stimmen
Nach der EU-Wahl 2024 zieht Satire-Politiker Martin Sonneborn wieder ins EU-Parlament ein. Gegen Rechts will er permanent mit Nein stimmen.
Mindestens 1,6 Prozent der Stimmen: Auf diesen Wert hatte Martin Sonneborn, EU-Spitzenkandidat der Satire-Partei „Die PARTEI“, gehofft. Mit diesem Wert zieht außer ihm selbst auch die Listen-Zweite ins EU-Parlament ein: die Schrifstellerin Sibylle Berg.
Nach der EU-Wahl 2024 ist die selbst gesteckte Marke überschritten: Dem vorläufigen Ergebnis zufolge erreicht die PARTEI 1,9 Prozent. Im Vergleich zur Wahl 2019 bedeutet das zwar einen Verlust von 0,5 Prozent. Es reicht für die PARTEI aber, um erneut mit zwei Plätzen im Parlament vertreten zu sein.
Noch am Abend feierten die Parteimitglieder den Erfolg im Kreuzberger Club SO 36. Am Rande der Veranstaltung hatten wir Gelegenheit, mit dem Parteivorsitzenden Sonneborn über seine Pläne für die kommende Legislatur zu sprechen. Das Interview im Wortlaut:
Frage: Herr Sonneborn, im Vergleich zur letzten Europa-Wahl haben Sie Verluste hinnehmen müssen. Zwei Mandate dürften Ihnen aber sicher zu sein. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Ergebnis?
Antwort: Das war ein hervorragendes Wahlergebnis. Alle sind betrunken und freuen sich, dass die PARTEI mit etwa zwei Prozent zwei Mandate in der nächsten Legislatur hat und dass Sibylle Berg mit nach Brüssel muss.
Frage: Anders als Sie ist Ihre Listen-Zweite Sibylle Berg keine Satirikerin, sondern eine Schriftstellerin. Wie werden Sie Ihre Aufgaben untereinander aufteilen?
Antwort: Die Aufgabenverteilung ist relativ simpel. Ich werde jetzt die Füße auf den Tisch legen. Sibylle Berg muss arbeiten. Das ist immer so in den ersten fünf Jahren.
Frage: Die AfD hat einen Wahlkampf voller Skandale erlebt. Warum ist sie trotzdem zweitstärkste Kraft?
Antwort: Ich glaube, die AfD ist gar nicht so entscheidend im Europäischen Parlament. Es gibt viele rechte Parteien. Und es gibt schon lange eine Zusammenarbeit der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit rechten Kräften. Ich spekuliere darauf, dass es eine rechte Koalition geben wird aus der EVP – also der CDU und ihren Schwesterparteien –, mit Le Pen, mit Meloni und mit anderen rechten Kräften.
Frage: In Ihrer ersten Wahlperiode haben Sie bei Abstimmungen immer im Wechsel mit Ja und Nein gestimmt. In der zweiten wurden Sie ernster und haben sich am Votum der Linken und Grünen orientiert. Wie wird Ihre Arbeit in der dritten Wahlperiode?
Antwort: Ich glaube, ich bin zu betrunken, um das jetzt zu analysieren. Aber ich überlege gerade – wenn wir eine rechte Mehrheit im Parlament haben, könnte das meine Arbeit sehr vereinfachen. Dann könnte ich nämlich permanent mit Nein stimmen.