Berlin Jemand stellt sich als nicht-binär vor: Wie spreche ich den Menschen an?
Pronomen werden ab der Grundschule gelehrt – Neopronomen hingegen sind Wortneuschöpfungen und helfen unter anderem Menschen, die sich weder klar männlich noch weiblich fühlen. Doch wie wendet man sie an?
Stellen Sie sich vor: Sie werden konstant als „Frau Müller“ bezeichnet, obwohl Sie sich als „Herr Müller“ vorgestellt haben. Es ist irritierend und vielleicht sogar verletzend. Und jetzt stellen Sie sich vor, es gebe nicht einmal offiziell die passenden Worte, mit denen Sie sich angesprochen fühlen. So geht es vielen nicht-binären Personen im deutschsprachigen Raum.
Die Bezeichnung „nicht-binär“ soll deutlich machen, dass Menschen ihre geschlechtliche Identität in mehr als den zwei etablierten Kategorien „männlich“ und „weiblich“ erleben, erklärt der Lesben- und Schwulenverband. Den Begriff verwenden beispielsweise Menschen, die sich sowohl männlich als auch weiblich fühlen, oder sich selbst weder als Mann noch als Frau sehen, führt der Verein „TransInterQueer“ aus.
Auch „genderfluide“ Menschen, deren Geschlechtsidentität sich fließend verändert, nutzen unter anderem die Bezeichnung „nicht-binär“ als Selbstbeschreibung.
Einige berühmte offen nicht-binäre Menschen sind zum Beispiel Fee Jaehn, Künstlername DJ Felix Jaehn – bekannt durch den Remix „Cheerleader“. Sam Smith singt die Balladen „Stay With Me“ und „I‘m Not The Only One“ und ist auch nicht-binär.
Da einige nicht-binäre Menschen es unangenehm finden, mit „sie“ oder „er“ angesprochen zu werden, verzichten sie gänzlich auf Personalpronomen. Stattdessen können Namen und geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwendet werden. Ein Beispiel für den Umgang ohne Pronomen sieht so aus:
Malte arbeitet mit mir zusammen. Das ist Maltes Katze. Malte ist ein wichtiger Mensch für mich.
Außerdem bemühen sich nicht-binäre Menschen und Unterstützer, einen sensiblen Umgang in der deutschen Sprache zu finden und das bestehende Vokabular um passende Pronomen zu erweitern. Die Auswahl aus sogenannten Neopronomen („neo“ ist griechisch für „neu“) wird dafür stetig ausgebaut. Der Berliner Transinterqueer-Verein gegenüber unserer Redaktion bekräftigt:
Einige werden nach den vertrauten Grammatikregeln konjugiert. Ein paar verbreitete Beispiele werden hier vorgestellt:
Auch gibt es Ansätze, in denen die englische Sprache verwendet wird, da dort beispielsweise Bezeichnungen wie „Arzt oder Ärztin“ (englisch: „doctor“) im Gegensatz zum Deutschen geschlechtsneutral sind. Das Einsetzen von Pausen wie bei der Aussprache von „Ärzt_in“ wird auch teilweise genutzt, um zu zeigen, dass der Mensch sich nicht eindeutig als weiblich oder männlich einordnet.
Ein weiterer inklusiver Sprachgebrauch ist, dass nicht-binäre Personen mehrere Pronomen nutzen. So können Sie abwechselnd mit „sie“ und „er“ angesprochen werden.
Die Auflistung unserer Redaktion hat keinen Allgemeinanspruch, da die inklusiven Bezeichnungen, genau wie nicht-binäre Menschen selbst, vielseitig sind und bisher nicht universell akzeptiert werden. Für weiter akzeptierte Alternativen können Sie sich mit dem „nibi“-Glossar über alternative Pronomen und deren Verwendung informieren.
Der Umgang mit neuer Sprache kann zunächst überfordernd sein. Julien Franke des „Transinterqueer“-Vereins sagt, dass man die Pronomen des Gegenübers nicht erahnen müsse. Stattdessen stelle zumindest er sich zusätzlich zu seinem Namen auch mit seinen Pronomen „er und ihn“ vor.
Das rät er auch allen, die empathisch handeln möchten. Er mache den ersten Schritt, in dem er seine Pronomen nennt, um zu normalisieren, dass Menschen verschiedene Bezeichnungen verwenden können. So müsse niemand auf eine Geschlechtsidentität und Pronomen schließen.