Ostfrieslandkrimis Warum Klaus-Peter Wolf ein Glücksfall für ganz Ostfriesland ist
Die „Ostfrieslandkrimis“ von Klaus-Peter Wolf erreichen Millionen Menschen. Bei einem Netzwerktreffen in Emden sprachen er, das Filmteam und weitere Beteiligte über Chancen und Wertschöpfung.
Emden/Norden - Die Filme und Bücher von Klaus-Peter Wolf erreichen Millionen Zuschauer und Leser. Sie machen Norden, Norddeich und Ostfriesland in ganz Deutschland bekannt: So schalteten im Februar knapp sechs Millionen Menschen ein, als das ZDF den zehnten Teil der Reihe, „Ostfriesenschwur“, zum ersten Mal ausstrahlte. Und auch die Bücher sind stets an der Spitze der Bestseller-Listen zu finden.
Für die Region bedeuten die Romane und ihre Verfilmungen längst eine unglaubliche Wertschöpfung, die sich mit Geld wohl nicht bezahlen ließe. Dieses Bild zeichnete sich am Freitag, 7. Juni 2024, bei einem Netzwerktreffen in der Emder Volkshochschule, das im Rahmen des Emder Filmfests stattfand und von der Film- und Mediengesellschaft Nordmedia organisiert wurde. Teilgenommen hatten daran unter anderem Klaus-Peter Wolf selbst, aber auch Filmproduzenten und Vertreter von Tourismus, Nationalparkverwaltung und der Stadt Norden.
Interesse an Ostfrieslandkrimis kam mit dem Erfolg der Bücher
Ostfriesland hat mit seinen Krimis das geschafft, wovon andere Regionen nur träumen können, waren sich auch externe Teilnehmer des Netzwerktreffens aus Osnabrück oder Hameln sicher. Die Krimis werden nicht nur in Ostfriesland gedreht und produziert, sie locken mittlerweile auch unzählige Fans nach Norden und den Rest von Ostfriesland, an ein Ende der Reihe ist noch längst nicht zu denken.
Dass die Verfilmungen dermaßen erfolgreich werden würden, ahnte zu Beginn aber keiner. „Erst als die Romane Bestseller wurden, wollte plötzlich jeder die Filmrechte kaufen“, sagte Klaus-Peter Wolf. „Das ist mir schon schwer gefallen. Wir hatten am Anfang natürlich Angst. Was machen die mit meinen Figuren? Lassen sie nur verbrannte Erde zurück?“ Bei einem Treffen mit Simon Grohe und Martin Lehwald, Produzent und Geschäftsführer der Schiwago-Film, hätte er aber das Gefühl gehabt, sie würden sich nicht nur für den Erfolg, sondern vor allem auch für seine Figuren interessieren. Wolf traute sich und gab das Go.
Netzwerk für Ostfrieslandkrimis vor Ort erst einmal aufbauen
Seit 2016 produziert Schiwago aus Berlin nun die Samstagabend-Krimis auf Grundlage der Buchvorlagen des Norder Autors. „Da war zu Beginn auch noch gar nicht klar, dass es eine Filmreihe werden wird“, so Martin Lehwald – wie bei fast allen Filmproduktionen steht und fällt es auch bei öffentlich-rechtlichen Projekten mit der Finanzierung. Als klar war, dass die „Ostfrieslandkrimis“ verfilmt werden sollen, musste sich das nötige Netzwerk vor Ort aber erst einmal finden. „Da mussten wir selber erst einmal schauen, was wir überhaupt brauchen. Die Struktur gab’s hier noch nicht, anders als zum Beispiel in Berlin“, sagte Martin Lehwald. Das sei natürlich aufwendig gewesen, habe sich aber schnell und gut „zurechtgeruckelt“.
In Emden und auf Norderney dreht sich wieder alles um Filme
Am Set von Klaus-Peter Wolfs Ostfriesenkrimis
„Wir haben viele Dinge vorher gar nicht auf dem Schirm gehabt. Dinge, die wir als Gäste in Ostfriesland ohne Kooperationen gar nicht hätten umsetzen können“, sagte Produzent Simon Grohe. Als Beispiel nannte er die Ahnungslosigkeit vom Watt und von den Gezeiten oder auch die Hilfe heimischer Landwirte, die sofort zur Stelle waren, wenn ein Wagen der Produktion dann doch mal im Schlamm stecken blieb. „Uns wurde oft und viel von Ostfriesland gegeben. Das ist ein Vertrauen, das wir geschenkt bekommen haben.“
Ostfrieslandkrimis von Klaus-Peter Wolf Win-Win-Situation
Auch Florian Eiben, Bürgermeister von Norden, sprach von einem Geschenk. „Das sind Dinge, die wir mit Geld nicht hätten kaufen können“, sagte er. Durch den Erfolg der Bücher und Filme sei Leben und Kultur in der Stadt, weit über finanzielle Aspekte hinaus, so der Verwaltungschef. Das zeigt sich unter anderem darin, dass in Norden nun sogar ein Krimi-Museum auf knapp 1000 Quadratmetern entsteht. Ideenstifterinnen hierfür waren Ilona Eilts und Inga Graber von dem Tourismus-Service Norden-Norddeich, die vor einigen Jahren bereits eine kleinere Krimi-Ausstellung initiiert hatten. „Damals wurde uns die Bude eingerannt“, sagte Inga Graber. In dem neuen Museum, es entsteht im ehemaligen Pflüger-Gebäude, soll nun ein klarer Fokus auf die Krimi-Welt von Klaus-Peter Wolf gelegt werden. Original-Kulissen aus den „Ostfrieslandkrimis“ inklusive.
Davon profitieren dann nicht nur die Fans der Reihe, sondern auch die Produktionsfirma. Denn im Obergeschoss des ehemaligen Möbelgeschäfts befindet sich künftig das komplette Polizeikommissariat aus den Filmen. Zwei Wochen im Jahr, wenn die Filmemacher für Dreharbeiten wieder nach Norden kommen, wird das Museum dann für Besucher geschlossen sein und zum Filmstudio werden. Die Produktionsfirma spart sich so den ständigen Auf- und Abbau sowie die Lagerkosten der Kulisse. Gleichzeitig bleibt die Produktion im Ort und wird nicht in größere Studios nach Hamburg oder Babelsberg ausgelagert. Besucher können sich den Drehort zudem live im Museum anschauen. Eine „Win-Win-Situation“, sagte Eiben.