Umwelt Wird die Krummhörn kippenfrei?
Der Freepsumer Ortsvorsteher Johannes Voß sieht sie überall: Zigarettenstummel auf der Straße, achtlos weggeworfen. Das soll sich ändern, so sein Wunsch. Initiativen gibt es schon an der Küste.
Freepsum - Auf den Straßen liegen sie, auf Fußwegen, an Bushaltestellen. Die braunen Filterreste von aufgerauchten Zigaretten landen oftmals nicht in Mülleimern oder Aschenbechern, wo sie eigentlich hingehören. Auch in der Krummhörn ist das ein Problem, so der Freepsumer Ortsvorsteher Johannes Voß.
Aber Voß hat erste Ideen, wie man der Umweltverschmutzung durch Kippen entgegenwirken könnte. Dabei hat er sich von Initiativen in anderen Landkreisen in der Region inspirieren lassen, wie er dieser Zeitung erzählt. Das große Ziel: Weniger Kippen auf den Straßen und bessere Recyclingmethoden für die Reste, die in der freien Natur zu Mikroplastik zerfallen.
Alles begann mit dem Aschenbecher vom Rathaus
Voß beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Kippen und deren Einfluss auf die Umwelt. Wie lang genau, das kann er gar nicht sagen. Hauptsächlich geht es ihm darum, die Kippenreste, die ihm in Freepsum und der Gemeinde auffallen, aufzusammeln und zu entsorgen. „Als das alte Rathaus in Pewsum abgerissen wurde, da habe ich damit angefangen.“ Er habe damals den alten Container für Zigaretten vor dem Rathaus mitgenommen. „Jetzt hängt er bei mir im Dörphuus in Freepsum.“
Das ist nun mehr als acht Jahre her. Seitdem hat Voß fest an seinem Aktionismus gegen die Umweltverschmutzung durch weggeworfene Zigarettenkippen festgehalten. Auch an Bushaltestellen hat Voß bereits Aschenbecher angebracht. „Drei Stück habe ich angebracht. Zwei wurden schon abgerissen.“ Aber solche Reaktionen halten den Freepsumer nicht davon ab, weiterhin nach Lösungen für das Kippenproblem zu suchen. So hat er in der Vergangenheit bereits gemeinsam mit Kindern in der Dorfgemeinschaft Kippen an Bushaltestellen oder Spielplätzen eingesammelt. „Ich spreche die Leute dann auch direkt an“, so Voß über die Momente, in denen er Umweltsünder auf frischer Tat ertappt.
Schädliche Stoffe gelangen in die Umwelt
Zigarettenfilter einfach in der Natur zu entsorgen ist deshalb so schädlich, weil die Stummel unter anderem aus Kunststoff bestehen, der so in Form von Mikroplastik nach dem Zerfall wieder in den Kreislauf der Umwelt einfließt. Außerdem enthalten Zigarettenkippen chemische Stoffe, darunter Blei, Arsen und Blausäure, welche durch Zersetzung in den Boden und das Grundwasser gelangen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation landen etwa zwei Drittel aller auf der Welt gerauchten Zigaretten direkt in der Umwelt. „Bei Müllsammelaktionen an der Nordsee landen sie regelmäßig in den Top 10 der am häufigsten gefundenen Müllteile“, heißt es vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Das enorme Mengen an Kippen einfach weggeworfen werden, kann auch die Emder Greenpeace-Gruppe bestätigen: Laut einer Mitteilung Mitte Mai 2024 hat die Gruppe binnen 40 Minuten knapp 1000 Zigarettenstummel vor den Berufsbildenden Schulen in Emden gesammelt.
Faulheit als Ursache für Umweltverschmutzung
Einen Grund für die Unachtsamkeit mancher Menschen im Umgang mit weggeworfenen Kippen sieht Voß unterdessen schlicht und ergreifend in der Faulheit. Bei Feierlichkeiten zum Vatertag und Maifeiern habe er selbst beobachten können, wie achtlos Besucher mit ihren Zigarettenstummeln umgehen. „Das waren vielleicht fünf Meter bis zum nächsten Abfalleimer, aber die Leute laufen trotzdem nicht bis dahin“, so der Freepsumer. Auf den Ostfriesischen Inseln habe er auch schon Leute gesehen, die ihre Zigaretten einfach im Sand ausdrückten und dort liegen ließen. „Das Problem haben wir hier in Freepsum natürlich nicht“, so Voß. Zigarettenreste würde man trotzdem fast überall finden.
Aber es könnte auch mehr Aschenbecher geben, so dass Raucher gar nicht erst weit gehen müssten, um die Reste ihrer Zigarette loszuwerden, findet Voß. Oder, noch besser, jeder Raucher hätte immer einen eigenen mobilen Aschenbecher mit dabei. Solche sogenannten Taschenaschenbecher gibt es bereits. Ebenso gibt es Initiativen, wie zum Beispiel die gemeinnützige Organisation Tobacycle, die sich dafür einsetzen, weggeworfene Zigarettenstummel einzusammeln und fachgerecht zu entsorgen. So ein ähnliches Konzept wünscht sich Voß für die Krummhörn, wie er kürzlich bei einem Gemeindeausschuss mitteilte.
Initiativen auf den Inseln gibt es bereits
Ähnliche Anstrengungen gab es auch schon an anderen Orten in der Region, zum Beispiel auf den Inseln Borkum und Norderney oder im Landkreis Wittmund. Auf Norderney und in Wittmund stehen bereits Auffangbehälter für Zigarettenreste, welche in Zusammenarbeit mit Tobacycle errichtet wurden. Dieses Klimaschutzprojekt soll auf die Problematik aufmerksam machen, aber auch den Entsorgungsweg der Kippen verbessern.
Die gesammelten Kippen aus den Behältern werden an Tobacycle weitergegeben und dann vom Verein weiterverarbeitet. Dabei entstehen beispielsweise wieder neue Sammelbehälter und Taschenaschenbecher aus den Bestandteilen der alten Zigarettenfilter. Der Verein bietet ganze Pakete an, bestehend aus solchen Aschenbechern zum Mitnehmen und montierbaren Recyclingbehältern für Zigarettenstummel.
„Irgendwo muss man ja anfangen.“
Und so ein Projekt könnte man vielleicht auch in der Krummhörn realisieren, so Voß. Noch steht er ganz am Anfang dieser Pläne, hat bei der Gemeinde noch keine offiziellen Anträge eingereicht. Doch in Zukunft würde Voß gerne mit Unterstützung von Werbepartnern Taschenaschenbecher in der Gemeinde Krummhörn ausgeben. „Ich habe auch den Wunsch, dass Geschäfte sagen, ‚wir sammeln mit‘ oder dass sie Werbung für die Aktion machen“, so Voß.
Der Ortsvorsteher war früher selbst Raucher, hat aber vor etwa 40 oder 50 Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Dennoch: Ein allgemeines Rauchverbot in der Gemeinde strebt er nicht an. „Ich toleriere jeden, der rauchen möchte“, so Voß. „Ich würde mir lediglich eine kippenfreie Zone wünschen.“ Bei diesem Wunsch denkt er vor allem an jene Menschen, die noch nach ihm kommen. „Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Umwelt ordentlich für die zukünftigen Generationen zu hinterlassen.“ Dass eine einzige solche Aktion nicht die Umwelt retten kann, das weiß Voß. „Man kann die Welt nicht auf einmal retten, aber irgendwo muss man ja anfangen!“